Viele Optionen und doch keine: Obwohl der Putzbrunner Friedhof mitten im Wald liegt, so gibt es derzeit keine Möglichkeit eines Begräbnisses in einem Bestattungs- oder Friedwald.
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Viele Optionen und doch keine: Obwohl der Putzbrunner Friedhof mitten im Wald liegt, so gibt es derzeit keine Möglichkeit eines Begräbnisses in einem Bestattungs- oder Friedwald.

Um Bestattungsoption zu realisieren, fehlt Putzbrunn die Fläche – Besitzer verkaufen nicht

Keinen Wald für einen Friedwald

  • Bert Brosch
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Aus dem Friedwald, also einem Wald, in dem man sich bestatten lassen kann, wird erstmal nichts. Der Gemeinde Putzbrunn fehlt die Fläche. Und keiner der Waldbesitzer will verkaufen.

Putzbrunn – Im Oktober hat die GPP-Fraktion den Antrag auf einen sogenannten „Friedwald“ am Putzbrunner Waldfriedhof gestellt. Die Verwaltung prüfte das Ansinnen und kam zum Schluss, dass die Gemeinde dafür ein zusätzliches Waldstück kaufen müsste. Das Problem: Bislang ist kein Waldbesitzer bereit, eine Fläche zu verkaufen.

Derzeit bietet die Gemeinde Verstorbenen Einzel- und Doppelgräber für Erdbestattungen und Urnenbestattungen mit Beet oder Namensplatte sowie Urnenfächer in einer Stele oder in einer Urnenwand an, erklärte Geschäftsstellenleiter Michael Hohberg im Bauausschuss. Weiterhin gebe es die Möglichkeit anonymer Grabstätten für Erdbestattungen, halbanonyme Urnengräber mit Nummernplatte sowie anonyme Urnengräber unter Bäumen. Dabei sei zu unterscheiden zwischen der Baumbestattung am Waldfriedhof, die bereits angeboten wird, und dem beantragten Bestattungswald. „Bei der Bestattung im Wald wird die biologisch abbaubare Urne direkt im Baumwurzelbereich beigesetzt, in einem Abstand von zwei bis drei Metern vom Baumstamm entfernt“, ergänzte Hohberg.

Gemeinde hat ein Areal, das hat aber keine Bäume

Aus Sicht der Verwaltung seien mehrere Varianten in einem Bestattungswald denkbar: An einem Gemeinschafts- oder Basisbaum wird die Asche verschiedener Verstorbener beigesetzt, die Beteiligten haben keinen Einfluss darauf, wo genau sie bestattet werden. „Ein Familienbaum wäre für mehrere Urnen reserviert, am Einzel- oder Partnerbaum wird die Asche von nur einer oder zwei Personen beigesetzt.“ Denkbar ist auch ein Baum, unter dem Kinder oder „Sternenkinder“, also Totgeburten, beigesetzt werden. Generell entfalle laut Hohberg bei der Beisetzung im Bestattungswald die Grabpflege durch Angehörige, Bepflanzungen und das Abstellen von Kerzen seien unzulässig.

Westlich des Waldfriedhofs bis hin zum Bewegungs-Parcours besitzt die Gemeinde eine Fläche von rund 3000 Quadratmeter. Nur steht da kein Baum. Und: „Wir würden bei einer entsprechenden Aufforstung und Nutzung als Friedwald die vorgesehene Erweiterungsfläche für den Friedhof überplanen“, gab Bürgermeister Edwin Klostermeier (SPD) zu bedenken. Wenn die Gemeinde ein entsprechendes Waldstück erwerbe, wozu allerdings aktuell kein Waldbesitzer bereit sei, müsste es als Bestattungswald gewidmet und grundbuchrechtlich eingetragen werden.

„Ohne ein Angebot der Waldbesitzer können wir das eben nicht anbieten“

Antragsteller Robert Böck (GPP) hält die Fläche westlich des Friedhofs für gut geeignet. „Wir sollten dafür nicht extra ein Waldstück kaufen oder pachten.“ Dem widersprach Maria Feiner (CSU): „Diese Fläche haben wir schon lange für etwas anderes reserviert, wir sollten nochmals das Gespräch mit den Waldbesitzern suchen.“ Doris Böhm (Grüne) findet einen Friedwald zwar schön, „aber die anonymen Urnengräber sind doch sehr ähnlich. Ohne ein Angebot der Waldbesitzer können wir das eben nicht anbieten.“ Hohberg ergänzte, dass das bayerische Bestattungsgesetz streng sei, „bei den anonymen Urnengräbern ist noch viel Platz, auch wenn der Trend zu Urnengräbern so weitergeht“. Aktuell liege der Anteil schon bei über 50 Prozent aller Bestattungen.

Einstimmig beschloss der Bauausschuss, vorläufig keinen Bestattungswald anzubieten und noch einmal die umliegenden Waldbesitzer zu kontaktieren.

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