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Sieht aus wie ein bisschen wie im Legoland: Die Siedlung von Linde in der südlichen Gistlstraße in Pullach. Im Grundbuch wurden als Hausbesitzer jeweils beide Ehepartner eingetragen.

Siedlervereinigung Pullach feiert ihren 80. Geburtstag

Spitzgiebel und Obstbäume

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Im Sportheim dürften am Sonntag Geschichten erzählt werden von einem Wohnen ohne Bad, dafür mit Ziegenstall neben dem Wohnzimmer. Die Siedlervereinigung feiert 80. Geburtstag.

Pullach – Damit sind die Siedler eine der ältesten Vereinigungen ihrer Art deutschlandweit. Aus der Taufe gehoben von den Bewohnern dieses neuen Ecks in der Gemeinde – dort, wo Höllriegelskreuth und Pullach aufeinandertreffen. Die Firma Linde hatte im Südteil der Gistlstraße Grundstücke zur Verfügung gestellt, unterteilt in 18 Parzellen, die dann bebaut worden sind von ausgewählten Mitarbeitern.

Wer einziehen wollte in die Siedlung, musste zum einen Familie haben, sich außerdem verpflichten, Tiere zu halten und Obstbäume zu pflanzen. Es waren die 1930er Jahre, und die Siedlung hatte in ihrer Konzeption einen nationalsozialistischen Anstrich. Selbstversorgung wurde großgeschrieben. Und auch das Aussehen der einheitlich gebauten Häuser war keineswegs egal. Ursprünglich, berichtet dieser Tage Dieter Wolf, der seit 2000 dem Traditionsverein vorsteht, hatte man die Eigenheime im Isartaler Stil errichten wollen; aber dann habe die „Oberbayerische Heimstätte“ als Bauherr doch darauf beharrt, sich an der aktuellen Siedlungs-Architektur zu orientieren.

Die Gemeinde am Isarhochufer hatte damals freilich noch ein anderes Gepräge. Eine Pullacherin, die aufgewachsen ist in der südlichen Gistlstraße, erinnert sich, wie sie mit den anderen gut 20 Kindern „mitanand in’d Schule groast“ ist. Alles rundherum Wald und Wiesen. Ihre Familie, sagt sie, habe „alle Tiere gehabt von A bis Z“ – Ziegen, Hasen, Hühner. Ein Nachbar hielt sich eine Kuh auf seinem 800 bis 1000 Quadratmeter großen Grundstück.

Es gibt diese Erinnerungen, und es gibt Fotos, die die an sich netten Häuschen mit dem spitzen Dach zeigen, die in Reih und Glied hintereinander gepflanzt worden sind in die Gärten – nur in der Ausrichtung erlaubte man sich Variationen. Man sieht, wie die frischgebackenen Ortsansässigen den angelieferten Humus in ihren Gärten verteilen. Wobei sie die Schaufeln sowie das ansonsten nötige Gerät von den Mitgliedsbeiträgen gekauft hatten. Die Nachbarschaftshilfe, meint Dieter Wolf, habe klar „im Vordergrund“ gestanden.

Wenige Jahre später schon sah es in der Gistlstraße dann ganz anders aus: Bei einem Fliegerangriff auf das Industriegebiet in Höllriegelskreuth wurde auch die kleine Siedlung getroffen; von den 18 Häusern wurden drei komplett in Trümmer gelegt, alle anderen schwer beschädigt. „Man kann sich vorstellen“, schreibt Dieter Wolf in einer kleinen Vereinsgeschichte, „was das für die Betroffenen bedeutete!“

Noch heute sind von den wieder aufgebauten Anwesen zehn erhalten –allerdings umgestaltet und als ehemaliges Siedlungshaus nur noch schwer zu erkennen. Damals, Mitte der 1930er Jahre, waren alle Gebäude zu einem Viertel unterkellert worden, jedes Eigenheim hatte eine Waschküche, ein Plumpsklo. Und auch wenn es den Grund und Boden umsonst gegeben hatte: Ihre vier Wände mussten die Bewohner durchaus bezahlen, in zumutbaren Monatsraten von 25 bis 30 Reichsmark stotterten sie das Ganze ab.

Längst ist der ehemalige Grüngürtel zwischen Römer- und Jaiserstraße in der Gemeinde verbaut. Wo vor 80 Jahren die Siedler-Kinder über Wiesen liefen, sind heute Straßen und Privatgärten. Ihr Verein allerdings hat die Umwälzungen überlebt. Freut sich über immer noch ansehnliche 120 Mitglieder, die sich inzwischen zu Vorträgen über Rechts- und Gartenfragen treffen, die einander günstige Versicherungen empfehlen und Öllieferungen zu Sonderkonditionen bestellen.

Die Geburtstagsfeier

der Siedlervereinigung, an der auch die Präsidenten der Eigenheimerverbände Bayern und Deutschland teilnehmen, beginnt am Sonntag um 12 Uhr im Sportheim.

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