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Susanne Meinl bei einer bewegenden Veranstaltung mit dem Zeitzeugen Walter Grein. Ihre eigenen Vorfahren waren zum Teil selbst verstrickt in den Nationalsozialismus, zum Teil sind sie vertrieben worden. „Ich schiebe aber keinen Schuldkomplex vor mir her, meine Arbeit ist keine persönliche Wiedergutmachung. Durch unsere Familiengeschichte ist die Zeit einfach bei uns zu Hause immer Thema gewesen.“

Historikerin Meinl

Dem Pullacher Fliegermord auf der Spur

Pullach – Die Gemeinde Pullach hat anlässlich des 70. Jahrestages des Kriegsendes viel geredet und diskutiert über den US-amerikanischen Bomber, der gegen Ende des zweiten Weltkriegs abgeschossen worden ist von der Flak. Recherchiert haben diese komplizierte und bewegende Geschichte die beiden Forscher Susanne Meinl und Markus Mooser.

Monatelang haben Meinl und Mooser in in Archiven gewühlt und über das Internet schließlich Angehörige ausfindig gemacht.

Angefangen habe sie mit den Nachforschungen deshalb, sagt einem Susanne Meinl bei einem Kaffee, weil eine ältere Pullacherin vor ihr zu weinen angefangen hatte, als sie das Bild von Heinrich Gradl sah. Der war der NSDAP-Ortsgruppenleiter in der Gemeinde, der war verantwortlich für den Mord an einem der havarierten US-Flieger, der war daraufhin seinerseits hingerichtet worden von den Amerikanern. Die Frau, deren eigener Vater in Dachau inhaftiert gewesen ist, hatte Gradls Leiche liegen sehen über der Friedhofsmauer. „Das war mein movens, mein Antreiber, diese starken Gefühle“, sagt Susanne Meinl. Sie wollte genauer wissen, was passiert war in der Gemeinde im letzten Kriegsjahr.

Expertin für das Dritte Reich

Vor rund eineinhalb Jahren fing sie an, die Geschichte auszugraben, was sich letztlich ausgewachsen hat zur inzwischen „emotional intensivsten Recherche, die ich je durchgeführt habe“. Die Historikerin ist Expertin fürs „Dritte Reich“, sie hat über Täter der Zeit ihre Doktorarbeit geschrieben und war auch beteiligt bei den Vorbereitungen fürs NS-Dokumentationszentrum in München. Studiert hat Susanne Meinl in Gießen, wo sie auch herkommt. Auch dort, sagt sie, seien „Fliegermorde immer ein Thema gewesen“ – mit dem sie sich trotzdem lang nicht befasst hat. 

Kann schon passieren, dass ihr, wenn man über den Pullacher Bomber mit ihr redet, die Tränen in den Augen stehen. Die Geschichte hat sie mitgenommen, „es war wie eine griechische Tragödie“. Zum einen, weil sie in der Isartal-Gemeinde nicht nur willkommen war mit ihren hartnäckigen Nachfragen. Zum anderen aber vor allem, weil der Sohn des Ermordeten, den die Pullacher schließlich auf ihren Vorschlag hin einluden zu sich, auf dem Weg nach Deutschland gestorben ist.

Raus aus der Sackgasse

Irgendwann kam sie mit ihren Nachforschungen nicht mehr voran, jede Spur erwies sich als Sackgasse – und sie band den Hobby-Historiker Markus Mooser aus Starnberg ein in ihre Arbeit. Übers Internet war sie auf den Betriebswirtschaftler aufmerksam geworden, der auf eigene Faust zuvor auch schon ein Flieger-Schicksal erforscht hatte. Nachdem er in einem zu Starnberg gehörenden Waldstück die Umrisse einer Maschine gesehen hatte, nachdem er auch die Leute erzählen hatte hören von einem abgeschossenen Bomber. Letztlich fing er an, „aus einem Instinkt heraus zu graben“, fand Maschinenteile, fand Knochen – und überführte die schließlich nach Amerika, wo er die mutmaßlichen Angehörigen der Verunglückten ausfindig gemacht hatte. Er findet, es ist unsere „Mindestpflicht“, amerikanische Verwandte aufzuklären über das Schicksal all jener jungen Menschen, „die ihr Leben geopfert haben für unsere Befreiung“. 

Aufwühlende Geschichte

Nein, sagt er und lächelt, er habe nicht gleich begeistert zugesagt, als Meinl ihn bat, ihr zu helfen. „Mir geht es um die Menschen. Ich brauche ein Gefühl für die Geschichte. Ich wollte wissen, wo der emotionale Faktor ist.“ Der war dann schnell gefunden. Die Pullacher Geschichte lässt wirklich nichts aus an Dramatik – und zeigt alle Möglichkeiten menschlichen Handelns auf. 

Markus Mooser hat besonders beeindruckt, als der Sohn eines bis dahin vermissten US-Soldaten, dessen Schicksal er rekonstruiert hatte, zu ihm sagte: „Mein Vater ist für Eure Freiheit gestorben.“

Denn einer der Kameraden des Ermordeten wurde von Bauern aufgelesen und notärztlich versorgt. „Ständig, täglich, dauernd“, sagt Susanne Meinl, sei sie trotz aller Erfolge kurz davor gewesen, alles hinzuschmeißen. Die Recherchen nahmen sie persönlich mit – und wurden ja auch gar nicht bezahlt. Umso mehr traf es sie, als im Herbst dann der Gemeinderat Pullach die von Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund vorgeschlagene Erinnerungstafel für den Amerikaner abschmetterte. „Das wäre so eine positive Imagekampagne gewesen für die Gemeinde“, meint sie. 

„Voller Dankbarkeit“ würden dagegen die Ergebnisse ihrer Forschung von den Amerikanern aufgenommen. Mit den Angehörigen aller Beteiligten an der Geschichte steht sie in Kontakt, auch mit den Nachfahren der Täter haben beide Forscher versucht, sich in Verbindung zu setzen. Dabei ist der Fall für die Historikerin, die für Pullach schon die Geschichte der NS-Mustersiedlung Sonnenwinkel in einer Ausstellung und einem hervorragenden Band der gemeindlichen Schriftenreihe aufbereitet hat (wir berichteten), noch nicht abgeschlossen. „Es gab noch einen weiteren überlebenden Flieger. Über den wissen wir noch nichts.“

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