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Streit wegen Isartalbahn-Radweg

Pullach will Baulöwen enteignen

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Es geht um rund 115 Meter. Die fehlen der Gemeinde Pullach, um dem lang ersehnten Radweg auf der Trasse der früheren Isartalbahn ein deutliches Stück näher zu kommen.

Pullach – Diese 115 Meter führen über Privatgrund. Und der gehört Urs Peter Brunner. Jenem millionenschweren Baulöwen, der 2015 die Praterinsel in München kaufte. Seine „Brunner Verwaltungsgesellschaft mbH“ sitzt in Pullach, ihm gehört unter anderem ein Grundstück nördlich des Bahndamms in Großhesselohe. Dort hindurch soll der Radweg führen. Seit 2014 verhandelt die Gemeinde deshalb mit ihm – ohne Erfolg. „Alle Kaufangebote haben nicht gezogen“, sagt Jürgen Weiß, Leiter der Bauverwaltung im Pullacher Rathaus.

Darum hat die Gemeinde ein Enteignungsverfahren gegen Brunner angestrengt. Die mündliche Verhandlung findet am 24. Mai um 10 Uhr im Landratsamt statt. „Das ist unser letztes Mittel, um den Radweg fortzuführen“, verdeutlicht Weiß und spricht von „verhärteten Fronten“. Brunner war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die beiden Parteien gegenübersitzen. Eine erste Verhandlung fand im November 2015 statt. Damals habe Brunner kritisiert, dass die Gemeinde keine Alternativrouten für den Radweg geprüft habe – die nicht über seinen Grund führen, erläutert Weiß. Die Kommune besserte nach, prüfte einen Weg entlang der Großhesseloher Straße. Doch die Naturschützer spielten nicht mit. Die Eingriffe seien zu groß, sagt er zum Ergebnis der Behörde. Die Gemeinde reichte im Mai 2015 einen modifizierten Antrag auf Enteignung ein, nun geht’s in die zweite Runde.

Zwar ist der Bauverwaltungsleiter „hoffnungsvoll“, dass die Gemeinde gewinnt, aber „es ist davon auszugehen, dass der Eigentümer gegen eine positive Entscheidung zu unseren Gunsten Klage einreichen würde“. Und sich das Verfahren somit hinzieht.

Den Traum vom Radweg auf der Isartalbahn-Trasse gab es „immer schon“, sagt Weiß. Bislang endet der Weg vor den Grenzen Pullachs an der Heinrich-Vogl-Straße in München-Solln. Geplant ist, ihn über die historische Bahnbrücke und entlang der Hilariastraße bis zum S-Bahnhof Großhesselohe zu führen. Es fehlen nur noch 115 Meter.

Diese liegen auf einem größeren Grundstück Brunners, auf dem es vor Kurzem noch ziemlich übel ausgeschaut hat. Und wegen dem Gemeinde und Landratsamt ebenfalls mehrfach mit dem Eigentümer in Kontakt standen. Von einem „Schandfleck im Wald“ spricht Ralph Baasch, Leiter der Abteilung Umwelt- und Naturschutz im Pullacher Rathaus. Bis dort Kinder und Eltern des angrenzenden Carusowegs und der Prinz-Ludwig-Höhe in einer „Ramadama“-Aktion eigenhändig für Ordnung sorgten. Drei Container à zehn Kubikmeter füllten sie mit Verpackungen, Plastik, Folien und vielem mehr.

Dort habe früher ein Obdachloser gehaust „und die Umgebung als Müllkippe genutzt“, erläutert Baasch. „Was er nicht brauchte, hat er einfach den Hang hinunter geworfen“. Mehrfach habe die Gemeinde Brunner aufgefordert, das Areal sauber zu halten. Nichts sei passiert. Schließlich wandte sich die Kommune im Februar 2016 ans Landratsamt. Es gab einen Vor-Ort-Termin. „Ein eindeutiger Verursacher war nicht feststellbar“, sagt Pressesprecherin Christina Walzner. Gibt es einen Schuldigen, muss der für Ordnung sorgen. Kann man keinen Übeltäter ausfindig machen, ist der Grundbesitzer verantwortlich. Brunner habe um eine Fristverlängerung für eine Säuberung gebeten. Doch im November 2016 zeigte sich, „dass die Abfälle immer noch nicht beseitigt worden waren“, sagt Walzner. Es gab eine weitere Fristverlängerung – mit dem deutlichen „Hinweis, dass eine kostenpflichtige Beseitigungsanordnung“ erlassen werde, wenn der Müll nicht bis Ende März 2017 verschwunden ist. Brunner meldete dem Landratsamt am 10. April, dass die Abfälle beseitigt wurden – nur wenige Tage nach der „Ramadama-Aktion. Zu großen Teilen haben also Eltern und Kinder auf Brunners Privatgrund aufgeräumt. Er hatte dafür die Container zur Verfügung gestellt.

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