Pädagoge sagt: „Gutes Verwöhnen“ gibt es nicht

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„Grenzenlosigkeit macht irre“, und: „Wenn Sie Ihrem Kind drei Kugeln Eis kaufen statt einer – dann hat das mit Liebe nichts zu tun.“ Solche Sätze, die Eltern durchaus zum Nachdenken bringen, bekamen die Besucher kürzlich in der Pullacher Bücherei zu hören. Albert Wunsch, Pädagoge, Psychologe, Coach, Uni-Dozent, stellte dort Thesen aus seinem Buch „Die Verwöhnungsfalle“ vor, die von den gut zehn Vätern und Müttern ausführlich diskutiert worden sind.

Pullach– Dabei ist das Buch von Wunsch schon 17 Jahre alt – und hat offenbar nichts an Aktualität eingebüßt. Momentan befindet es sich in der 15., mittlerweile mehrfach aktualisierten Auflage. Die Kern-Aussagen sind freilich die gleichen wie im Jahr 2000 und lassen sich wohl so zusammenfassen: Man tut den Kindern keinen Gefallen, wenn man sie über die Maßen pampert. Ihnen noch die Schnürsenkel binden im Grundschulalter? Ihnen empfehlen, was sie anziehen sollen, auch wenn sie schon jugendlich sind? Keine gute Idee. Weil sie sonst, wie Wunsch mahnend sagte, mit über 20 in der Studentenbude hocken und gar nicht verstehen können, warum sich der Kühlschrank nicht von allein füllt oder die Wäsche nicht von selbst in die Waschmaschine schwebt.

Nur leider, so einfach ist die Angelegenheit ja eben nicht. Weil Eltern ihre Kinder lieben, weil sie arbeiten müssen und wenig Zeit haben für minutenlanges Gefiesel mit Schuhbändern, weil sie selbst so aufgewachsen sind, dass sie nie gelernt haben, auch nein zu sagen. Wie an dem Abend die Besucher auch einwarfen. Trotzdem, Wunsch sagte: „Die soziale Nabelschnur sollte von den Eltern bis zum 21. Lebensjahr der Nachkommen jedes Jahr um ein Einundzwanzigstel gekappt werden.“ Es sei wichtig, auch kritisch zu hinterfragen, warum man dem Kind die Schokolade vor dem Essen nicht verbiete – oftmals nämlich aus Eigennutz, weil es soviel leichter ist, etwas zu erlauben als es zu untersagen. Und weil man süchtig ist als Erzieher nach dem Wohlwollen der Kinder. Und das ist: fatal. „Wenn Sie auf das Lächeln ihrer Kinder angewiesen sind, sind Sie schon ganz tief in der Falle.“

Entsprechend das Credo des Fachmanns: „Die Konsequenz ist das A und O in der Erziehung“, worin ihm auch alle Anwesenden klar zustimmten. Allerdings, seine Idee, einem Jugendlichen, der heute eine Stunde später heimkommt als ausgemacht, morgen vorzuschreiben, jetzt eine Stunde früher zu kommen als sonst üblich – die ging manchen Zuhörern dann doch zu weit. Wunsch meinte, er spitze freilich auch zu. Er sagte aber auch: Erziehung habe mit Strenge nichts zu tun, sondern mit Selbstverständlichkeiten. Am Abend fange die Nacht an, Kinder gehörten dann ins Bett. Und Punkt.

Ansonsten sei es ratsam als Eltern, dass man einigermaßen konform gehe darin, wie mit den Kindern umzugehen ist. „Erziehungsprobleme schaffen Beziehungsprobleme. Beziehungsprobleme schaffen Erziehungsprobleme“, meint Wunsch. Man solle dem Nachwuchs ruhig auch was zutrauen, ihm auch Aufgaben zumuten. Kein Dreijähriger lerne schnell Radfahren, wenn er immer ermahnt werde: „Pass auf!“ Und ein Sechsjähriger könne die Sachen für den Urlaub auch alleine packen, vorsichtshalber wirft man vor der Abfahrt einen Blick rein ins Gepäck. Wird einem das nicht gestattet, kauft sich der Sohn, wenn er die Badehose vergessen haben sollte, die dann selber vom Taschengeld.

Zum Umgang mit den neuen Medien äußerte sich Wunsch auch noch. „Bevor ein Smartphone ins Haus kommt, regeln Sie, was damit passiert.“ Am Ende wollte eine Besucherin wissen, ob es auch gutes Verwöhnen gebe? Nein, sagt der Experte.

Rubriklistenbild: © dpa

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