+
Ein neues Gesicht und neue Impulse „können dazu beitragen, dass sich Dinge verändern“, findet Bürgermeister-Kandidat Eduard Boger (CSU). Deshalb sei es nach zwölf Jahren Zeit für einen Wechsel im Rathaus. 

Bürgermeisterwahl in Putzbrunn 

Eduard Boger im Porträt: Stichwahl oder Sieger-Sekt

  • schließen

Die letzte Bürgermeisterwahl endete für Eduard Boger und die CSU im Debakel. Nun unternimmt der 46-Jährige einen zweiten Anlauf und setzt dabei auf sein gutes Netzwerk – und den Wunsch der Putzbrunner nach einem „Gesichterwechsel“.

Putzbrunn – Wann immer Eduard Boger an den Schießstand tritt, kann er hinterher genau sagen, wie es um sein Gemüt bestellt ist. „Schießen ist eine sehr mentale Angelegenheit“, erklärt der 46-Jährige, der seit 2014 der Schützengesellschaft „Wendlstoana“ angehört und auch bei Wettkämpfen antritt. „Das hat viel mit Technik, Konzentration und Körperspannung zu tun. Anhand der Ergebnisse am Schießstand kann ich ablesen, wie mein Tag war.“

Nun wäre es sehr interessant zu erfahren, wie Eduard Boger beim wöchentlichen Montagstraining am 5. März abschneiden wird. Schließlich stimmen die Putzbrunner tags zuvor über ihren neuen Bürgermeister ab – und neben Amtsinhaber Edwin Klostermeier (SPD) und Walter Hois (GPP) steht auch Boger als CSU-Kandidat zur Wahl.

Neuanfang nach der Niederlage

Doch an jenem Montag werde er ausnahmsweise nicht ins Schützenstüberl gehen, seinem Lieblingsort in Putzbrunn, wie er sagt. Denn: „Da werden wir uns mit dem CSU-Ortsverband treffen und entweder eine Stichwahl vorbereiten oder eine Flasche Sekt aufmachen und anstoßen.“

Nach der Bürgermeisterwahl im Jahr 2012 waren die CSU und Boger nicht in Schampuslaune: Bloß 18,7 Prozent der Stimmen holte er – gegenüber 70 Prozent für Klostermeier. Allerdings könne man die damalige Situation nicht mit heute vergleichen, findet Boger. Zum einen habe der CSU seinerzeit die Personalie Josef Kellermeier zugesetzt, der erst als Rathauschef zurücktrat, dann die Partei verließ und 2012 als unabhängiger Kandidat auftrat. Und zum anderen hätten ihn viele Bürger schlicht „nicht gekannt“, sagt er offen.

Kein Wunder, schließlich lebt Boger erst seit 2005 im Ort.

Nachdem er im Kindesalter mit seinen Eltern aus Kirgisistan nach Deutschland gekommen war und später auch berufsbedingt mehrfach umzog, hatte er in Putzbrunn sofort das Gefühl: „Hier ist endlich meine Heimat.“ Und hier habe er sich auch ins gesellschaftliche Leben einbringen wollen, sagt der Familienvater – als Elternbeirat im Kindergarten, als Vorstandsmitglied bei den Schützen und in der Kirchenverwaltung St. Stephan. Überdies sitzt Boger seit 2014 im Gemeinderat; im gleichen Jahr orientierte er sich beruflich um und übernahm das Amt als CSU-Geschäftsführer im Bundeswahlkreis München-Land. Entsprechend gut vernetzt sei er inzwischen in der Partei und in der Region. „Es ist ein Vorteil, wenn ein Bürgermeister einen guten Draht zum Landrat und zu anderen Bürgermeistern hat.“ Von daher gibt er sich mit Blick auf seine magere Stimmausbeute 2012 überzeugt: „Diesmal wird es anders aussehen.“

Wobei der CSU-Mann davon ausgeht, dass bei dieser Wahl weniger die Themen entscheiden – sondern vielmehr die Persönlichkeit der Kandidaten. Er selbst bringe dabei „einen ganz anderen Charakter mit ins Spiel als Herr Klostermeier – allein schon vom Alter her“, sagt der 46-Jährige. Und: „Ein Gesichterwechsel und neue Impulse können dazu beitragen, dass sich Dinge verändern, die sich nach zwölf Jahren Amtszeit eingeschliffen haben.“

