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Im nahen Geretsried gibt es sie schon: Mitfahrbankerl am Straßenrand.

Debatte über Mobilität

Pullach und der Weg von A nach B - Ortsbus: Nein - Mitfahrbankerl: Vielleicht

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In Pullach wurden zwei Vorschläge für eine bessere Mobilität innerhalb der Gemeinde diskutiert. Mit unterschiedlichem Erfolg.

Pullach – Pullach ist eine langgestreckte Gemeinde, und unter Umständen ist es nicht leicht, von A nach B zu kommen. Zudem gibt es etwa die abgelegene Wenz-Siedlung unten an der Isar. In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurden deshalb zwei Anträge diskutiert, um die innerörtliche Mobilität zu verbessern. Einer, der darauf abzielte, einen Ortsbus einzurichten und den die Agenda 21 gestellt hatte, wurde abgelehnt. Ein anderer stammte von der FDP und sieht die Einrichtung von Mitfahrbankerln vor, wie es sie schon in einigen Gemeinden gibt – in dem Fall wurde mit knapper Mehrheit (12 zu 8) beschlossen, dass die Verwaltung ein Konzept erarbeiten soll.

„Jetzt ist die Luft raus“

In beiden Fällen wurde ausführlich diskutiert – was Caroline Voit, CSU, schließlich zu dem Ausspruch brachte: „Jetzt ist die Luft raus.“

Die Mitfahrbankerl hatte sich die FDP nicht als neu zu installierende Bänke vorgestellt; sondern Martin Eibeler schlug vor, bestehende Sitzgelegenheiten in der Gemeinde umzuwidmen. „Wir wollen eine fast kostenneutrale Lösung“, sagte er. Es gehe darum, abgehängte Ortsteile wieder an den öffentlichen Nahverkehr anzuschließen.

Bedenken gegen Mitfahrbankerl

So einfach aber war für die Kollegen im Gremium die Umsetzung der Idee, die sie durchweg „pfiffig“ oder auch „witzig“ fanden, nicht. Eine ganze Reihe an Bedenken wurde laut: Das Ganze sei eine Konkurrenz zur Nachbarschaftshilfe, die auch auf Bestellung ältere Leute im Ort herumfährt, kritisierte Angelika Metz, WiP. Ungefährlich sei die Angelegenheit auch nicht, schließlich würde Kindern, denen man sonst ja eintrichtert, dass sie nie mit Fremden mitgehen sollen, suggeriert, sie könnten bei jedem einsteigen, der hier anhält, wandte Reinhard Vennekold, auch WiP, ein. Caroline Voit wiederum sagte, eine Mitfahrbank brauche auch eine Haltebucht. Cornelia Zechmeister, WiP, fand es unpassend, bestehende Sitzbänke umzuwidmen: „Man weiß doch gar nicht, ob die Leute, die da sitzen, sich nur ausruhen oder mitfahren wollen.“

„Wir steigern uns hier rein in Bedenkenträgerei. Lasst es uns doch einfach ausprobieren.“

Dass man die Bankerl „wenn, dann gescheit“ einrichten soll in der Gemeinde – der Auffassung war auch Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund, Grüne. Ihr gefiel auch die Vorstellung, „dass hier Pullacher den Pullachern helfen“. Vor dem AEZ, beim Simmel, sei ein solcher Haltepunkt auf jeden Fall sinnvoll. Am Ende meinte Fabian Müller-Klug, Grüne: „Wir steigern uns hier rein in Bedenkenträgerei. Lasst es uns doch einfach ausprobieren.“ Genau das wird jetzt unter Umständen passieren, erst soll die Verwaltung mögliche Haltepunkte eruieren.

Ortsbus Pullach: Absage an Konkurrenz zum MVV

Hauptargument wiederum gegen den von der Agenda 21 gewünschten Ortsbus, der Pendler vom Bahnhof abholen und den Pullachern Erledigungen innerorts auch ohne Autos ermöglichen hätte sollen, war, dass es ja schon einen Bus im Ort gibt – den 270er nämlich. Der verkehrt zwischen Solln und Höllriegelskreuth, zieht ab Dezember im 20-Minuten-Takt einige Zusatzschleifen und fährt auch den Staatsbahnhof an. Mit einem weiteren Verkehrsmittel, so Tausendfreund, mache man dem MVG nur Konkurrenz.

Es gab durchaus Kollegen im Gremium, die die Agenda 21 in ihrem Wunsch gern unterstützt hätten. Alex Betz, FDP, und Andreas Most, CSU, erklärten den 270er zum ökologischen und ein finanziellen Desaster – die großen Busse würden nur allen auf die Nerven gehen, genutzt würden sie selten. Tausendfreund entgegnete: „Der 270er steht nicht zur Debatte.“ 14 zu sechs wurde der Ortsbus abgelehnt.

Dafür: Raus aus Sauerlach dank Mitfahrbankerl

Dagegen: Zu gefährlich und Konkurrenz für den MVV: Straßlach lehnt Mitfahrbankerl ab

Merkur-Reporter macht den Selbstversuch: Auf der Wartebank

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