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Die Bestatter sind auf die besonderen Maßnahmen vorbereitet. 

Vorsichtsmaßnahmen bei Bestattungen

Coronavirus: Trauerfeiern auf Distanz

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Aufgrund der Coronakrise müssen jetzt auch bei Bestattungen Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden. Und die können für die Angehörigen ganz schön schmerzhaft sein.

Landkreis – Angehörige dürfen ihre Liebsten wegen des Coronavirus derzeit nur im kleinen Kreise zu Grabe tragen. Große Trauergottesdienste sind nach dem offiziellen Versammlungsverbot der Bundesregierung in den nächsten Wochen nicht mehr zulässig. Zum Schutz vor Ansteckung müssen Bestatter darauf achten, dass die Trauergesellschaft maximal 15 Personen umfasst, die den Mindestabstand von 1,50 Metern einzuhalten haben.

Es fällt schwer, auf eine Umarmung zu verzichten

Diakon Karl Stocker hat eine Trauerfeier auf dem Putzbrunner Friedhof ins Freie verlegt, weil im Leichenhaus – selbst bei reduzierter Teilnehmerzahl – nicht genug Platz gewesen wäre. „Es ist nicht anders machbar“, sagt Stocker, „die Leute sind einsichtig und dennoch dankbar für eine kleine würdige Feier.“ Wenn Tränen fließen, falle es schon schwer, auf das Kondolieren, auf Händeschütteln und Umarmungen zu verzichten, „das ist bedrückend“, sagt Dekan Josef Steinberger aus Sauerlach, „aber die Leute tragen die Vorsichtsmaßnahmen mit.“

Erdwurf und Weihwassergaben am offenen Grab und am Sarg sind verboten

Das Landratsamt muss aktuell jede Trauerfeier genehmigen. Um die Ansteckungsgefahr einzudämmen, sind Personen mit Fieber oder Symptomen einer Atemwegsinfektion nicht zugelassen, heißt es in der Verfügung des Gesundheitsministeriums. Türen zu Leichenhaus und Trauerhalle müssen geöffnet bleiben. Mikrofone dürfen nur von einer Person benutzt werden und sind anschließend zu desinfizieren. Erdwurf und Weihwassergaben am offenen Grab und am Sarg sind verboten.

Für Familien emotional schwierig

Werner Schwarz, Bestatter aus Haar, setzt die Trauerfeiern im kleinen Kreis bereits um. Die Information der Angehörigen sei aufwendig, berichtet er. „Es ist für die Familie emotional schwierig, weil die verstorbene Person nicht gebührend verabschiedet werden kann.“ Freunde und Arbeitskollegen seien meist ausgeschlossen, wenn nur 15 Personen teilnehmen dürften. „Wir raten den Angehörigen, die Trauerfeier im kleinen Kreis in einem Video aufzunehmen. Man kann den Film später bei einer Zeremonie mit Freunden und Arbeitskollegen vorführen.“

Infektiöse Leichen werden speziell behandelt

Urnen-Beisetzungen können zwar um Monate verschoben werden, doch Dekan Steinberger plädiert dafür, zeitnah Abschied zu nehmen. „Die Menschen tun sich emotional keinen Gefallen mit dem Aufschieben.“ Auch die offene Aufbahrung ist derzeit nicht zulässig. Schließlich könnte die Leiche infektiös sein. Doch auch damit haben die Bestatter Erfahrung.

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„Eine infektiöse Leiche wird speziell behandelt, egal ob Coronavirus, Tuberkulose oder andere ansteckende Krankheiten, Bestatter haben damit Routine“, sagt Manfred Riedel, Geschäftsführer der Trauerhilfe Denk. Dabei gehe es um den Schutz der Mitarbeiter. „Der Sarg wird voll verschlossen und gekennzeichnet, der Leichensack desinfiziert. Seit 17 Jahren hat sich bei uns kein Mitarbeiter angesteckt.“

Bestatter sollten als systemrelevant eingestuft werden

Riedel ist zuversichtlich, dass die Bestatter die Versorgung sicherstellen, er rechnet nicht mit einem derartigen Anstieg bei der Zahl der Sterbefälle, dass es zum Engpass kommen werde. „Wir haben auch bisher bei großen Krankheitswellen mit bis zu 25 000 Verstorbenen keinen Engpass erlebt.“ Nicht nachvollziehen kann er, dass die Bestatter in Bayern in Zeiten der Coronakrise noch nicht als systemrelevant eingestuft wurden. „Es geht darum, dass wir bevorzugt Desinfektions- und Hygienemittel bekommen und zum Lieferkreislauf der bevorzugten Branchen gehören sollten.“

Keine Veröffentlichung von Bestattungen

Der Bestattungstermine werden derzeit in der Tageszeitung nicht veröffentlicht. Auch in Traueranzeigen dürfen keine Bestattungstermine bekannt gemacht werden, um die reduzierte Teilnehmerzahl bei Trauerfeiern zu gewährleisten. Im Nachhinein dürfen Todesanzeigen veröffentlicht werden.

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