Skeptische Haltung zum Bürgerpark

Bezüglich der Themen herrsche aber „große Übereinstimmung“ zwischen dem Rathauschef und seiner CSU, räumt Boger ein. Jedoch gebe es „feine Unterschiede“, fügt er an. So ist Boger skeptisch, was Klostermeiers Vision eines Bürgerparks angeht. Überdies plädiert er für die Einführung eines Bürgerbudgets, über dessen Verwendung allein die Putzbrunner in demokratischer Abstimmung entscheiden. Und er betont, wie wichtig der Erwerb von Grundstücken für die Gemeinde sei: „Das ist das Silberbesteck der Gemeindeentwicklung.“

Ob das reicht, um sich vom seit zwölf Jahren regierenden Bürgermeister abzusetzen? Zumindest bei der Podiumsdiskussion mit allen drei Kandidaten lag Eduard Boger vorne – was den ersten Lacher des Abends betraf. Als der CSU-Kandidat den Halbsatz „Wenn ich nicht Bürgermeister werde, dann...“, vervollständigen sollte, antwortete er trocken: „… dann werde ich Landesschützenmeister mit der Luftpistole.“

Porträts

Vor der Bürgermeisterwahl in Putzbrunn am 4. März stellen wir alle drei Kandidaten vor – in alphabetischer Reihenfolge. In den nächsten Tagen folgen die Berichte über Walter Hois (GPP) und Edwin Klostermeier (SPD).

Steckbrief

Name: Eduard Boger 

Partei: CSU

Alter: 46 

Beruf: Geschäftsführer der CSU-Bundeswahlkreis-Geschäftsstelle München-Land.

Familienstand: verheiratet, zwei Kinder, Vincent (13) und Mia (10)

Hobbys: Schießen und Computer 

Lebt in Putzbrunn seit: 2005 

Darum will ich Bürgermeister werden: „Weil ich überzeugt bin, dass ich’s kann.“ 

Mein Lieblingsplatz in Putzbrunn: „Das Schützenstüberl – wegen der Kameradschaft, des Zusammengehörigkeitsgefühls und der Bandbreite der Menschen, die hier aufeinandertreffen.“ 

Mein Wunsch für Putzbrunn: „Ich würde mir wünschen, dass sich noch mehr Putzbrunner für ihre Mitmenschen einsetzen – sei es im Sportverein, in der Kirche oder in der Nachbarschaftshilfe.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Gasthaus zur Post: Baierbrunner Wirt verliert Unterarm bei Explosion
Der laute Knall war am Samstagabend in ganz Baierbrunn zu hören. Der Hintergrund ist entsetzlich: Im Gasthaus zur Post ist es zu einer schweren Detonation gekommen. …
Gasthaus zur Post: Baierbrunner Wirt verliert Unterarm bei Explosion
Ehepaar Lindacker feiert Gnadenhochzeit: Die Liebe hält seit 70 Jahren
Sie sind gemeinsam glücklich, voll im digitalisierten 21. Jahrhundert angekommen und wirken locker 20 Jahre jünger als sie sind: Emilie und Oskar Lindacker sind seit 70 …
Ehepaar Lindacker feiert Gnadenhochzeit: Die Liebe hält seit 70 Jahren
Restkarten für Kulturveranstaltungen  gehen künftig an Bedürftige
Restkarten-Kontingente für Kulturveranstaltungen in Taufkirchen werden künftig abgegeben an Menschen, die sich die Veranstaltung nicht leisten können.
Restkarten für Kulturveranstaltungen  gehen künftig an Bedürftige
Für den TSV Ismaning: Gemeinde baut Ballsporthalle nun selbst
Seit Jahren plant der TSV Ismaning an seiner Ballsporthalle, doch einen konkreten Termin gab es nie. Immer wieder warf das Projekt, bei dem der Verein als Bauherr …
Für den TSV Ismaning: Gemeinde baut Ballsporthalle nun selbst

Kommentare