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Die AfD-Spitze im Landkreis: Gerold Otten (r.) ist Bundestagskandidat, Torsten Probst führt den Kreisverband zusammen mit Otten.

Für die Bundestagswahl

Gerold Otten will für AfD in den Bundestag

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„15 Prozent plus X“ im Bundestagswahlkreis München-Land, noch vor der SPD. Das hat Gerold Otten (61) aus Putzbrunn, Direktkandidat der AfD, als Ziel ausgerufen. Der Kreisverband der „Alternative für Deutschland“ hat den ehemaligen Kampfpiloten mit 18:5 Stimmen zum Kandidaten gewählt.

Unterhaching – Gerold Otten war schon im Führungszirkel um den mittlerweile aus der Partei ausgetretenen AfD-Vorsitzenden Bernd Lucke. Er ist zusammen mit Torsten Probst Vorsitzender des Kreisverbands. So war es keine Überraschung, dass er sich am Samstag gegen zwei unerwartete Gegenkandidaten klar durchgesetzt hat. Auf Manfred Hiebl aus Sauerlach, der seine Kandidatur aus dem Urlaub erklärt hatte und gar nicht bei der Wahlversammlung sein konnte, entfiel nicht eine Stimme. Einen Achtungserfolg erzielte Jürgen Beisler (43) aus Unterhaching mit fünf Stimmen.

Er glaube, dass eine weitere Merkel-Regierung Deutschland „den Untergang“ bringe, sagte Beisler. Er habe kein Vertrauen mehr zum Bundestag, wolle deshalb mitentscheiden und mitgestalten. „Ich bin Feuer und Flamme, weil ich es nicht mehr aushalte.“ In der Fragerunde konfrontierte ihn ein Parteifreund mit einem Gedankenspiel: Sein Haus werde mit „Anti-Nazi“-Parolen beschmiert – wie reagiere er? „Gelassen“, sagte Beisler, er lasse sich nicht in diese Ecke schieben, in die die AfD nicht gehöre.

Gegen Waffenexporte nach Saudi-Arabien

Mit Gerold Otten hat der Kreisverband München einen erfahrenen Kandidaten. Und einen ehrgeizigen. Vor vier Jahren hatte die AfD in München-Land 4,9 Prozent der Zweitstimmen bei der Bundestagswahl. Dieses Ergebnis wolle man mindestens verdreifachen und mit über 15 Prozent zweitstärkste Kraft hinter der CSU werden. „Das ist ein völlig realistisches Ziel, dass wir hier die SPD schlagen können.“

Realistisch sei auch sein Einzug in den Bundestag, sagt er im Gespräch. Der AfD-Kreisverband München-Land rangiere mit seinen 110 Mitgliedern bayernweit auf Rang vier. Da sei er optimistisch, dass er beim Landesparteitag einen guten Listenplatz bekomme, zwischen acht und zehn.

Schwerpunkt im Bereich Sicherheit und Terrorismusbekämpfung

Seine Schwerpunkte sieht Otten im Bereich Sicherheitspolitik, Terrorismusbekämpfung, Sicherung der Grenzen. Der ehemalige Kampfpilot und Oberst der Reserve – geschieden, ein erwachsener Sohn, der im diplomatischen Dienst beschäftigt ist – arbeitet bei Airbus, als „Eurofighter Sales Director“. In der Fragerunde sollte er deshalb darlegen, wie er zu Waffenexporten nach Saudi-Arabien stehe. „Ich persönlich habe mit Saudi-Arabien ein großes Problem“, sagte er. Saudis unterstützten den internationalen Terrorismus, den IS in Syrien. Deutschland sollte in dieses Land keine Waffen exportieren.

Und Deutschland sollte auf Staaten, die abgelehnte Asylbewerber aus ihrem Land nicht zurücknehmen wollen, Druck ausüben, antwortete er auf eine weitere Frage. Diplomatischen und wirtschaftlichen Druck. Kandidaten seien da etwa Marokko und Tunesien.

Großveranstaltung mit Bundespolitiker

Die Pläne für den Wahlkampf scheinen noch etwas vage. „Mindestens eine Großveranstaltung mit einem Bundespolitiker“ sei im Sommer geplant. Ansonsten versuche die AfD, in verschiedenen Kommunen präsent zu sein. In Ismaning werde ein neuer Ortsverband gegründet, den in Haar wolle man wiederbeleben. Öffentliche Veranstaltungen seien nicht unproblematisch, da „immer mit Störern“ zu rechnen sei, sagte Otten. Da waren die 45 Demonstranten der Satire-Partei „Die Partei“ schon wieder abgezogen. Sie hatten einen Protestzug durch Unterhaching veranstaltet und waren für zehn Minuten auch vor der Pschorr-Klause, dem Versammlungsort der AfD, aufgezogen. Die Parolen waren in der Gaststätte aber kaum zu verstehen. „Lasst Sie grölen – irgendwann wird ihnen kalt, dann gehen sie wieder“, sagte Versammlungsleiter Torsten Probst. Der Vorschlag eines Mitglieds, den Protestieren eine Runde Glühwein rauszuschicken, kam schon zu spät.

KOMMENTAR

Gerold Otten, Bundestagskandidat der AfD im Landkreis München, ist kein Scharfmacher. Als ehemaliger Berufsoffizier, jetzt in der Luftfahrt- und Waffenindustrie tätig, hat er bestimmt mehr als eine Sicherheitsüberprüfung durchlaufen. Diplomatisch tritt er auf, und bei der Aufstellungsversammlung war auch von anderen nichts zu hören, was nicht vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt gewesen wäre. 

Da passt es nicht dazu, wenn der AfD-Kreisverband Medien und Pressevertreter in geduldete und missliebige einteilt und letztere nicht zur Versammlung zulässt. Das ist nicht nur extrem unsouverän, das verstößt wenn nicht gegen das Gesetz, so doch massiv gegen den Geist der Pressefreiheit. Damit lässt sich vielleicht bei denen punkten, die bei kritischer Berichterstattung reflexhaft „Lügenpresse“ rufen. Aber es ist Gift für die politische Streitkultur. Missliebige Meinungen lassen sich auf Dauer nicht unterdrücken. Das schaffen Parteien nicht – Medien aber auch nicht.

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