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Rund 200 Besucher: Nicht alle fanden einen Sitzplatz im Sportheim. 

Streit um ein Wohnhaus

„Wir bauen doch kein Atomkraftwerk“ - und trotzdem gibt‘s Riesenknatsch

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Bei der Podiumsdiskussion zum umstrittenen Wohnbau an der Heilmannstraße war für den Dritten Bürgermeister Alexander Betz von der FDP irgendwann ein Punkt erreicht, an dem er sagte: „Wir bauen doch kein Atomkraftwerk. Wir bauen doch nur ein Wohnhaus.“ Pullach streitet trotzdem.

Pullach –  Es ging an dem Abend um das Haus, das auf dem gemeindeeigenen Grundstück an der Heilmannstraße entstehen soll, mit 22 öffentlich geförderten Wohnungen. Die Gruppierung „Wir in Pullach“ (WiP) hat dagegen ein Bürgerbegehren initiiert. Dem von einer Koalition aus Grünen, SPD, CSU und FDP letztlich ein Ratsbegehren entgegengestellt wurde.

Dabei machten an dem Abend die beiden Vertreter der WiP auf dem Podium, Christine Salfer und der Gemeinderat Reinhard Vennekold, inhaltlich eine doch überraschende Kehrtwendung. Bislang war es ihrer Fraktion immer darum gegangen, dass Pullach die 22 Wohnungen nicht brauche, dass Steuern „für alle“ verwendet werden sollten, nicht nur für die sozial Schwächeren. Jetzt aber hieß es im gesteckt vollen Sportheim, man wolle ja nur die „Notbremse“ ziehen, weil das Haus so teuer komme. Man wolle das Projekt stoppen, um „vernünftig von vorn anfangen“ zu können – und also günstiger zu planen. Dass dann freilich die 1,1 Millionen, die jetzt schon an Architekten bezahlt wurden, ebenso verloren sind wie die drei Millionen an bereits zugesagten Fördergeldern, blieb dabei unberücksichtigt. Salfer meinte: „Wenn wir die Förderung nicht kriegen, nehmen wir eben eine andere, da mach’ ich mir gar keine Sorgen.“

Tatsächlich war der Punkt, um den sich der Abend vorwiegend drehte, dann wirklich das liebe Geld. Elf Millionen Euro kostet die Heilmannstraße alles in allem, mit Grunderwerb, Planung, Tiefgarage, und behindertengerechtem Ausbau. Vielen der 200 Besucher erschien das zuviel. „Luxuswohnungen“ würden hier entstehen, sei das wirklich nötig? Ein Zuhörer aus dem Publikum rechnete vor, er habe gerade selber in der Nähe von Moosach Wohnungen gebaut für 2000 Euro den Quadratmeter. In der Heilmannstraße koste der Quadratmeter das Dreifache. „Warum in Gottes Namen ist das so?“ Eine Frau meinte: „Brauchen denn die Leute dort wirklich Terrassen? Reichen nicht auch Balkone?“ Die WiP-Gemeinderätin Alexandra Metz wollte wissen, warum nicht lieber im Ortszentrum altengerechte Wohnungen gebaut würden.

Immer wieder erläuterte Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne): Man wolle die Wohnungen für um die zwölf Euro pro Quadratmeter vermieten, aber auch schon bei einer Vermietung für zehn Euro werde sich der Bau in 26 Jahren amortisiert haben. Bei der Vergabe der Wohnungen sei die Gemeinde sehr frei.

Die Stimmung war teilweise feindselig. Manche Bürger, die sich zu Wort meldeten, unterstellten, die Vergabe des Vorhabens an einen Generalunternehmer, die Baugesellschaft München-Land nämlich, sei unter Umständen nicht sauber gelaufen. Salfer monierte, die Baukosten seien nicht gedeckelt. Ein Besucher beanstandete, dass Grünen-Gemeinderat Wilhelm Wülleitner, der eine erste Konzeptstudie für das Projekt entworfen und so überhaupt erst einen Konsens im Gremium ermöglicht hatte, mit dem von der Baugesellschaft beauftragten Architekten zusammenarbeitet.

Gegen Ende der Diskussion kamen noch zwei Wortmeldungen von Unterstützern des Vorhabens. Ein Mann, der selbst auch Bauunternehmer ist, sagte, es sei „völlig ausgeschlossen“, in München für 2000 Euro pro Quadratmeter zu bauen. 6000 Euro seien zwar relativ viel, aber: „Wir leben hier doch auf der Sonnenseite. Es ist doch richtig, dass wir dann auch Wohnungen für andere bezuschussen.“ Schließlich meinte Musiklehrerin Irmtraud Mallach: „Wenn man die Möglichkeit hat, für Bedürftige zu bauen, es dann aber nicht tut: Das wäre zutiefst unchristlich.“ 

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