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Der Tesla-Sportwagen nach dem Unfall: Die Insassen hatten ein irrsiniges Glück, dass die körperlichen Wunden nach kurzer Zeit verheilten.

Gerichtsurteil

Tesla-Raserin zu Sozialarbeit verurteilt

Eine Geldstrafe wird für die 18-jährige Pullacherin nicht fällig, die im Mai 2016 mit einem Tesla-Sportwagen einen schweren Unfall verursacht hat. Sie kommt mit Sozialstunden davon.

Pullach – Bei einem riskanten Überholmanöver verliert eine junge Frau die Kontrolle über den Tesla ihres Vaters. Wie auf einer Rampe hebt das Fahrzeug ab, fliegt 30 Meter durch die Luft, kracht mit der Schnauze in einen Acker und überschlägt sich zwei, drei Mal. Alle fünf Insassen überleben den Horror-Crash, mehr oder weniger schwer verletzt. Nun musste sich die 19-jährige Unfallverursacherin aus Pullach wegen vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs und fahrlässiger Körperverletzung in vier Fällen verantworten. Sie wurde zu 64 Sozialstunden und der Teilnahme an einem Verkehrskurs verurteilt. Außerdem verhängte das Gericht eine Führerscheinsperre von noch 18 Monaten. 

Jugendrichter Urs Wäckerlin richtete nach der Beweisaufnahme deutliche Worte an die junge Frau auf der Anklagebank: „Es war eine absolut absurde Geschwindigkeit, mit der das Auto hier gefahren wurde.“ Nach übereinstimmenden Aussagen der Beifahrer zeigte die Tachonadel rund 160 Stundenkilometer an, als das Fahrzeug in einer Linkskurve durch die hohe Geschwindigkeit von der Fahrbahn gedrückt wurde, auf eine geteerte, leicht geneigte Feldzufahrt geriet und durch die Luft katapultiert wurde. Der schwere Unfall ereignete sich am 4. Mai 2016 auf der Ebenhauser Straße bei Irschenhausen. Die damals 18 Jahre alte Pullacherin war in der Pause auf dem Weg vom Günter-Stöhr-Gymnasium nach Ebenhausen, wo sie sich eine Brotzeit besorgen wollte. Mit im Fahrzeug saßen vier weitere junge Leute: eine Mitschülerin (19) aus Starnberg sowie drei junge Männer aus Wolfratshausen (20), Pullach (19) und Gauting (19). Vor ihnen sei ein weiterer Schüler „provozierend langsam“ gefahren, gab die Angeklagte vor Gericht an. Deshalb sei sie nach dem Einbiegen in die Ebenhauser Straße gleich ausgeschert und habe insgesamt drei Fahrzeuge überholt. Wegen Gegenverkehr musste sie dann mit hoher Geschwindigkeit wieder auf die rechte Spur. „Ich habe die Geschwindigkeit falsch eingeschätzt“, räumte die Angeklagte ein, die sich im Gerichtssaal noch einmal bei ihren Mitschülern entschuldigte. An das genaue Tempo habe sie keine Erinnerung. 

Dafür hatten zwei Mitfahrer freie Sicht aufs Armaturenbrett gehabt. „Sie kündigte an, dass sie jetzt überholen würde. Das Fahrzeug beschleunigte unvorstellbar, so eine Beschleunigung habe ich noch nie erlebt“, berichtete der Pullacher Student über den Moment, als die Fahrerin das Gaspedal durchtrat. „Wir waren viel zu schnell“, ergänzte sein damaliger Mitschüler aus Gauting. „Dort sind zwar 100 erlaubt, aber die Kurve ist mit 80 km/h schon ausgereizt.“ Die Jugendlichen hatten irrsinnig viel Glück. Die Starnbergerin lag mit einer Milzverletzung eine Woche im Krankenhaus, die Fahrerin selbst brach sich zwei Brustwirbel. Der Wolfratshauser erlitt einen Steißbeinbruch, die zwei anderen jungen Männer kamen mit Prellungen, Zerrungen und blauen Flecken davon.

Die körperlichen Verletzungen sind verheilt. Schwerer wiegen psychische Schäden, die vor allem dem 19-jährigen Gautinger trotz einer Therapie noch arg zu schaffen machen. „Das Trauma ist mit voller Wucht zurückgekommen“, schilderte der Geschädigte seinen seelischen Ist-Zustand. Er könne nicht mehr zu anderen ins Auto steigen, wache nachts schweißgebadet und außer Atem auf, sehe sich „mit voller Wucht irgendwo reinfahren“. Diese Tatsache floss ins Urteil von Richter Urs Wäckerlin mit ein. Anders als der Staatsanwalt, der eine Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht und eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen à 15 Euro beantragte, kam für das Gericht eine Geldauflage nicht in Frage. „Das Geld ist weg und die Beschäftigung mit der Tat ist weg“, begründete er seine Entscheidung, erzieherische Maßnahmen nach dem Jugendstrafrecht anzuwenden. „Ich bin der Meinung, dass Sie von ihrer Zeit etwas aufwenden sollten, um andere zu unterstützen, die Hilfe brauchen und die nicht vom Glück geküsst sind in ihrem Leben.“
Von Rudi Stallein

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