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Ärgert sich über die IHK: Andreas Trauner, Betreiber einer Escort-Agentur in Putzbrunn. 

“Helfen mir nicht“

IHK-Beitrag: Escortservice-Anbieter will nicht zahlen

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Der Besitzer einer Escort-Agentur in Putzbrunn wehrt sich gegen die Zwangsmitgliedschaft in der IHK: Er sieht nicht ein, dass er Beiträge zahlen soll, „obwohl die IHK meiner Firma gar nicht helfen kann“. Notfalls will er vor Gericht gehen.

Putzbrunn – Mit der Industrie- und Handelskammer (IHK) hat Andreas Trauner nach eigenen Angaben noch nie etwas zu tun gehabt – bis zu jenem Schreiben, das im Juni 2017 in seinem Briefkasten lag. Dabei führt der Putzbrunner schon seit 1998 ein eigenes Unternehmen: Anfangs bot er Schlossführungen in Nymphenburg an, später betrieb er einen Erotikclub in München, und seit einigen Jahren ist Trauner Inhaber einer Escort-Agentur in Putzbrunn.

Die Firma des 41-Jährigen vermittelt rund ein Dutzend freiberuflicher Frauen an zahlungskräftige Männer – als „niveauvolle Begleitung“, für einen „erotischen Hotelbesuch“ oder zum „Traumdate weltweit“, wie es auf der Webseite heißt. Dass all das zumeist mit sexuellen Handlungen einhergeht, steht dort nicht explizit, ist aber allen Beteiligten klar; zwei Stunden „Private Time“ kosten beispielsweise 500 Euro.

Um ungleich weniger Geld ging es im Brief der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern, den Andreas Trauner vor gut einem Jahr erhielt. Darin wurde ihm mitgeteilt, dass sein Betrieb 264,04 Euro an die Kammer entrichten müsse – Mitgliedsbeiträge aus den Jahren 2013 bis 2015 sowie aus dem laufenden Jahr.

Dazu muss man wissen: Bis auf wenige Ausnahmen ist die IHK-Mitgliedschaft für alle Gewerbetreibenden Pflicht. Die Mitglieder erhalten laut IHK ein Begrüßungsschreiben; in der Folge informiere man sie, sobald sie Beiträge zu entrichten hätten.

Andreas Trauner kann sich an kein Begrüßungsschreiben erinnern – und er sieht auch nicht ein, wieso seine Escort-Agentur Geld an die IHK zahlen soll. „Das ist ein Witz“, ärgert sich der Putzbrunner. „Die IHK kann meiner Firma doch überhaupt nicht helfen.“ Nachdem ihm der Bescheid ins Haus geflattert sei, habe er sich auf der Kammer-Webseite informiert. „Unter anderem heißt es dort, dass einem die IHK bei geschäftlichen Fragen und bei der Personalsuche hilft.“ Letzteres komme bei ihm kaum in Betracht, so Trauner: „Ich glaube nicht, dass mir die IHK Frauen vermitteln kann.“ Und auch bei Fachfragen habe man ihm nicht weiterhelfen können. „Ich habe mich bei der IHK erkundigt, ob sie mir die Sperrbezirke aller Städte in Bayern nennen kann – denn das wäre tatsächlich hilfreich.“ Doch als Antwort erhielt er nur die Auskunft, dass die Sperrbezirksverordnungen bei den jeweiligen Gewerbeämtern angefragt werden könnten.

Auf Anfrage bei der IHK für München und Oberbayern teilt Benedikt Loesti vom Referat für Beitrag und Firmendaten mit, dass er sich zum konkreten Fall der Escort-Agentur nicht äußern könne. Jedoch verweist er darauf, dass die Beratung der IHK, etwa bei Fragen zum Thema Ausbildung oder bei juristischen Erstauskünften, zwar ein zentraler Bestandteil der Services sei, nicht aber der Hauptgrund für die Pflichtmitgliedschaft. Vielmehr begründe sich diese darin, dass die IHK alle Mitglieder ihrer Region gleichermaßen vertrete. „Wir nehmen Stellung zu bestimmten Themen, etwa bei der Verkehrsplanung“, sagt der Referatsleiter. „Dabei sind wir kein Verband, der Einzelinteressen vertritt, sondern wir vertreten das Gesamtinteresse aller Gewerbetreibenden.“ Gewährleistet werde das durch die Wahl zur Vollversammlung, bei der die Stimmen aller Mitglieder – egal, ob Groß- oder Kleinbetrieb – das gleiche Gewicht hätten.

Andreas Trauner kann diese Argumentation nicht überzeugen. Er will sich weiter weigern, IHK-Beiträge zu zahlen. „Mir geht‘s nicht um die 50 Euro im Jahr, sondern ums Prinzip“, sagt er. „Im Zweifelsfall gehe ich auch vor Gericht.“ Dort dürften seine Chancen indes schlecht stehen. Denn erst vor einem Jahr hat das Bundesverfassungsgericht geurteilt, dass die Zwangsmitgliedschaft in der IHK und die damit verbundenen Beiträge rechtens sind. In der Begründung verwiesen die Richter unter anderem darauf, dass die IHK die Interessen ihrer Mitglieder in der Öffentlichkeit vertritt, Verwaltungsaufgaben übernimmt und Wirtschaftsförderung betreibt. All das rechtfertige eine Pflichtmitgliedschaft.

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