Schlagfertig gibt Rathauschef Jürgen Westenthanner mit den Worten „Glück auf“ das Startsignal für die dritte Bohrung. Foto: Robert Brouczek

Pullacher Geothermie-Projekt bundesweit wegweisend

Pullach - Mit dem Bergmannsgruß „Glück auf“ gab Bürgermeister Jürgen Westenthanner am Dienstag in Pullach das Startsignal für die dritte Geothermie-Bohrung - einmalig für eine Gemeinde in Deutschland.

In Sachen Geothermie liegt Pullach seit gestern an vorderster Spitze. Noch nie hat eine Gemeinde in Deutschland eine dritte Bohrung durchgeführt. Umso erfreuter zeigte sich Bürgermeister Jürgen Westenthanner beim Bohrbeginn auf dem Gelände an Bundestraße 11. „Wer hätte vor sechs Jahren gedacht, dass wir heute einen so großen Erfolg mit der Geothermie haben und wieder ein Bohrturm errichtet wird? Ich danke allen Pullacher Bürgern, dass sie durch die vielen Anschlüsse an das Geothermie-Netz an dieser Erfolgsgeschichte mitgeschrieben haben.“

Dadurch, dass etliche Haushalte an das Fernwärmenetz gingen, ist der Kapazitätsausbau erforderlich. Mehr als 1000 Anteilnehmer sind in der Isartalgemeinde an das Netz angeschlossen, die Kapazitätsgrenzen der Erdwärmeförderung sind absehbar. Deshalb soll ein drittes Bohrloch die doppelte Fördermenge ermöglichen. Als Pressesprecher der Betreibergesellschaft IEP erklärt Norbert Baumgärtner: „Die beiden bestehenden Bohrlöcher ermöglichen eine Heißwasser-Förderung von 50 Liter pro Sekunde. Dabei wird aus dem einen Loch das Wasser heraufgepumpt, durch das andere Bohrloch pumpen wir das Wasser wieder zurück.“ Aus geologischen Gründen können 50 Liter herauf-, aber nur 30 Liter zurückgepumpt werden. Nach der dritten Bohrung, die voraussichtlich im Mai 2011 abgeschlossen sein soll, wird das Wasser über die beiden bestehenden Löcher heraufbefördert und durch das neue Bohrloch wieder abgeleitet. Rund acht Millionen Euro kostet die dritte Bohrung, die sich über etwa sechs Wochen erstrecken soll.

„Der Bohrfortschritt liegt bei 100 Metern am Tag. Es kann aber auch deutlich langsamer vorangehen, wenn wir auf komplexe Gesteinsstruktur treffen“, erklärt Baumgärtner. Die Firma Hekla Energy stößt mit dem Bohrturmgerät in eine Tiefe von 3309 Metern vor. Da die Strecke unter der Erde eine Kurve hin zum Heißwasser beschreibt, wird die Länge des Bohrlochs 3946 Meter betragen.

Mit dem Segen der Geistlichkeit geht das Projekt jetzt in Betrieb: Pfarrer Kurt Bordon begleitete zusammen mit dem Pastoralreferenten Werner Gerum den Startschuss zu den Bohrarbeiten auf dem Gelände an der B11. Mit der Festgemeinschaft beteten sie für das Gelingen der Heißwasser-Förderung. Bordon sagte: „Pullach hat mit dem Geothermie-Projekt Vertrauen und Unternehmergeist bewiesen. Das unterscheidet die Gemeinde von anderen, die diesen Weg noch nicht gegangen sind.“

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