Unzufrieden, gereizt, skeptisch und abwägend: Mehr als 400 Menschen nehmen an der Infoveranstaltung zum geplanten Asylbewerberheim in der Waldkolonie teil. Zufrieden nach Hause gegangen sind wohl wenige. Fotos: Rammelsberger

Geplantes Asylbewerberheim

Anwohner zwischen Scham und Sorge

Putzbrunn - Die Stimmung gereizt und am Ende viel Skepsis: Bei der Infoveranstaltung zum geplanten Asylbewerberheim in Putzbrunn überzeugten die Vertreter des Landratsamtes die Bürger nicht.

Maximal 120 Asylbewerber sollen in der geplanten Unterkunft an der Putzbrunner Theodor-Heuss-Straße Platz finden. Noch in diesem Sommer soll der entsprechende Bau auf dem Grundstück des Landkreises bezugsfertig sein. Das erfuhren die mehr als 400 Gäste bei einer Infoveranstaltung im Saal des Bürgerhauses. Die Stimmung war gereizt. Die Menschen sind skeptisch. So sehr sich Landrätin Johanna Rumschöttel (SPD), Putzbrunns Bürgermeister Edwin Klostermeier (SPD), Diakon Karl Stocker, die Sachbearbeiter des Landratsamtes und Armin Ganserer, der Leiter der auch für Putzbrunn zuständigen Polizei-Inspektion Ottobrunn, bemühten, die kritischen Fragen zu beantworten: nach über zwei Stunden blieben Bedenken. Vor allem die unmittelbar Betroffenen, die Senioren, die im Betreuten Wohnen leben, ließen sich kaum überzeugen. Zwei für die 140 Bewohner der Einrichtung kostenlose Pendelbusse hatte die Gemeinde eingesetzt, um ihnen die Möglichkeit zu geben, an der Veranstaltung teilzunehmen. Sie nutzten die Chance weitgehend, schüttelten immer wieder die Köpfe, lachten bei Aussagen Rumschöttels. Vor allem, als sie versicherte, dass nicht mehr als 120 Asylbewerber untergebracht werden sollen. Ihre Bedenken formulierte Gemeinderätin Martina Hechl (Gemeinschaft pro Putzbrunn): „Sie können das gut sagen. Sie sind nur noch ein Jahr im Amt. Meinen Sie nicht, dass Ihr Nachfolger anbauen lässt und dann mehr Personen nach Putzbrunn kommen?“ Bei dieser Zahl 120 werde es definitiv auch nach ihrer Amtszeit bleiben, versicherte Rumschöttel: „Wir werden so bauen, dass nicht mehr möglich ist.“ Auf keinen Fall werde es ein Obdachlosenheim geben, wie es in die Diskussion gekommen sei.

Mehr Lärm, mehr Verkehr und sinkende Werte der für teures Geld gekauften Wohnungen im Betreuten Wohnen und der umliegenden Immobilien in der Siedlung Waldkolonie befürchten die Anwohner. Reinhold Link sagte: „Ich wohne seit 60 Jahren in der Waldkolonie, habe ein Anwesen in der unmittelbaren Nachbarschaft der künftigen Unterkunft. Es ist doch sicher, dass der Wert sinken wird.“ Wir haben uns dort bisher wohlgefühlt. Jetzt wird ein sozialer Brennpunkt geschaffen“, so die Meinung vieler. Davon könne keine Rede sein. „Es ist mir schleierhaft, warum das der Fall sein soll. In Ottobrunn ist auch kein sozialer Brennpunkt entstanden“, widersprach Rumschöttel.

PI-Leiter Ganserer wies darauf hin, dass seine Beamten wegen der Asylbewerber nicht mehr zu tun hätten. „Es gab im vergangenen Jahr nur zwei Einsätze bei über 6800 in unserem Zuständigkeitsbereich.“ Kajetan Sailer führte an, dass beim Kauf der Wohnung nicht die Rede von einem weiteren Baurecht gewesen sei. Er fühlt sich hinters Licht geführt. Erich Baum wollte wissen, warum nicht leer stehende Immobilien im Ottobrunner Gewerbegebiet genutzt wurden. „Probiert haben wir es, die Besitzer waren nicht bereit“, antwortete Rumschöttel. Als Fürsprecher ergriff Armin Konetschny das Wort: „Ich wohne selbst in der Waldkolonie und schäme mich für einige Aussagen. Es geht hier doch nicht um Müll oder Abfall, sondern um Menschen, denen wir helfen müssen.“ Klaus Heller vom Helferkreis, der die 94 in Ottobrunn untergebrachten Asylbewerber betreut, sagte: „Wir haben es mit Menschen zu tun, die aus dem Irak und Afghanistan geflohen sind.“

Eine Frage jedoch blieb am Ende unbeantwortet: „Welche rechtlichen Möglichkeiten haben wir, uns gegen die Unterkunft zu wehren?“ Das letzte Wort ist in dieser Sache mit Sicherheit nicht gesprochen.

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