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Auf Standorte für Asylunterkünfte hat sich der Gemeinderat geeinigt.

Überraschende Wende bei Suche nach Asylunterkünften in Pullach

Fünf Standorte festgelegt

Pullach - Für Überraschung - und Unmut - haben  CSU, FDP und WiP mit ihren Standort-Vorschlägen für Flüchtlingsheime gesorgt. Doch sie waren erfolgreich. 

Die Polizeiwiese an der Margarethenstraße, die Grundelbergwiese, die Heilmannstraße 53/55: Das sind die Grundstücke, auf denen Pullach jetzt Quartiere schaffen will für Geflüchtete. So lautet der Beschluss einer Sondersitzung des Gemeinderats am Dienstagabend, zu der rund 120 Besucher gekommen waren, darunter auch einige Asylbewerber. 

Damit folgte der Gemeinderat mehrheitlich einem Antrag, den die Fraktionen von CSU, FDP und WiP gestellt hatten – zur Überraschung der Verwaltung. Die wiederum hatte sich ganz andere Flächen vorgestellt, um darauf günstigen Wohnraum für Bedürftige zu errichten. 

Nur in einem Punkt war man sich einig: Der ohnehin umstrittene Gewerbepark Höllriegelskreuth ist als Standort für Wohncontainer jetzt vom Tisch. Ansonsten gibt es nur ein Grundstück, das beide Seiten – Grüne samt Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund und SPD auf der einen, CSU/FDP/WiP auf der anderen – geeignet finden, um darauf Flüchtlingsquartiere zu errichten. 

Aber wer die Unterkünfte dann errichtet, die an der Heilmannstraße 53/55 entstehen, darüber gehen die Ansichten schon wieder auseinander. Die Antragsteller wollen, dass das Areal mit Fertighäusern von einem Investor bebaut wird. Dabei jedoch würde die Gemeinde viel Geld verschenken, das es aus Subventionsprogrammen abzuschöpfen gäbe , falls sie das Grundstück selbst bebaut – mit günstigem Wohnraum für Einheimische und Zuzügler. Rund drei Millionen Euro könnte die Gemeinde bekommen, rechnete Rathauschefin Tausendfreund (Grüne) vor. Selbst der Kauf der Fläche, der erst vor kurzem erfolgt ist, würde rückwirkend noch mit 30 Prozent bezuschusst. „Wir verschenken Geld ohne Not“, mahnte Lutz Schonert (Grüne). Und seine Fraktionskollegin Marianne Stöhr sagte: „Der Gemeinderat entscheidet hier gegen das Wohl der Bürger, das betrübt mich sehr.“ 

Die Antragsteller rührte das nicht. „Ist doch egal, ob Fördergelder in unserem Topf landen oder beim Freistaat“, meinte Alex Betz, FDP. Ihm und den am Antrag beteiligten Gemeinderäten gehe es vor allem darum, die Unterbringung der Asylsuchenden zu bewerkstelligen, „ohne alle Freiflächen zu verbauen“. 

Doch die Kuhwiese und die Seitnerfelder bleiben auch beim Vorschlag der Verwaltung unangetastet. Er sah vor, an der Anton-Köck-Straße und an der Hans-Keis-Straße selbst zu bauen – unter Inanspruchnahme von Subventionen. Die entsprechenden Objekte hätten später gut umgerüstet werden können, etwa „für Mehrgenerationenwohnen“, wie Tausendfreund meinte. Fertighäuser hatte die Rathausspitze nur an der Hans-Keis-Straße 45 vorgesehen, auf dem Teilareal nördlich der „Isarspatzen“. 

Dennoch wurde dann, ohne die Vorschläge der Verwaltung zu diskutieren, das Maßnahmenpaket der Antragsteller durchgewunken. Dabei ist die Grundelbergwiese ein Biotop, auf dem, ehe die Fläche zur Baureife kommt, erstmal sämtliche geschützten Pflanzenarten erfasst werden müssen. Walter Schuster, Leiter der Bauabteilung im Landratsamt, betonte: „Das ist zeitaufwendig, kostenträchtig, aber unumgänglich.“ 

Weiter sei die Flurstraße 16, von den Antragstellern vorgesehen für eine schnelle Unterbringung, ohnehin schon an Flüchtlinge vermietet, bemerkte Susanna Tausendfreund. Und die im Antrag geforderte Aufstockung von Gemeinde-Immobilien an der Hans-Keis-Straße und der Grundelbergsiedlung, um dort 30 bis 50 Menschen langfristig zu beherbergen, hat der Gemeinderat bereits beschlossen. 

Mit elf zu neun Stimmen ging der Antrag dann durch – aus der CSU/FDP/WiP-Koalition waren letztlich zwei Gemeinderäte ausgeschert. 

Weder wurde dem Vorschlag der Bürgermeisterin nachgekommen, die Entscheidung doch noch mal zu verschieben um zwei Wochen, noch dem Ansinnen von Arnulf Mallach, SPD, der ein Bauland eingereiht haben wollte in die Liste der kurzfristig zu nutzenden Grundstücke: die Hans-Keis-Straße 37. Am Ende ließ Fabian Müller-Klug (Grüne) fürs Protokoll festhalten: Das Ganze ist „eine Entwicklung, die ich so nicht mittragen kann“.

Andrea Kästle

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