Zwischen die Münchner- und Bürgermeister-Jakob-Straße wird ein Kinderhaus sowie Seniorenwohnungen gebaut.
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Zwischen die Münchner- und Bürgermeister-Jakob-Straße wird ein Kinderhaus sowie Seniorenwohnungen gebaut.

Entlastung für die Angehörigen

Putzbrunn plant ein Seniorenheim und holt sich kompetenten Rat aus Ohlstadt

  • Bert Brosch
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Selbstbestimmtes und nachbarschaftliches Leben in hohem Alter will die Maro-Unternehmensgruppe verwirklichen. So etwas kann man sich in Putzbrunn auch gut vorstellen.

Putzbrunn – Die Gemeinde plant ein Senioren-Wohnheim, erste Räume sollen neben dem Haus für Kinder an der Münchner Straße entstehen. Um einen Überblick zu bekommen, welche unterschiedlichen Konzepte es für die Betreuung der Senioren gibt, lädt man sich Fachleute in den Gemeinderat ein. Den Anfang machte Martin Okrslar von der Maro-Genossenschaft aus Ohlstadt. Er überzeugte mit seinem Konzept.

Schwerpunkt Wohngemeinschaften

Okrslar ist Vorstand des Unternehmens Maro, das er 2012 gründete. Das Unternehmen steht für ein selbstbestimmtes und nachbarschaftliches Wohnen, die Schwerpunkte sind dabei Wohngemeinschaften für Demente und für betreute Pflege sowie Mehrgenerationen-Wohnformen. „Da wir alle immer älter werden, müssen wir auch mit immer mehr dementen Menschen umgehen. Rund zwei Prozent der Bevölkerung erkranken daran“, sagte Okrslar. Das Problem seien dabei vor allem die Angehörigen, die darunter 24 Stunden täglich zu leiden haben. „Daher haben wir uns entschieden, spezielle Demenz-WGs in unseren Häusern einzurichten. Jede Wohngemeinschaft hat dabei maximal zwölf Bewohner, jeder hat ein eigenes Zimmer und Bad und dazu einen großen Gemeinschaftsraum.“

Angehörige sprechen Tagesablauf ab

Das Besondere am Maro-Konzept ist, dass die Angehörigen der Bewohner ein Gremium bilden, in dem die Tagesabläufe abgesprochen werden. Es gibt also kein übergeordnetes Konzept eines Betreibers. „Das Ziel ist, dass es für jeden Bewohner – der erst dann zu uns kommt, wenn es zu Hause einfach nicht mehr geht – möglichst so sein sollte wie zu Hause“, sagte Okrslar. Die Genossenschaft baut und stellt die Räumlichkeiten, hält alles am Laufen. Die Angehörigen entscheiden über den Tagesablauf. „Die Bewohner sollten möglichst lange so viel wie möglich tun, was sie noch können, also Wäsche waschen, kochen, basteln und vieles mehr. Unser Konzept ist dabei so ausgelegt, dass der Bewohner bis zu seinem Tod bei uns bleibt.“ Dieses Konzept sei eine enorme Entlastung der Angehörigen und werde bereits in Weilheim, Ober- und Unterhaching oder Dietramszell erfolgreich umgesetzt.

Bezahlbare Wohnungen das Ziel

Der zweite Part der Maro-Seniorenheime sind Mehrgenerationen-WGs: Jede Familie, ob mit oder ohne Kinder, oder auch Senioren hat eine eigene, abgeschlossene Wohnung: „Wer will, trifft sich regelmäßig mit den anderen im Hof oder einem Gemeinschaftsraum. Das Ziel sind dabei bezahlbare Wohnungen. Man hilft sich gegenseitig, weil man sich kennt. Alle gemeinsam machen Hausmeisterdienst und haben gemeinsam Autos und Lastenräder“, erläuterte Okrslar. Bereits zwei Jahre vor dem Einzug treffen sich alle und besprechen das gemeinsame Konzept. „Die Bevölkerung vor Ort hat immer Vorrang vor Fremden, Demenz- und Mehrgenerationen-WG können dabei problemlos in einem gemeinsamen Haus untergebracht sein.“

„Das ist genau, was wir suchen.“

Bürgermeister Edwin Klostermeier (SPD) zeigte sich begeistert vom Maro-Konzept, „das ist doch genau das, was wir suchen.“ Dem stimmte auch Eduard Boger (CSU) zu, „Kinder, Familien, Paare, Senioren, Tagespflege und Demente unter einem Dach, das ist toll.“ Alfons Meßner (CSU) wollte wissen, ob es in Putzbrunn einen konkreten Bedarf für so ein Konzept gebe. Okrslar: „Dazu kenne ich den Ort noch zu wenig, aber unsere Demenz-WGs waren immer sofort voll belegt. Bei den Mehrgenerationen muss man am Anfang ein bisschen erklären, aber dann werden auch die sehr gut angenommen.“

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