Caroline Voit (42) tritt aus der Pullacher CSU aus.
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Caroline Voit (42) tritt aus der Pullacher CSU aus.

Nach dem „Personalkrieg“

Überraschender Austritt: Pullacher CSU zerfällt weiter

  • Josef Ametsbichler
    vonJosef Ametsbichler
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Eigentlich hätte die Pullacher CSU Caroline Voit gerne als Dritte Bürgermeisterin in der Gemeinde gesehen. Doch nun ist die 42-jährige Moderatorin nicht einmal mehr Mitglied von Partei und Fraktion.

Pullach – Am Telefon informierte sie die Fraktionssprecherin Christine Eisenmann über ihren Austritt, berichtet diese. „Wir bedauern das sehr und hoffen, dass das Band noch nicht ganz zerrissen ist“, sagt Eisenmann weiter. Die Entscheidung habe sie überrascht.

Auch Voit selbst gibt sich bemüht, kein weiteres Porzellan zu zerschlagen. „Ich möchte weiter mit allen sprechen“, sagt sie dem Münchner Merkur am Dienstag am Telefon. Doch mit dem Kurs der Fraktionsspitze und dem „Personalkrieg“ der vergangenen Wochen könne sie sich nicht mehr identifizieren, deshalb werde sie als Fraktions- und Parteilose weitermachen. „Ich bin in den Gemeinderat gegangen, um Sachpolitik zu machen.“ Eigentlich habe sie ihr Mandat ganz niederlegen wollen, sei aber parteiintern zum Weitermachen gebeten worden.

Um Schadensbegrenzung und Mehrheitsfähigkeit bemüht, verströmt ihre ehemalige Fraktion der Abweichlerin gegenüber Kompromissbereitschaft. Voit habe bei der Kommunalwahl viele Stimmen bekommen und es sei richtig, dass sie ihr Gemeinderatsmandat behalte, sagt Fraktionschefin Eisenmann. Für die gestrige Ratssitzung plante die CSU, Voit trotz ihres Austritts in den Sozialausschuss zu hieven. „Wir beißen uns nicht“, sagt Eisenmann. Und Voit sagt: „Ich freue mich darüber sehr.“ Ob die Wahl dann auch so verlief wie geplant, stand bis Redaktionsschluss nicht fest.

So oder so ist Carolin Voits Absage an Partei und Fraktion ein weiterer Tiefschlag für die ohnehin gebeutelte Pullacher CSU: Erst schaffte es Christine Eisenmann nicht, als Bürgermeisterkandidatin die Grüne Susanna Tausendfreund zu entthronen. Dann folgte ein Gerangel um ihr Ratsmandat, das sie erst ablehnte, um dann doch ihren Einzug in den Gemeinderat über die Kündigung ihres Rathausjobs zu erreichen.

Und schließlich geschah ein handfestes Zerwürfnis über die zukünftige Ausrichtung der Fraktion, um sich mit WIP und FDP gegen die Grünen und die SPD aufzustellen: Andreas Most, der für Fraktionszwang und Blockbildung bekanntlich wenig übrig hat, kostete die Querele den Fraktionsvorsitz und den Posten als Vize-Ortsverbandschef. Wie eine Pointe wirkte es, als er kurz darauf mit den Stimmen der Grünen zum Vizebürgermeistmer gewählt wurde – gegen die Stimmen seiner eigenen Fraktion.

Mit deren weiterem Bröckeln ist die geplante Koalition aus CSU, WIP und CSU endgültig ein Minderheitenblock, genau wie der von Grünen und SPD. Zum Regieren braucht es nun die überparteiliche Konsensfähigkeit, die sich Caroline Voit am Telefon zum Wohl der Bürger wünscht.

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