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Christina Specht sieht ihr Zuhause im liberalen Teil der AfD.

Kreisverband spricht über Aufstellung in Gemeinden

AfD sieht sich im Landkreis boykottiert

Bei der Wahl des AfD-Kreisvorstandes ist Christina Specht (53) aus Putzbrunn vor wenigen Tagen wiedergewählt worden. Sie ist die Frau des AfD-Bundestagsabgeordneten Gerold Otten und gehört nach eigenem Bekunden dem liberalen Teil der Partei an.

Putzbrunn – Bislang wollte sie ihr Bild lieber nicht auf der Internetseite der bayerischen Kreisverbände sehen, gibt sich jedoch einen Ruck und traut sich aus der Deckung. Sie versucht im Moment, so viele Mitglieder wie möglich dazu zu bewegen, sich bei der Kommunalwahl 2020 aufstellen zu lassen.

Ihre Kollegen im Kreisverband möchten bis auf Gerald Radloff nur mit Nachnamen genannt werden, auch ohne Nennung des Wohnortes. Die Befürchtung: „Wer mit Namen in die Öffentlichkeit geht, wird ausgegrenzt.“ Christina Specht kennt fast niemandem bei dem das nicht der Fall wäre. Veranstaltungsräume würden von den Gemeinden nicht zur Verfügung gestellt, von Demonstranten blockiert, Wirte gebeten, ihre Räume nicht für Versammlungen herzugeben. „Wir erreichen die Menschen nur über das Internet. Direkt ist eine Information kaum möglich, die demokratische Teilhabe und politische Meinungsbildung nur eingeschränkt.“ Die Folge sind auch Rechtsstreitigkeiten, die das ehrenamtliche Personal binden. Die Putzbrunnerin sagt, sie will mit dem politischen Gegner ins Gespräch kommen. Bislang sei ihr das bei Gegendemonstrationen noch nicht gelungen. „Die Leute drehen sich weg mit den Worten: ,Rassismus ist keine Meinung.’“ Dieser Vorwurf entbehre zumindest im Kreis München jeder Grundlage. Zum Beispiel: Zwei Herren, die sich innerhalb der AfD grenzwertig geäußert hätten, seien von der Partei abgemahnt worden. Stattdessen begrüße man als Mitglieder Menschen unterschiedlichster Herkunft: „Eine unserer motiviertesten Mitglieder ist eine Dame, die ursprünglich aus religiösen Gründen aus dem Iran geflohen war.“

Positionen Höckes spiegeln ihre Haltung nicht wider

Christina Specht selbst hat viele Jahre in den USA gelebt und war dort als Psychologin tätig. Zurück in Deutschland konnte sie den Beruf aufgrund formeller Hürden nicht weiter ausüben und arbeitet heute als Englischübersetzerin für eine Agentur. Sie spricht fließend Türkisch, hat Freunde im Kongo und betrachtet sich als durch und durch weltoffen. Mit den Positionen Björn Höckes kann sie sich nicht anfreunden, ist sich aber sicher, dass der Großteil der Partei gemäßigt sei und mit rechten Parolen nichts am Hut habe.

Die AfD im Landkreis ist aufgrund der boykottähnlichen Behandlung dazu übergegangen, ihre Veranstaltungen nur intern bekannt zu geben, damit der Wirt keinen Ärger bekommt. Auf Kreisebene, das gibt Christina Specht zu, ist die AfD bislang kaum aktiv geworden. Jetzt gehe es darum, Mitglieder zu motivieren, für den Gemeinderat zu kandidieren.

Sympathisanten fürchten Repressalien

Doch die Parteikollegen im Landkreis bleiben zaghaft. 130 Mitglieder wohnen hier in den 29 Gemeinden, nur in wenigen Kommunen reicht die Anzahl, um zur Kommunalwahl im nächsten Jahr anzutreten. Was den Zuspruch angeht, glaube Christina Specht, könnte die Mitgliederzahl doppelt so groß sein als sie es ist. Ihre Beobachtung: „Die meisten der Neumitglieder treten unserer Partei in dem Moment bei, wenn sie in Rente gehen.“ Sie hätten, begründet oder nicht, berufliche Repressalien gefürchtet. Auch verwandtschaftliche Beziehungen seien ein Hinderungsgrund für ein ehrenamtliches Engagement. In Neubiberg oder Grünwald gebe es zum Beispiel viele AfD-Sympathisanten, aber sie bleiben lieber anonym.

In Unterschleißheim will die AfD antreten

Unterschleißheim ist eine Ausnahme, hier hat die AfD eine Gemeinderatsliste vorbereitet, Ende November wird sie voraussichtlich bekannt gegeben. Außerdem wird es in Taufkirchen eine Kandidatenliste geben. Nicht sicher sind Aufstellungen in den Gemeinden Putzbrunn und Haar: „In Haar könnten wir es schaffen, aber wir werden in der Gemeinde niemals alle Stimmen ausschöpfen können.

Ansonsten sei im Landkreis überhaupt nichts zu holen. Christina Specht: „Für uns ist es ganz wichtig, die demokratische Teilhabe wahrzunehmen. Vor allem wollen wir zeigen, dass wir ganz normale Menschen sind.“msc

Lesen Sie auch: „Die Partei“ raucht das AfD-Programm im Fake-Joint.

70 gegen die AfD

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