Corona-Schnelltest: Eine Teststation wird eingerichtet.
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Mit Corona-Schnelltest kann man eine Infektion erkennen. Ein Pullacher möchte genauere Informationen über die Infizierten. (Symbolfoto)

Pullacher will genauere Details je Gemeinde

Petition: Freistaat soll mehr Corona-Daten liefern

  • Max Wochinger
    vonMax Wochinger
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Dieter Eckermann aus Pullach hält die Daten, die die Bürger zum Infektionsgeschehen bekommen, für unzureichend. Der Pensionär hat deshalb eine Petition im Landtag eingereicht. Er fordert differenzierte Daten auf Gemeindeebene. Das Landratsamt winkt jetzt schon ab.

Pullach – Dieter Eckermann, 74, ist nach eigener Aussage kein Maskenverweigerer oder Coronavirus-Leugner. Er habe bereits die erste Covid-Impfung bekommen, sagt er. Die Vorwürfe, die er den Politikern macht, haben es in sich: Sie würden nur „schwer nachvollziehbare“ Infektionszahlen veröffentlichen, um in der Bevölkerung „diffuse Ängste zu verbreiten“. Das Gefühl, das viele Menschen haben, nämlich dem Coronavirus jederzeit begegnen zu können, sei gewollt. In sich geschlossene Infektionsgeschehen, etwa wenn in Altenheimen das Virus ausbricht, würden Gemeinden und das Landratsamt München dagegen verschweigen – aus politischem Kalkül.

Tatsächlich macht die Kreisverwaltung keine Angaben zu Virus-Ausbrüchen, etwa in Asylbewerberunterkünften oder Unternehmen. Einsehbar für jeden Bürger mit Internetzugang sind auf der Homepage des Landratsamtes die akuten Corona-Fälle in den jeweiligen Landkreis-Gemeinden, die Todesfälle und die Fallzahlen nach Altersgruppen. Differenzierte Daten zum Infektionsgeschehen in den Gemeinden gibt es nicht – genau wie bei anderen Landratsämtern in der Region. Das will Eckermann, ehemaliger Richter am Amtsgericht Wolfratshausen und Rechtsanwalt, nicht länger akzeptieren. Er hat deshalb eine Petition im Landtag eingereicht.

Behörden sollen Berufe der Infizierten angeben

Der Petent fordert darin die Bekanntgabe von Daten auf Gemeindeebene, „insbesondere zu Alter, beruflicher Tätigkeit und sonstigen Lebensumständen der als infiziert gemeldeten Personen“. „Nach meiner Überzeugung erscheint es verfassungsrechtlich geboten, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um solide Erkenntnisse über die Bildung von Infektionsschwerpunkten zu gewinnen“, betont der Pensionär.

Anlass für seine Initiative war eine Häufung von Infektionsfällen in Pullach Anfang des Jahres. In der ersten Woche habe es dort eine Sieben-Tages-Inzidenz von umgerechnet 600 gegeben, so Eckermann. Darüber hatte sich der ehemalige Jurist gewundert. Tatsächlich wurde erst später und nach Hinweisen eines Altenheim-Mitarbeiters bekannt, dass es in der Senioreneinrichtung „Haus am Wiesenweg“ zu einem Coronavirus-Ausbruch kam (wir berichteten). In der Folge starben mehr als ein Dutzend Bewohner im Zusammenhang mit dem Virus.

Ohne die Berichterstattung der Presse wäre der Ausbruch „wohl auf Dauer in den Zahlenbergen des Landratsamts München versteckt geblieben“, meint der Pullacher. Bürger erfahren „über die Hintergründe des Zustandekommens der täglich verbreiteten Inzidenzwerte so gut wie nichts“, kritisiert er.

Landratsamt warnt vor falschem Sicherheitsgefühl

Tatsächlich geht es dem Landratsamt auch darum, dass bei der Beurteilung des Infektionsgeschehens mit heruntergebrochenen Zahlen „womöglich ein falsches Sicherheitsgefühl vermittelt wird“, teilt eine Sprecherin der Kreisverwaltung auf Nachfrage des Münchner Merkur mit. Denn die tatsächliche Anzahl an Infizierten könne durchaus höher liegen als der offizielle gemeldete Wert, da oft Infizierte keine Symptome aufweisen und sich nicht testen lassen würden.

Aktuell sei das Infektionsgeschehen aber gleichmäßig über den Landkreis verteilt, „es lassen sich keine eindeutigen Schwerpunkte identifizieren“, heißt es seitens der Behörde. Ebenso gleichmäßig würde sich das Infektionsgeschehen über nahezu alle Lebensbereiche erstrecken. Die Kreisverwaltung verweist außerdem auf den Schutz personenbezogener Daten, der gehe vor. „Gerade in kleinen Kommunen könnte die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Berufsgruppe, noch dazu in Verbindung mit dem Alter, sehr leicht zu einer Identifizierbarkeit der einzelnen Person führen“, so die Sprecherin.

Datenschutzbedenken müssten jetzt beiseitegeschoben werden, findet Eckermann: „Alles, was helfen kann, muss man nun ausschöpfen.“ Für ihn gehört zur Pandemiebekämpfung auch, dass Bürger detailliert informiert werden. Mit der eingereichten Petition hofft er, das zu erreichen.

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