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Mathias Richling

Kabarett im Bürgerhaus Pullach

"Prognosen auf Rückblicke"

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Mathias Richling begeistert mit seinem neuen Programm 

Er gönnt sich keine Pause. Sich selbst nicht und dem Publikum ebenfalls nicht. Sobald Mathias Richling die Bühne im Pullacher Bürgerhaus betreten hat, spricht er auch schon und das sehr schnell. Dazu läuft er hin und her, von rechts nach links und wieder zurück. Der Kabarettist redet rasant, hier eine Pointe, dort eine Verbalattacke, und als er schon den übernächsten Gedanken spinnt und man sich fragt, ob man dem Künstler die rund 100 Minuten – ohne Pause – wirklich folgen kann, bleibt er stehen und sagt: „Rede ich Ihnen zu schnell? Ich frage nur, weil ich die letzten Sätze selber nicht verstanden habe.“ 

„Richling spielt Richling“. Dabei bleibt der Kabarettist, bekannt für seine teils bitterbösen Politiker-Parodien, natürlich nicht alleine. Indem er „Prognosen auf Rückblicke“ gibt, holt der 62-jährige Schwabe einen Großteil des aktuellen Politpersonals auf die Bühne des Bürgerhauses und außerdem Personen, „deren historische Bedeutung wenigstens ein satirisches Nachhaken rechtfertigt“, wie der Zusatz zu seinem neuen Programm heißt. Mit dem ist Richling gerade auf Tournee, und er spielt nicht nur in Pullach vor vollem Haus.

Der Kabarettist gehörte zwischen 2003 und 2008 zur Stammbesetzung des ARD-„Scheibenwischer“ und seit vielen Jahren präsentiert er im SWR die „Mathias Richling Show“. Während er im Fernsehen seine Rollen oft durch sorgfältige Maske unterstreicht, kommt der 62-Jährige auf der Bühne ganz ohne Verkleidung aus. Der Mann mit jugendlichem Charme tritt den Abend über im schwarzen Anzug und blauer Krawatte auf, ganz gleich ob er gerade Kanzlerin Angela Merkel ist, Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Altkanzler Helmut Kohl oder Außenminister Frank-Walter Steinmeier. Richling, der sonst in üppig bestückten Bühnenbildern seines Regisseurs Günter Verdin spielt, benutzt diesmal einen einzigen Stuhl. So heißt es zumindest in seiner Programmankündigung, und so beginnt er mit den bissig-unterhaltsamen Abend im Bürgerhaus mit einem durchsichtigen

Exemplar. 

Doch so viele Richlings der Zuschauer dort vorne im Scheinwerferlicht erleben kann, so viele Stühle gibt es auch auf der Bühne. Rote, schwarze und gelbe in den deutschen Nationalfarben, die er hin und herschiebt, verräumt, herzuholt und auf die er sich setzt, wenn es nötig ist. Und so spielt er beispielsweise den Klassiker „Merkel bei Freud“ in einem Schaukelstuhl. Als der Kabarettist den Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann gibt, dreht er einen schwarzen Stuhl um – und zeigt dem Publikum eine grasgrüne Seite. Der Grünen-Politiker aus dem Ländle kämpft demnächst bei den Landtagswahlen um seine Wiederwahl. 

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer zu Besuch bei Russlands Präsident Waldimir Putin, Außenminister Steinmeier in Riad, Finanzminister Wolfgang Schäubles Gedanken zur Finanzpolitik („Der Bürger ist unser letztes Sparschein, das wird jetzt geschlachtet“), der Kabarettist legt nicht nur aktuellen Akteuren so manche Boshaftigkeit in den Mund. In seinem Programm trifft die politische Wirklichkeit auf die Geschichte. War früher alles besser, wer hat die Wähler mehr angelogen? Diesen und vielen anderen Fragen geht der Kabarettist nach, und es wird deutlich: Die Dinge wiederholen sich. Wenn er sich zum Beispiel früheren Ministerpräsidenten widmet, ruft er mit viel Satire in Erinnerung: Johannes Rau hat schon vor vielen Jahren die Diskussion über das Kopftuch führen müssen, und die Finanzkrise, mit der sich Horst Köhler einst beschäftigt hat, ist nicht gelöst, sondern wieder aktuell. Bis zum Ende hält Richling das Tempo. Viele Sätze wirken nach – wie der über die Apparatemedizin und über den Zustand, nicht mehr am Alltagsleben teilnehmen zu können: „Vielleicht ist das Koma die erträglichste Form von Leben überhaupt.“ Am Ende bekommt er viel Applaus, Richling gibt zwei Zugaben. 

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