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„Ich mache Politik mit Herz und Seele.Deshalb wünsche ich mir eineVertragsverlängerung.“

Im Porträt: CSU-Bundestagskandidat Florian Hahn

Leidenschaft für Land und Leute

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Vor der Bundestagswahl am 24. September porträtieren wir die Direktkandidaten. Heute: Florian Hahn von der CSU – der 43-Jährige aus Putzbrunn sitzt seit 2009 im Bundestag, hat sich dort als Experte für Außen- und Sicherheitspolitik etabliert.

Landkreis – Um Weihnachten 2013 herum, als Florian Hahn die stressigen Monate nach seiner Wiederwahl hinter sich und in den Ferien plötzlich mal keine Termine hatte, da ließ er sich einen Bart wachsen. Einfach so, eine Woche lang. „Das hat mir so gut gefallen – seitdem steht er“, schildert der CSU-Politiker beim Interview-Termin im Biergarten vom „Bräustüberl“ in Aying seine optische Evolution. Die insofern bemerkenswert ist, weil Hahn vor der Bundestagswahl 1994, als junger JU-Wahlkämpfer, für eine „Politik ohne Bart“ geworben hatte – eine Anspielung auf den damaligen SPD-Kanzlerkandidaten Rudolf Scharping. „Eins dieser Plakate mit aufgeklebtem Gilette-Einwegrasierer habe ich immer noch.“

Als Florian Hahn diese Anekdote erzählt, muss er kurz schmunzeln. Denn heute macht er selbst Politik. Mit Bart. Und mit einer Botschaft, die während des Gesprächs mit dem Münchner Merkur sogar auf dem blauen T-Shirt steht: „Klar für unser Land“. Unterstrichen, mit der aktuellen Jahreszahl.

Florian Hahn 2017, das ist ein in acht Jahren gereifter Bundespolitiker, der sein Profil markant schärfte, indem er mit Außen- und Sicherheitspolitik ein Spezialgebiet besetzte. Dazu liegen ihm Bildung und Forschung am Herzen, speziell im Landkreis München natürlich: „Die TUM in Garching, die Bundeswehr-Uni in Neubiberg, die LMU-Ableger in Oberschleißheim und Martinsried – all diese Schätze wollen gehegt und gepflegt werden“, sagt der Putzbrunner. „Allein in der vergangenen Legislaturperiode haben wir dafür 228 Millionen Euro an Fördermitteln eingesetzt. Die muss man sich immer wieder erkämpfen.“ Beispielsweise, indem man neue Partnerschaften entwickelt wie beim Thema Cyber-Sicherheit, das mit elf Professuren an der Bundeswehr-Uni im Landkreis etabliert worden ist. Hahn schwärmt von „Initialzündung und Magnetkraft – etwas Vergleichbares gibt es in Europa nur rudimentär“.

Aber auch den alltäglichen Sorgen der Menschen in der Region ist Florian Hahn auf der Spur. „Wie schon Franz Josef Strauß gesagt hat, man muss den Leuten aufs Maul schauen.“ Seit 2009 durchpflügt der einstige Marketing-Fachmann penibel seinen Wahlkreis, „um zu senden und zu empfangen“. Also versucht er „zu erklären, was wir da machen in Berlin“. Und er hört zu, bei derzeit über 30 Wahlkampfveranstaltungen pro Woche: Wo drückt der Schuh, was bewegt die Landkreisbürger?

Als ein Kernproblem nimmt er den unglaublichen Zuzug in der Boomregion München wahr – denn damit einher gehen massiv steigende Lebenshaltungskosten im Bereich des Wohnens. „Das bereitet nicht nur jungen Familien große Schwierigkeiten“, sagt Hahn. Mit Baukindergeld (zehn Jahre lang 1200 Euro pro Kind und Jahr) sowie einem Absenken der Grunderwerbssteuer über neue Freibetragsgrenzen wolle die CSU gegensteuern. Denn, so Hahn: „Die beste Alterssicherung ist das eigene Wohneigentum.“ Weiteres großes Landkreis-Thema ist aus seiner Sicht die Mobilität auf Straße und Schiene, unter anderem der vierspurige Ausbau von A 99 und Kreuz München-Süd. „Dadurch ergeben sich für einige Kommunen neue Möglichkeiten beim Lärmschutz.“

Sein Wahlkampf-Slogan heuer lautet: „Aus gutem Grund“. Was damit gemeint ist? „Einerseits die Vergangenheit: Was ist geleistet worden? Ich kann nach acht Jahren eine gute Bilanz vorweisen“, glaubt der 43-Jährige. „Und andererseits habe ich die richtigem Themen für die nächsten vier Jahre.“

Florian Hahn hält kurz inne, greift in der idyllischen Atmosphäre Ayings zur Breze, sinniert darüber, welchem politischen Vorbild er nacheifert: Edmund Stoiber. „Er verkörpert wie kein anderer diese totale Leidenschaft sowohl für unser Land als auch für Politik.“ Dieses Feuer lodere auch in ihm, beschreibt Hahn seinen Ansporn: „Ich mache Politik mit Herz und Seele. Deshalb wünsche ich mir eine Vertragsverlängerung.“

Berlin, Kabul, Putzbrunn: 22 Wochen pro Jahr verbringt Florian Hahn in der Hauptstadt, dazu kommen Auslandsreisen, Freitagabendtermine im Wahlkreis. Der Politikerjob fordert ihn, doch bei aller Liebe: Diese gilt vor allem Ehefrau Tina und den beiden Kindern (8 und 11). „Auch wenn meine Frau Stadträtin in Coburg war und wusste, was auf uns zukommt, für die Familie ist das schon eine Belastung. Und auch für mich, weil ich ja das halbe Jahr über allein bin“, sagt Hahn. Geschont werde er deshalb nicht: „Mathe-Nachhilfe läuft über WhatsApp, so ist das eben in modernen Familien.“

Wenn dann doch mal Muße bleibt fürs Ausspannen daheim in Oedenstockach, dann zupft, schneidet und pflanzt Florian Hahn in seinem kleinen Garten vor sich hin. „Heuer habe ich es mal mit Rhabarber probiert.“ Viel Zeit zum Kosten blieb nicht im durchgetakteten Polit-Alltag. Egal, Florian Hahn mag dieses stramme Programm: „Es ist ein Privileg, diesen Job machen zu dürfen, weil ich so sehr viele interessante Menschen kennenlerne. Diese Begegnungen erden mich sehr stark.“

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