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Chefin eines reinen Männer-Teams: Sylvia Schwaab leitet den Bauhof Pullach – in Männerklamotten. Die Bauhof-Hose für die Dame ist noch nicht erfunden.  

Sylvia Schwaab leitet den Pullacher Bauhof

Chefin einer Männerwelt

Typischer Männerjob? Gibt‘s nicht für Sylvia Schwaab. Sie leitet den Bauhof in Pullach -  und ist damit einzigartig im Landkreis München. Die Arbeit nur mit Männern hat Vorteile.

Pullach – Sylvia Schwaab hat schon immer sehr gern mit Männern zusammen gearbeitet. Jetzt ist sie die Chefin von „17 Jungs zwischen 20 und 63 Jahren“. Seit Jahresbeginn leitet sie den Bauhof Pullach – und ist in dieser Position die einzige Frau im Landkreis München.

Dabei hat sich für die 48-Jährige gar nicht viel geändert. Denn Schwaab ist schon seit 2001 beim Bauhof der Gemeinde tätig, bis zu diesem Jahr allerdings als Stellvertreterin von Anton Wanner. Der ist seit über einem Jahr krank, nun hat sie seine Position übernommen.

Seit 1. Januar versammelt sie nun jede Früh ihre „Jungs“ im Büro – zum Morgenkreis. Dann wird die Arbeit, die wiederum die Gemeinde vorgibt, verteilt. Mal müssen Verkehrszeichen gesetzt oder Platten verlegt werden. Es gilt, die Blumenbeete zu bepflanzen, Bäume zu schneiden, Straßen zu flicken. Oder jetzt, dieser Tage, den Spielplatz auf den Seitnerfeldern mit neuen Spielgeräten zu bestücken. Letztens war die Chefin wieder mal am Friedhof, der ja eine neue Aussegnungshalle bekommt. „So viel“, dachte sie sich, „ist hier geweint worden und getrauert“. Im Moment ist das Gebäude nur eine riesengroße Baustelle. Schwaab ist eine resolute Person. Doch ihre Herzlichkeit ist schnell zu spüren.

Sie mag ihr nur aus Männern bestehendes Team. Der Umgangston auf dem Bauhof scheint rau, aber herzlich zu sein. „Man darf sich nicht zu vornehm sein“, sagt die Chefin. Auch sie packt freilich mit an und ist immer noch gern draußen auf Terminen. Es kommt ihr entgegen, sagt die 48-Jährige, dass unter ihren Mitarbeitern kaum taktiert wird. „Es gibt kein Drama, ich gehöre zum Haufen einfach dazu.“ Was Schwaab sehr schätzt: „Männer sind nicht so nachtragend. Wenn zwei einen Konflikt hatten, gehen sie sich ein paar Tage aus dem Weg, dann ist es wieder gut.“

Wenn sie aus ihrem Leben erzählt, leuchten die Augen. Sylvia Schwaab, gebürtige Münchnerin, hat bei der Stadtgärtnerei gelernt und anschließend die Meisterschule besucht. Sie ging dann für ein Jahr nach Amerika mit ihrem Freund, hat in Colorado ein Haus gebaut – und vergeblich Arbeit gesucht. Was ihr letztlich blieb, waren Aushilfstätigkeiten. Ansonsten kam sie mit der Mentalität „drüben“ aber bestens zurecht: „Der Alltag dort ist nicht so schnelllebig und hektisch wie bei uns.“ Doch schließlich ging sie doch zurück in die Heimat nach Deutschland.

Schwaab fand im Bereich Garten- und Landschaftsbau eine Anstellung und hat zuletzt für eine Reinigungsfirma eine eigene Abteilung aufgebaut. Überall arbeitete sie ausschließlich mit männlichen Kollegen zusammen. Schon als Kind spielte Sylvia Schwaab lieber mit den Buben FBI als mit Mädchen und Barbies.

Beim Blick aus den Fenstern ihres Büros schaut man auf den asphaltierten Hof, umgeben von Garagen. Darin stehen 15 Fahrzeuge, von der Kehrmaschine über den Hubsteiger bis zum kleinen Elektrogig. Sylvia Schwaab kann sie alle fahren – bis auf den Lastwagen, für den sie keinen Führerschein besitzt.

Auf ihrem Schreibtisch im Büro steht das Foto eines hübschen jungen Mädchens. Ihre Tochter. Sie spielt Eishockey – und ist die einzige Frau in der Mannschaft.

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