United Initiators hat noch Baurecht, das will der Konzern nun nutzen.
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United Initiators hat noch Baurecht, das will der Konzern nun nutzen.

Pläne: 600 Tonnen zusätzliche Gefahrstoffe

Diskussion um United Initiators geht weiter: Kritik von allen Seiten

  • vonAndrea Kästle
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Die Erweiterungspläne des Chemiekonzerns stoßen erneut auf Kritik. Die Pullacher Agenda 21 will den Riesen in die Schranken weisen.

Pullach – Die Diskussion um den Chemiekonzern United Nations in Pullach geht weiter: Der Bebauungsplan 23 b, der das Areal von United Initiators betrifft, wurde zwar von der Tagesordnung des Gemeinderats gestern Abend genommen – das Thema ist damit aber noch lange nicht vom Tisch. Ganz im Gegenteil: Jetzt schaltet sich auch die Pullacher Agenda 21 in die öffentliche Debatte ein. „Die Vorhaben des Chemiekonzerns werden unserer Ansicht nach zu wenig kritisch gesehen“, sagt Sprecher Peter Kloeber.

Dabei sind die Agenda-Beteiligten freilich nicht die ersten und einzigen, die die Tatsache, dass United Initiators eine Umstrukturierung seines Firmengeländes vorhat, nicht einfach so hinnehmen wollen. Der Konzern hat das Ziel, 600 Tonnen zusätzlich an Chemikalien vor Ort einlagern zu können. Schon im Februar hatte sich eine Bürgerinitiative gegründet gegen die Firmen-Pläne, die intern unter dem Begriff „Big Wings“ gehandelt werden – und fast im Handumdrehen über 1000 Unterschriften gesammelt. Christian Boeck, einer der Initiatoren, wohnt in Baierbrunn recht nah am Chemieriesen.

Würde „Big Wings“ umgesetzt, rückte die Firma bis auf 350 Meter Entfernung an ihn heran, weil zusätzliche Lagerhallen errichtet werden sollen in einem Wäldchen, das südlich an die jetzige Firmenbebauung angrenzt. In diesem Wäldchen ist unter anderem die seltene Haselmaus daheim, die seither in Pullach das Tier ist, über das wohl am allermeisten geredet wird.

Immer mehr Kritik

Auch an die Agenda, meinte gestern Peter Kloeber am Telefon, seien in den letzten Wochen und Monaten immer mehr Bürger herangetreten mit der Bitte, sich doch näher mit der Materie zu befassen. Die am meisten geäußerte Befürchtung dabei sei offenbar, dass es letztlich bei der Lagerung von 600 Tonnen zusätzlicher Gefahrstoffe nicht bleiben wird. Die Neuausrichtung des Geländes würde dem Konzern rein theoretisch auch erlauben, das Doppelte der aktuell anvisierten 1600 Tonnen vorrätig zu halten in Höllriegelskreuth.

Während das Unternehmen anfangs eine Öffentlichkeitsarbeit verfolgt hat, die letztlich überhaupt keine Öffentlichkeitsarbeit gewesen ist und entsprechend desaströse Folgen hatte, hat sich die Gemeinde durchaus bemüht, die Bewilligung von „Big Wings“ an Bedingungen zu knüpfen. So konnte United Initiators unter anderem darauf festgenagelt werden, auch weiterhin dem Isartaler Tisch Räume zur Verfügung zu stellen, dem gemeindlichen Wertstoffhof Platz zu machen und als Ausgleich für die Rodungen im Süden, die zunächst gestoppt worden sind, Ersatzpflanzungen vorzunehmen. „Wir als Gemeinde“, sagte Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund von den Grünen, „können das bestehende Baurecht, das auf dem Areal besteht, nicht einfach aushebeln“. Wenn die Verwaltung sich nicht rechtzeitig eingespreizt hätte, hätte man „überhaupt keine Handhabe gehabt“.

Agenda 21: Immissionsschutzrechtliche Bedenken gegen „Big Wings“

Genau hier aber ist die Agenda 21 anderer Meinung. Peter Kloeber sagt, man habe durchaus noch Möglichkeiten, um den Chemiekonzern, der international agiert, in die Schranken zu weisen. Man könne etwa beim Landratsamt immissionsschutzrechtliche Bedenken gegen „Big Wings“ anmelden, und Baurecht, das sieben Jahre nicht genutzt worden sei, verfalle nunmal. Darüber hinaus bedeute der Bebauungsplan, der doch nicht zur Sprache kommt, eine „unnötige Mehrung der industriell nutzbaren Fläche um 40 Prozent“. „Das ist viel mehr, als United Initiators eigentlich brauchen“, sagt Kloeber, der findet, dass der Konzern durchaus dazu verdonnert werden könne, auf erneuerbare Energien umzustellen und künftig sein Kühlwasser aus dem Isarkanal zu entnehmen.

Gemeinderat: zu wenig Zeit mehrere 100 Seiten Unterlagen

Derweil ist freilich das Thema nicht deshalb verschoben worden, weil, wie die Agenda 21 auch fand, der Gemeinderat zu wenig Zeit gehabt hat, sich mit den Anregungen und Bedenken zu „Big Wings“ zu befassen, die bei einer vorgezogenen ersten öffentlichen Auslegung des Bebauungsplans eingegangen sind. Die mehrere 100 Seiten Unterlagen waren bloß wegen einer technischen Panne im Ratsinformationssystem zeitweise nicht abrufbar. Ganz allgemein sagt Jürgen Weiß, Leiter der Pullacher Bauverwaltung, zu den Anmerkungen: „Leider geht es bei den Beiträgen oft um Belange, die in einem Bebauungsplanverfahren keinen Platz haben.“

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