Eine Gruppe Menschen steht vor einer Kirche
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Besuchsreisen, wie hier ins französische Pauillac, waren in diesem Jahr für die Pullacher nicht möglich. Dafür aber zumindest zwei Hilfstransporte mit medizinischem Gerät nach Baryschiwka.

Pullachs Verein musste fast alle Aktivitäten absagen

Städtepartnerschaften leiden unter der Krise

  • vonAndrea Kästle
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Die Freundschaften, die die Gemeinde Pullach mit Pauillac und Baryschiwka wie Beresan in der Ukraine pflegt, haben heuer unter Corona ziemlich gelitten. So gut wie alles an Aktivitäten, was geplant gewesen war, konnte am Ende nicht stattfinden

Pullach – Nur zwei Hilfstransporte vor allem mit medizinischem Gerät gingen, wie der Vorsitzende des Partnerschaftenvereins, Otto Horak, jetzt im Gemeinderat berichtete, nach Baryschiwka. Gleichzeitig haben Renate und Rudi Sieghart, die in den letzten neun Jahren die Achse Pullach-Frankreich in Schwung gehalten haben, ihr Ehrenamt aus Altersgründen abgegeben – nachfolgen werden ihnen Lilo Weigl-Heider und Nikolaus Rauch, die sich beide im Gremium vorstellten.

Kein Besuchsprogramm

Vor allem im Bericht von Otto Horak begann so gut wie jeder zweite Satz mit einem: „Dann wollten wir eigentlich, aber...“ Entfallen musste heuer das gesamte Besuchsprogramm. Erstmals in der Geschichte der Partnerschaft konnten dieses Jahr keine ukrainischen Kinder nach Pullach kommen, dabei habe man für die Kleinen schon Trekkingschuhe und Regenjacken gekauft gehabt. Ebenso entfiel dann im Herbst eine Reise von Pullacher Jugendlichen nach drüben. Und die traditionelle Druschba-Einladung, musste ebenfalls gestrichen werden.

Der Austausch mit Pauillac hat ebenso gelitten, gecancelt werden mussten der Besuch von 20 Franzosen im Sommer zum Franzosenfest, außerdem zwei Frankreich-Fahrten im Zug des Schüleraustauschs am Gymnasium.

Kein neuer Maibaum

Dass heuer nichts zusammenging, war auch deshalb besonders bitter, weil die Freundschaft zwischen Pullach und Baryschiwka heuer 30 Jahre alt geworden ist. Was man eigentlich zusammen feiern hatte wollen – unter anderem, indem man den Maibaum, der auch in Baryschiwka seit zehn Jahren in den Himmel ragt, einmal ausgewechselt hätte. Schon im Vorfeld hatte man die Freunde in der Ukraine eingeweiht, ihnen genau mitgeteilt, wie man den Baum hobeln und streichen muss, sie auch mit Farbe ausgestattet. Dann hätten eigentlich die Burschen hinfliegen wollen, um ein Taferl an den Baum zu schrauben. Aus allem: wurde nichts. Ob der Baum je aufgestellt wurde, weiß in Pullach keiner. „Wir haben zweimal nachgefragt und keine Antwort bekommen“, meinte Horak jetzt auf Nachfrage, in der Ukraine habe man, weil Wahlen waren, aber auch andere Probleme gehabt.

Ausgetauscht werden sollte eigentlich auch der Maibaum in Baryschiwka.

Zwei Hilfstransporte

Was immerhin geklappt hat: Trotz Corona konnten zwei Hilfstransporte zu den Freunden rübergeschickt werden, unter anderem mit einer kompletten Zahnarztpraxis, gespendet von einem Passauer Verleger. Und dieser Tage nun verlässt auf einem ukrainischen Tieflader das neue, insgesamt neunte Feuerwehr-Löschfahrzeug, das die Pullacher ihren Freunden zur Verfügung stellen, das Isarhochufer Richtung Osten.

Auch so gut wie unter Dach und Fach ist eine verbesserte Trinkwasserversorgung für Baryschiwka über solargesteuerte Pumpen, die 200.000 Euro gekostet hat und zu 80 Prozent vom Bund bezahlt worden ist. Den Rest der Kosten haben sich Pullach und Baryschiwka geteilt, „wir warten nur noch auf die Genehmigung, dass die Anlage in Betrieb gehen kann“.

Corona in der Ukraine

Derweil kämpfe, sagte Horak, auch die Ukraine mit Corona, „die Pandemie hat dort ähnliche Ausmaße wie bei uns. Seit Oktober steigen die Infektionszahlen rapide“. Die Klinik in Baryschiwka sei ausschließlich mit Corona-Patienten voll belegt.

Nikolaus Rauch, der künftig mit Lilo Weigl-Heider das Miteinander mit den Franzosen gestalten wird, hatte unterdessen im Gemeinderat erklärt, es gehe ihm vor allem darum, Toleranz zu vermitteln. Dazu fühle er sich unter anderem verpflichtet, meinte der Enkel von Otto Carl Kiep, weil sein Großvater 1944 hingerichtet worden ist. Er wolle, sagte der 64-jährige Arzt, auch mal neue Wege beschreiten. So wie 1978 als er mit 20 französischen Jugendlichen die Gedenkstätte in Dachau besucht hat.  

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