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Der erste Diener des Bürgers muss sich bücken: Kinder aus Putzbrunn überreichen Edwin Klostermeier Sonnenblumen. Eine hat er behalten, die anderen verschenkt.

Geburtstagsfeier

So überraschen Politiker ihren Chef Klostermeier

Putzbrunn - Eigentlich wollte Edwin Klostermeier seinen 60. Geburtstag nur mit der Familie feiern. Doch Politiker haben ein Fest geplant, und zwar hinter seinem Rücken.

Entspannt sitzt Edwin Klostermeier in seinem Büro. Im Rathaus ist es in diesen Tagen ruhig. Mitarbeiter haben Weihnachtsurlaub oder bauen Überstunden ab. Bürger rufen auch nicht an. Der Schreibtisch ist aufgeräumt. Im Terminkalender gibt es Lücken. Da bleibt Luft, Bilanz zu ziehen, sich zu sortieren. Vielleicht sogar, um Weichen neu zu stellen. Einen Grund hätte der Putzbrunner Bürgermeister: Heute feiert der SPD-Politiker seinen 60. Geburtstag. 

„Etwas Besonderes ist das nun wirklich nicht, auch kein besonderer Verdienst. Nur ein paar graue Haare mehr, die ich morgens beim Blick in den Spiegel entdecke“, meint Klostermeier. So mag er auch gar nicht groß feiern. Nur ein kleiner Umtrunk mit den Mitarbeitern im Rathaus, dann geht es mit seiner Frau Edeltraut und den Söhnen Andre und Patrick nach Tirol. „Da feiern wir im Familienkreis“, sagt Klostermeier.

Heimlicher Plan  

Aber so ganz ungeschoren kommt Klostermeier aus der Nummer nicht raus. Ein Empfang des Gemeinderates ist bereits terminiert, hinter seinem Rücken. Und der SPD-Ortsverein will ihn wenige Tage später ehren. Er wird sich fügen müssen, ob er will oder nicht. Auch wenn er so viel Aufhebens um seine Person überhaupt nicht mag. Eigentlich sei das nicht mehr zeitgemäß, findet er. 

Naturverbunden: Edwin Klostermeier mit einem Mitarbeiter.

Für ihn passt das nicht so zu seinem Amtsverständnis als erster Diener des Bürgers. Und in seiner Lebensplanung war es nie vorgesehen, einmal als Bürgermeister der Chef im Rathaus zu sein. Schon gar nicht in Putzbrunn. Wäre es nach dem Wunsch seines Vaters Alfred gegangen, wäre er heute Förster im Bayerischen Wald: „Das war der Beruf meines Vaters. Er war mit Leib und Seele Förster bei Thurn und Taxis.“ Damals lebte die Familie in der Nähe von Roding. „In der Nähe gab es drei Weiler: Elend, Jammer und Not. So heißen sie wirklich und so war es auch“, sagt Klostermeier lachend. „Aber es war eine schöne Kindheit. Und mein Vater weckte in mir die Leidenschaft für die Natur und die Erkenntnis, wie notwendig Umweltschutz ist.“ 

Gegen den Beruf des Försters entschied er sich, weil „dazu auch das Jagen gehört, und das war nicht mein Fall.“ So begann er 1973 nach dem Besuch der Realschule in Straubing („Das bedeutete einen 20 Kilometer langen Schulweg“) beim Landesamt für Finanzen die Ausbildung zum Verwaltungsfachwirt und ging zwei Jahre später nach München an die Bezirksfinanzdirektion. Er nahm noch etwas aus dem Bayerischen Wald mit: seine Frau Edeltraut. An der Realschule hatten sie sich kennengelernt. 1977 landete das Paar in Putzbrunn. Hier hatte der Freistaat im Ortsteil Waldkolonie 220 Wohnungen für Staatsbedienstete gebaut. Eine dieser Wohnungen mietete das Paar, im gleichen Jahr wurde geheiratet. „21 Jahre war ich damals alt. Bereut habe ich es keinen Tag“, sagt Klostermeier. Damals stand für ihn auch fest, dass er sein Berufsleben beim Freistaat abschließen werde. 

Erst im zweiten Anlauf ins Rathaus

Immer in Dienst: Edwin Klostermeier an seinem Schreibtisch.

Erst 1996 erwachte in ihm das Interesse für ein politisches Engagement. Damals wurde Josef Kellermeier Bürgermeister, und „wie er die Ortsentwicklung vorantrieb, das war ein Klotzen und kein organisches Wachstum“, meinte Klostermeier. „1998 erkannte ich, was in Putzbrunn falsch läuft und trat in die SPD ein.“ Im Jahr 2000 engagierte er sich für einen Bürgerentscheid gegen die geplante massive Bebauung, und zwei Jahre später kandidierte er zum ersten Mal für das Amt des Bürgermeisters. Damals reichte es noch nicht für den Chefsessel im Rathaus. Aber Kellermeier wurde nur noch knapp wiedergewählt. Klostermeier zog in den Gemeinderat ein, wurde Fraktionssprecher der SPD. Seine Stunde schlug 2006 nach dem Rücktritt von Kellermeier. „Es war ein kurzer, intensiver Wahlkampf. Fünf Mitbewerber gab es, in der Stichwahl siegte ich gegen Florian Hahn (CSU)“, erinnert sich Klostermeier. Dabei hatte er gezögert, überlegte drei Tage, ob er kandidieren solle. „50 Jahre war ich. Da fängt man nicht unbedingt etwas Neues an“, sagt er. Er besprach sich mit seiner Frau, wollte das nicht im Alleingang entscheiden. Sie stand hinter ihm. 

Die ersten Jahre waren nicht einfach. Kellermeier hatte Altlasten hinterlassen, die aufgearbeitet werden mussten. Neues, lange Vernachlässigtes, musste angepackt werden: Die Kinderbetreuung, die Sanierung des Bürgerhauses und der Neubau der Schule. „Und alles ist gelungen. Da habe ich gelernt, wenn man mit dem Gemeinderat gut umgeht, dann gibt es auch die Mehrheiten für Beschlüsse.“ Wichtig sei ihm auch das Klima im Rathaus. Nicht von oben herab allein im Elfenbeinturm regieren, sondern im Team und nach der Sachlage entscheiden und nicht nach Personen. „Der Bürger hat ein feines Gespür und merkt schnell, wenn es ungerecht zugeht“, sagt Klostermeier. So ist es ihm wichtig, Gemeinderäte, Mitarbeiter und Bürger einzubinden. 

Siggi Niedergesäß

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