„Mein Verein liegt mir am Herzen“: Der Herzog Dieter Gnieser im traurigen Fasching 2020/2021. Helm, Panzer und Ritterhund werden nur fürs Foto aus dem Schrank geholt.
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„Mein Verein liegt mir am Herzen“: Der Herzog Dieter Gnieser im traurigen Fasching 2020/2021. Helm, Panzer und Ritterhund werden nur fürs Foto aus dem Schrank geholt.

Kein Fasching

D‘Schwanecker Rittersleit kapitulieren vor Corona

  • vonAndrea Kästle
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„D’Schwanecker Rittersleit“ organisieren im Fasching normalerweise zwei Bälle, sie treten auf beim Seniorenfasching und sind auch sonst zur Stelle, wenn Hilfe gebraucht wird. Herzog der vereinigten munteren Truppe ist Dieter Gnieser, dem dieser Tage eher wehmütig zumute ist.

Eure Exzellenz – oder wie spricht man Sie eigentlich richtig an?

Sie können ruhig „Herzog Sepp“ zu mir sagen. Meine engen Vertrauten nennen mich zum Teil nur „Herzog“, manche sagen auch „Herzi“ zu mir…

Alles klar. Wie ist Ihnen zumute in der Faschingszeit, in der leider kein Fasching gefeiert werden darf?

Es ist durchaus schlimm und frustrierend. Wenn ich an unsere Aktivitäten denke, die momentan alle nicht stattfinden können, werde ich wehmütig. Wir hätten am Faschingssamstag eigentlich unseren zweiten Ball gefeiert, wir veranstalten in der Gemeinde ja immer zwei Bälle im Abstand von 14 Tagen…

Nur während des Golfkriegs ist der Fasching ausgefallen

… klar, da geht im Moment nichts. Kam das schon mal vor in der Geschichte Ihrer Ritter, dass ein Fasching ausgefallen ist?

Einmal, während des Golfkriegs.

Es ist ja erstaunlich: Wenn man den Gemeinderat Pullach längere Zeit verfolgt hat, kann man sich kaum vorstellen, dass die Pullacher auch in der Lage sind, lustig zu feiern. Das tun sie aber offenbar bei Ihren Festen?

Unbedingt. Die Stimmung ist bei unseren Bällen immer bestens, es wird getanzt, wir haben ja auch immer eine Liveband dabei. Der katholische Pfarrsaal, den wir schönerweise nutzen dürfen, ist mit 150 Leuten jeweils gerammelt voll.

Und kostümieren sich die Besucher denn dann auch?

Und wie! Manche erkenne ich wirklich erst, wenn ich mit ihnen spreche, ich erkenne sie an der Stimme.

Sie führen dann auch immer ein Theater auf – das haben Sie heuer vermutlich gar nicht geprobt.

Nein, warum auch. Es liegt aber fertig geschrieben in der Schublade, hoffentlich können wir es nächstes Jahr zeigen.

Worin geht es eigentlich in diesen Stücken immer?

Erzählt werden Ritterabenteuer, außerdem geht es um Ritter-interne Rivalitäten, von Abtrünnigen also, die an meinem Thron sägen wollen.

Es geht aber hoffentlich immer gut aus!

Natürlich. Wir nehmen uns in den Stücken selbst auf die Schippe.

In normalen Faschingszeiten übernehmen Sie auch immer für 24 Stunden die Regentschaft in Pullach, Sie bekommen nach dem Sturm aufs Rathaus die Schlüssel für die Verwaltung ausgehändigt. In welchem Zustand befindet sich die Gemeinde?

Oh, darüber will ich mich nicht äußern. Politik ist Politik, Fasching ist Fasching. Meine Einsicht ist nur, dass auch die Politik kein leichtes Geschäft ist. Ich bin ganz froh, dass ich Pullach nicht länger als einen Tag im Jahr regieren muss.

Seit 34 jahren als Herzog im Amt

Sie sind jetzt im 34. Jahr Herzog, offenbar haben Sie dieses Amt bestens geführt!

Ich bin schon so etabliert, dass ich gar nicht mehr weiß, wie lang ich schon regiere. Manchmal winken mir Pullacher auf der Straße zu und rufen: ,Servus, Herzog!’ Aber ich weiß: Ich bin Gründungsmitglied der Schwanecker Rittersleit und seit 1977 dabei.

Ihre Knappen müssen Ihnen den Thron hinterher tragen.

Die Aufgabe der Knappen ist es, dem Herzog zur Verfügung zu stehen. Die müssen meine Standarte tragen – und, ja: auch dafür sorgen, dass der Thron an der richtigen Stelle steht.

Sie schlagen die Knappen nach zweijähriger Lehrzeit zu Jungrittern. Kam es denn schon mal vor, dass Sie einem Knappen den Ritterschlag verweigern mussten? Weil er sich nicht entsprechend betragen hatte?

Aber nicht doch. Unsere Knappen sind alle super brav. Wir sind eine große Familie.

Nachwuchssorgen haben Sie nicht?

Keineswegs. Wir sind momentan 24 Leute, die Jüngsten sind 18, nach oben hin gibt es keine Grenze. Momentan haben wir drei Knappen und wahnsinnig viele Jungritter.

Mit den Rabenrittern versöhnt

Ihr Verein hat in den 44 Jahren, die es ihn schon gibt, auch schwierige Zeiten durchlebt. Anfangs haben Sie sich von den „Rabenrittern“ abgespalten.

Diese Zeiten sind lang her und definitiv vorbei, wir sind natürlich mit den „Rabenrittern“ gut befreundet und besuchen gern deren Bälle.

Sind Sie eigentlich auch in Pullach engagiert, wenn gerade nicht Fasching ist?

Wir unterstützen den katholischen Pfarrverband bei Veranstaltungen und helfen überhaupt gern aus, wenn irgendwo Hilfe gebraucht wird.

Führen Sie auch beruflich und privat ein munteres Leben, wenn ich das so fragen darf?

Ich bin ja schon in Rente, ich kann es mir gut gehen lassen…

Was haben Sie beruflich gemacht?

Ich war Beamter in einer Behörde.

Und wie haben Sie selbst die beiden Lockdowns überstanden?

Ich habe es sehr vermisst, mit meinen Freunden zusammenzukommen, die Ausgangssperre empfand ich auch als Einschränkung. Ich versuche, die Gastronomen in Pullach zu unterstützen, indem ich ab und an ein Essen zum Mitnehmen bestelle. Ansonsten hat meine Frau daheim viele Ideen, was zuhause unbedingt gemacht werden muss. Ich bin handwerklich nicht ungeschickt.

Was machen Sie als erstes, wenn die Pandemie endlich vorbei ist?

Meine Frau und ich, wir setzen uns in unser Wohnmobil und fahren drauflos…

Wohin würde es dann gehen?

In den Süden. Vielleicht nach Kroatien, aber eigentlich wäre es ganz egal, wohin…

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