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„Deutschland ist auf auf einem völlig falschen Weg“: Gerold Otten (AfD) will wieder in den Bundestag

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Von: Stefan Weinzierl

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Will keine Windräder im Landkreis: AfD-Kandidat Gerold Otten leugnet den Klimawandel nicht. „Der ist schon da“, sagt er.
Will keine Windräder im Landkreis: AfD-Kandidat Gerold Otten leugnet den Klimawandel nicht. „Der ist schon da“, sagt er. © Stefan Weinzierl

Sein Steckenpferd ist die Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Die Bundeswehr liegt ihm besonders am Herzen. Jetzt will Gerold Otten (AfD) wieder in den Bundestag und wünscht sich, dass in der Bundespolitik endlich die richtigen Prioritäten gesetzt werden.

Putzbrunn – Mitte August ist Gerold Ottens Buch „Warum Soldaten die AfD wählen“ erschienen. Etwas zu spät, findet der 65-Jährige. Er hätte die von ihm veröffentlichte Beitragssammlung gerne früher im Wahlkampf genutzt. Dafür spielen dem AfD-Bundestagsabgeordneten aus dem Putzbrunner Ortsteil Solalinden die Ereignisse im Nahen Osten gerade in die Karten.

In Posts auf Facebook setzt er immer wieder Nadelstiche gegen die Bundesregierung und ihr „Afghanistan-Desaster“, spricht vom „unkoordinierten Vorgehen beim Truppenabzug“ und der „Gefährdung unserer Soldaten“. Überhaupt, beschließt Otten einen seiner Beiträge, lasse die Wertschätzung der Bundeswehr vonseiten des Verteidigungsministeriums und des Bundestags zu wünschen übrig.

22 Jahre Berufsoffizier

Im Gespräch mit dem gebürtigen Lüberstedter, dessen Steckenpferd die Sicherheits- und Verteidigungspolitik ist, merkt man schnell, wie viel ihm die Bundeswehr bedeutet. „Ich kenne die Seele der Soldaten“, sagt er. Kein Wunder: Der Oberst außer Dienst war 22 Jahre Berufsoffizier bei der Luftwaffe, danach viele Jahre in der Luft- und Raumfahrtindustrie tätig. Nur logisch, dass er auch in Berlin sein Expertenwissen einbringt. Im Bundestag ist er unter anderem Mitglied im Verteidigungsausschuss und stellvertretender verteidigungspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion.

Gerne wäre er auch Wehrbeauftragter des Bundestags geworden, unterlag aber in der entscheidenden Abstimmung der SPD-Kandidatin Eva Högl. Nicht die einzige persönliche Enttäuschung für den 65-Jährigen seit seinem Einzug in den Bundestag vor vier Jahren. 2019 scheiterte er mit seiner Kandidatur für den Posten eines der Bundestagsvizepräsidenten. „Und dass trotz meiner sauberen Vita“, wie er betont. Er sei offen nach Berlin gegangen, doch die Ausgrenzung, die er und seine Partei seitens der anderen Fraktionen erfahren habe, habe er so nicht erwartet.

„Das hat mich härter gemacht“, sagt Otten bestimmt, aber ohne erkennbare Emotion. Überhaupt ist Otten für seine ruhige, nüchterne Art bekannt. „Ich bin nicht der Lautsprecher, der ständig auf die Pauke hauen muss. Ich versuche, mit sachlichen Argumenten zu überzeugen.“

„Manche würde ich lieber außerhalb der Partei sehen“

Dass es andere in seiner Partei gibt, Provokateure und Populisten, streitet Otten nicht ab. „Wir haben sicher den einen oder anderen dabei, den ich lieber außerhalb der Partei sehen würde“, sagt er, vermeidet aber gleichzeitig, sich von Rechtsaußen wie dem thüringischen Landespolitiker Björn Höcke zu distanzieren. Mit Letzterem hat er 2018, nach dem tödlichen Messerangriff auf einen 35-Jährigen, sogar an dem umstrittenen, von der AfD initiierten Trauermarsch in Chemnitz teilgenommen.

Dass er zu niemanden Berührungsängste hat, ist wohl ein innerparteiliches Erfolgsrezept Ottens. Er sei sehr gut vernetzt, heißt es aus dem AfD-Umfeld. Mitstreiter loben, dass sich der 65-Jährige immer in den Dienst der Partei stellt. So begehrte der Direktkandidat für den Landkreis München vor Wochen auch nicht auf, als er auf der AfD-Landesliste nicht den angestrebten Listenplatz 8 erhielt, sondern einen Rang nach hinten rutschte. „Das ist Parteidynamik“, sagt Otten nur. Für den Wiedereinzug in den Bundestag müsse es trotzdem reichen.

Dann will er weiter für eine sinnvolle Modernisierung der Bundeswehr – Stichwort Autonome Waffensysteme und Cyber-Attacken – sowie für mehr Respekt für die Soldaten in der Gesellschaft kämpfen. „Das sind Menschen, die leisten unter Lebensgefahr Dienst für die Gemeinschaft – und werden dafür hierzulande auch noch bepöbelt.“

Andere Prioritäten

Dass man den Soldaten die Anerkennung zollt, die ihnen gebührt, ist ein Schritt zurück zu der Normalität, die seine Partei mit ihrem Wahlkampfslogan „Deutschland – aber normal“ propagiert. Otten steht voll und ganz hinter diesem Leitspruch. „Ich habe den Eindruck, wir sind als Nation auf einem völlig falschen Weg“, erläutert er. Man beschäftige sich mit Themen wie Gendersternchen und verliere dabei wichtige Themen wie die Staatsfinanzen, die Rentenproblematik, die Überalterung der Gesellschaft und die Wohlstandssicherung völlig aus den Augen. „Da muss das Land wieder hingeführt werden: zu den Prioritäten, die auch in anderen Ländern üblich sind“, sagt Otten deshalb.

Alle Informationen zur Bundestagswahl und zu den Kandidaten im Wahlkreis München Land finden Sie hier

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