Das Altenheim „Haus am Wiesenweg“ in Pullach, von der Münchener Straße aus. Der geplante Neubau würde dahinter liegen, an der Hans-Keis-Straße.
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Das Altenheim „Haus am Wiesenweg“ in Pullach, von der Münchener Straße aus. Der geplante Neubau würde dahinter liegen, an der Hans-Keis-Straße.

Nach Patt im Gemeinderat zieht Paritätischer Wohlfahrtsverband Bauvoranfrage zurück

Erst grünes Licht für Wohnhaus - dann rote Karte

  • vonAndrea Kästle
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Der Paritätische Wohlfahrtsverband, der auch das Altersheim am Wiesenweg in Pullach betreibt, will ein Mehrfamilienhaus neben dem Altersheim bauen lassen – mit Sozialstation, Tagespflege und 17 Sozialwohnungen. Im Pullacher Gemeinderat aber fand sich keine Mehrheit für das Projekt, das jetzt erst einmal zurückgezogen worden ist.

Pullach - Dabei fiel die Entscheidung mit einem Patt von neun zu neun Stimmen denkbar knapp aus. Zwei Gemeinderäte fehlten an dem Abend: Willi Wülleitner (Grüne) und Caroline Voit von der neuen Fraktion Pullach Plus. Im Vorfeld des Votums hatte es einiges an Hin und Her gegeben.

Grund, warum sich CSU, WiP und auch Michael Reich von der FDP gegen das Vorhaben stemmten, war, dass das Haus natürlich nicht unsichtbar sein wird. Es war geplant mit 17,50 Metern Höhe, zweieinhalb Meter niedriger als das Altenheim. „Für das Gebiet gibt es keinen Bebauungsplan, was heißt, das Gebäude muss sich in die Umgebung einpassen. Theoretisch hätten wir sogar acht Geschosse planen können“, meinte nach der Sitzung Christoph Schellmann, Geschäftsführer des Bauträgers. Man wolle aber mit dem Gemeinderat und den Nachbarn eine einvernehmliche Lösung, anders gehe es nicht. Schellmann zog noch in der Sitzung die Bauvoranfrage zurück.

Bürgermeisterin hofft auf Lösung

„Ich bin zuversichtlich und hoffe sehr, dass wir zu einer zustimmungsfähigen Lösung kommen“, meinte auch Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grünen). Sie zeigte sich erleichtert darüber, dass Schellmann „so flexibel auf das für ihn überraschende Stimmungsbild zur Wandhöhe reagiert hat“.

Ihre Fraktion hatte sich geschlossen für das Projekt in der Hans-Keis-Straße 37, dessen barrierefreie Wohnungen auch für Mitarbeiter des Altenheims gedacht sind, ausgesprochen. Renate Grasse sagte nach der Abstimmung: „Wir Grünen bedauern es absolut, dass das Haus um ein Stockwerk gekürzt werden soll. Wir fanden die Lösung mit den zurückgesetzten Obergeschossen und umlaufender Terrasse attraktiv.“ Wenn man schon eine Fläche in der Gemeinde versiegeln müsse, dann solle man das Baufenster darauf auch voll ausnutzen. „In verträglicher Optik.“ Es sei für sie „schwer verständlich“, dass man nun auf den Bau in der vorgestellten Form verzichten wolle.

Kritik an Flachdach und Höhe des Gebäudes

Gegen das Vorhaben argumentierte unter anderen Cornelia Zechmeister (WiP). Ihr war das Gebäude schlicht zu hoch gegenüber der nördlichen Nachbarbebauung. „Wir müssen Rücksicht nehmen“, sagte sie. Auch ein Flachdach sei nicht wünschenswert. Gleichzeitig betonte sie: „Ich bin nicht gegen Wohnbebauung, die Einrichtungen, die wir hier bekommen, sind mir wichtig.“ Sie wolle nur „keinen Präzedenzfall für Pullach“ schaffen.

Geplant hatten die Gebrüder Thinius für den Bauträger ein viergeschossiges Gebäude, wobei dritter und vierter Stock terrassenartig zurückgesetzt worden wären. „Auch Kritiker fanden, dass die Planung attraktiv und schön ist“, sagte Schellmann.

Dabei ist der Witz an der Geschichte, dass das Projekt eigentlich schon bewilligt worden war. Am 22. März hatte der Bauausschuss einem Antrag auf Vorbescheid zugestimmt, wenn auch knapp mit fünf zu vier Stimmen. Am Tag drauf stellte die CSU jedoch einen Nachprüfungsantrag, weil das Gebäude sich nicht ins Erscheinungsbild der Hans-Keis-Straße einfüge. Daraufhin wurde jetzt im Gemeinderat mit neun zu neun Stimmen erst der Vorschlag der Verwaltung abgelehnt, dem Nachprüfungsantrag nicht nachzukommen. Dann musste über den Antrag auf Vorbescheid erneut abgestimmt werden – mit anfangs beschriebenem Ergebnis.

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