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Wollen sich von der Krise nicht unterkriegen lassen: Susanne Klug und Krzystof Chylinski vom „Kinderküchen-Catering“. Das Gulasch bei ihnen wird über Nacht eingekocht, und wenn es Lasagne gibt, dann haben Kombidämpfer mit Temperaturfühler dafür gesorgt, dass nichts überkocht und die Portionen „100 mal perfekt“ ausgeliefert werden. 

Ich kämpfe um meinen Laden

Kinderküche mit neuem Konzept

  • vonAndrea Kästle
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In der Krise haben sich diese Pullacher Caterer nicht klein kriegen lassen und liefern Essen, vor allem für Eltern im Home-Office.

Pullach – Vor fünf Jahren haben Susanne Klug und ihr Lebensgefährte Krzystof Chylinski ein neues gemeinsames Projekt gestartet. Sie gründeten das „Kinderküche – Catering“, das Kindergärten, Kitas und Schulen auch im Landkreis mit gesundem Essen beliefert. Dann kam Corona – und in der Wolfratshauser Straße in Obersendling blieb der Riesenherd plötzlich kalt. Bis die beiden in der Woche vor den Osterferien beschlossen haben, sich nicht kleinkriegen zu lassen von der Krise. Seither kochen sie wieder – und haben einen Lieferservice aufgezogen, den vor allem Eltern im Homo-Office sehr gerne nutzen.

Eine Sache fürs Marketing

„Wir verdienen mit der ganzen Angelegenheit nichts, das ist eher was fürs Marketing“, meint dieser Tage Krzystof Chylinski am Telefon, im Gegenteil, das Ganze würde für ihn und Susanne Klug nur noch mehr Stress bedeuten. Sie haben ja selbst auch Kinder, zwei Jungs, acht und elf Jahre alt, die jetzt in irgendeinem Büro in der Kinderküche ihre Schularbeiten machen müssen, „die machen jetzt office-schooling“, meint der Vater. Aber man habe einfach etwas gegen den Lockdown tun und wenigstens einigen der 26 Mitarbeiter die Kurzarbeit ersparen wollen. Immerhin acht von ihnen können jetzt weiter Vollzeit beschäftigt werden.

Guglhupf zur Nachspeise

Das „Kinderküche-Catering“ ist ein selbstständiger Ableger der „Kinderküche“, die die Ökotrophologin Susanne Klug schon 2004 in München-Haidhausen aufgemacht hat und die auch in anderen Städten längst etabliert ist. Kinderkochkurse finden dort statt, auch Kindergeburtstage sind in der Einrichtung sehr beliebt. Da kochen und backen sich Gastgeber und Gäste dann selbst das Festessen und den Guglhupf zur Nachspeise.

Essen soll wertvoll sein

Wichtig in der Kochschule wie im Catering sind Klug und Chylinski, dass das Essen, das fabriziert und ausgeliefert wird, nicht nur Hunger stillt, sondern auch wirklich wertvoll bleibt. Dass die Portionen, wenn sie etwa in Pullach, Ottobrunn, Unterhaching und Neubiberg ankommen, auch noch Vitamine erhalten – weshalb alles bestens organisiert werden muss. Denn sobald ein Gericht vier Stunden herumsteht, sind die Vitamine in sich zusammengefallen. „Wir behandeln die Lebensmittel schonend und vermeiden alle unnötigen Standzeiten.“

Viel von Hand gemacht

Entsprechend wird in der Kinderküche „noch sehr viel von Hand gemacht“, Rohkost wird auch wirklich erst an dem Tag vor Ort geschält und portioniert, an dem sie auf dem Speiseplan steht.

Die erste Woche nach Schließung der Schulen und Kindergärten sei, sagt Krzystof Chylinski, ein „Riesenschock“ für ihn und Susanne Klug gewesen. Die beiden haben erst letztes Jahr in ihre große Küche für die kleinen Esser „viel Geld“ investiert: „Es hat uns massiv getroffen.“ Man habe Tage gebraucht, um sich zu „berappeln“ - und um eine Bank zu finden, die hilft, diese Zeit zu überbrücken.

Für überforderte Eltern

An mehreren Ausgabestellen in der Stadt, aber auch in der Pullacher Parkstraße kann man sich jetzt jeden Mittag unter der Woche ein Kinderküchen-Essen abholen, das man am selben Tag spätestens bis acht Uhr früh bestellt und online bezahlt haben muss. 5,95 Euro kostet eine Mahlzeit, die aus zwei Gängen besteht. „Wir wollen Eltern unterstützen, die daheim mit Arbeit und Kindern überfordert sind.“ Angenommen würde das Angebot „sehr gut“, viele Leute kämen immer wieder, einige hätten ihnen auch Hilfe angeboten und „uns Vorschüsse in Aussicht gestellt“. Bei Interesse: www.diekinderkueche-catering.de

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Die Coronakrise trifft die Einzelhändler und kleine Unternehmen hart. Der Münchner Merkur hat Ladenbesitzer im Landkreis gefragt, wie sie die Krise meistern.

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