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Das Schumann-Orchester tritt einmal im Jahr in Pullach auf.

Kulturamtschefin kritisiert Schumann-Orchester Pullach

Schiefe Töne hinter den Kulissen

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Pullach: „Ins Haus gedrängt“ und „unter Niveau“: Heftige Kritik muss sich das Schumann-Orchester Pullach von der Kulturamts-Chefin gefallen lassen. Die Musiker wundert es nicht. Für sie ist es eine neue Episode in einem lang schwelenden Streit.

Auf der Bühne sind leise, harmonische Klänge zu hören. Das Schumann-Orchester Pullach erntete Ende Januar für sein Konzert im Pullacher Bürgerhaus großen Applaus von rund begeisterten 300 Zuhörern. Doch hinter der Bühne rumort es gewaltig. Das Orchester muss sich von Pullachs Kulturamts-Leiterin Hannah Stegmayer massive Kritik und Vorwürfe gefallen lassen. „Dieses lokale Orchester hat sich in unser Haus gedrängt und ist schlichtweg unter Niveau“, schreibt sie in einer E-Mail an den Münchner Merkur. „Die Namensgebung allein ist Hohn. Es ist nur ein Mensch aus Pullach im Orchester. Davon distanziere ich mich.“

Harter Tobak, den die Verantwortlichen des Ensembles jedoch relativ gelassen nehmen. „Die Kritik kennen wir schon“, sagt Dirigentin Hildegard Schön. Das sei „eine persönliche Meinung, die man haben kann“. Einem Vorwurf widerspricht der Vorsitzende des Vereins Schumann-Orchester Pullach, Ernst Gülten, aber vehement: Es spiele nicht nur ein Pullacher im Orchester. Derzeit seien es drei Musiker, und „der Kreis der weiteren zieht sich ganz eng um Pullach“. So gehören Musiker aus Baierbrunn, Solln und Icking zum Ensemble. Gülten ist genervt: „Ich habe erst gedacht, man könnte mit einer Charmeoffensive kämpfen, doch das war wohl nicht erfolgreich“, sagt er mit Blick auf den Angriff der Kulturamts-Leiterin. Denn nicht das erste Mal kracht es zwischen dem Verein und Stegmayer, wie Gülten und Schön berichten.

Sie sehen den Grund für die Anfeindungen in ihrer Umbenennung 2010. Damals fügte das Orchester „Pullach“ in seinem Namen hinzu. Aus „verwaltungsrechtlichen Gründen“, sagt Dirigentin Schön. Das Finanzamt hatte den fehlenden Vereinssitz beanstandet. Die Folge dieses Schritts: Das Ensemble hat das Recht, einmal im Jahr kostenlos im Bürgerhaus aufzutreten. Ein Zuckerl, das Stegmayer dem Orchester nach Meinung der Musiker nur ungern zugestand. Denn es „war sehr schwierig, einen Termin zu bekommen“ für das Konzert, erzählt Gülten. „Es ist ein Jammer. Wir wollen Gutes tun, aber dauernd kommen Querschüsse.“ Und die Dirigentin fügt hinzu: „Wir haben nicht geahnt, was diese Umbenennung für einen Rattenschwanz nach sich zieht.“

Das Ensemble betont, dass die Namensänderung nicht aufgrund des Gratis-Auftrittes erfolgte. „Wir sind mit Herz und Geist ein Pullacher Verein. Schon immer.“ Das Orchester probt seit 30 Jahren im Gymnasium, der erste Auftritt fand auch im Bürgerhaus statt. Mehr als dieses eine Konzert pro Jahr gibt das Schumann-Orchester nicht in seinem Heimatort. Vielmehr ist es oft in München und Grünwald zu hören. Und in Grünwald, wo – wie auch in Pullach – international renommierte Musiker spielen, „sind wir gern gesehen und werden gut aufgenommen“, betont Dirigentin Schön. „Dort funktioniert die Zusammenarbeit deutlich reibungsloser“, fügt Gülten hinzu. Und das, obwohl im August-Everding-Saal in Grünwald auch kaum ein Termin frei ist. Kulturamts-Chefin Stegmayer rudert auf Nachfrage zurück: „Natürlich haben lokale Ensembles ihre Berechtigung“, sie spricht von einem „kompletten Missverständnis“. Wenn im Bürgerhaus „Laienorchester auftreten und sich auch als solche darstellen, habe ich damit kein Problem“. Sie fürchtet vielmehr eine Verwechslung und Vermischung zwischen Laien- und Profi-Auftritten. Denn Laien wie das Schumann-Orchester „haben nicht das Niveau wie mein Kulturprogramm“, betont sie. „Und sie müssen auch anders präsentiert werden.“

Nachvollziehen können die Orchester-Verantwortlichen diese Angst nicht. Obwohl auch Berufsmusiker, unter anderem des Rundfunkorchesters München oder der Münchner Philharmoniker, öfter mit den Laien auf der Bühne stehen, „haben wir keinen Anspruch, professionellen Ensembles Konkurrenz zu machen“, betont die Dirigentin. „Wir wollen niemandem etwas wegnehmen. nine

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