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Wegen Energiekrise: Kirche in Putzbrunn sanieren oder abreißen?

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Von: Bert Brosch

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Vor genau 29 Jahren wurde das ökumenische Kirchenzentrum eröffnet. Wie es konkret weitergehen soll, ist ungewiss.
Vor genau 29 Jahren wurde das ökumenische Kirchenzentrum eröffnet. Wie es konkret weitergehen soll, ist ungewiss. © Brosch

Katholiken und Protestanten in Putzbrunn diskutieren über die Zukunft des ökumenischen Zentrums - denn Geld fehlt in den Kassen.

Putzbrunn – Die astronomisch gestiegenen Energiepreise machen auch vor den Gotteshäusern nicht halt: Die Gaskosten für das ökumenische Kirchenzentrum in Putzbrunn sind teils um das Vierfache gestiegen. Jetzt diskutierte die Pfarrversammlung eine der Kirchen dichtzumachen – sogar der Begriff „Abriss“ ist gefallen.

Diskutiert wurde die Zukunft des Kirchenzentrums beim jüngsten Kirchweihfest, 50 Gläubige beider Konfessionen nahmen an der Debatte teil. Katholiken wie Protestanten haben die gleichen Probleme: enormer Rückgang der Mitglieder, leer stehende Räume – und enorm gestiegene Energiekosten.

Man feierte gemeinsame Gottesdienste

Vor 29 Jahren wurde das Kirchenzentrum eröffnet, evangelische und katholische Kirche wie auch andere Einrichtungen liegen direkt nebeneinander. Viele Räume werden gemeinsam genutzt, jahrelang feierte man ökumenische Gottesdienste zusammen. Im Jahr 2018 verbot dies Erzbischof Kardinal Reinhard Marx, weil Katholiken die sogenannte Eucharistie anders feiern würden. Das war ein Schock für beide Konfessionen. Mittlerweile hat man sich auf wenige, gemeinsame Gottesdienste verständigt, doch nun gibt es andere Probleme.

„Wir sind heute in Putzbrunn noch 781 evangelische Christen, mit stark fallender Tendenz, da fragt man sich beim Dekanat in München, ob das noch genügend sind für eineinhalb Stellen“, sagte der evangelische Pfarrer Philipp Stolz. Josef Bruckmeier von der katholischen Kirchenverwaltung berichtete, dass es im Jahr 2015 2800 Katholiken gab, heute sind es noch 2200. „Da fehlt uns die entsprechende Kirchensteuer, die Gottesdienste sind leerer, und es wird weniger gespendet.“

Gründe für leere Gottesdienste: Missbrauchsskandal

Die Gründe hierfür seien aus seiner Sicht der Missbrauchsskandal, die Unbeweglichkeit in Rom sowie geschrumpftes Einkommen der Mitglieder. „Vor drei Jahren wollten wir den Kirchturm der alten Kirche neu streichen lassen, bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass drei Balken total verfault sind. Die Renovierung würde bis zu 300 000 Euro kosten“, so Bruckmeier. Die Diözese habe klar gesagt, dafür habe sie kein Geld, „wir könnten uns frühestens in zehn Jahren melden“.

 Angespannte Stimmung: Pfarrer Philipp Stolz.
Angespannte Stimmung: Pfarrer Philipp Stolz. © Brosch

Und jetzt noch die enormen Energiekosten: Früher zahlten die Katholiken für Gas 1600 Euro monatlich, seit Dezember 2021 stiegen die Kosten auf 3000 Euro, ab Januar sollen es 6200 Euro sein. „Wir haben schon ein paar Rücklagen von etwa 50 000 Euro, doch jeder kann sich ausrechnen, wie schnell das weg sein wird. Da müssen wir einen Weg finden, das zu reduzieren“, forderte Josef Bruckmeier.

Roderick Müller vom evangelischen Kirchenvorstand berichtete von ähnlichen Problemen. „Im Moment sind unsere Finanzen solide und gut. Aber zwei Jahre ohne Gottesdienste und damit ohne Kollekte, jetzt Gottesdienste mit wenigen Gläubigen – da fehlen uns natürlich Einnahmen. Und auch bei uns steigen die Energiepreise enorm.“

Es stelle sich also für alle Gläubigen die Frage, so Pfarrer Stolz, wie es weitergeht im Kirchenzentrum. Christian Nuber vom katholischen Vorstand berichtete, man habe bereits Ideen gesammelt und mit Putzbrunns Bürgermeister Edwin Klostermeier (SPD) gesprochen. „Wie kann man große Räume, die oft leer stehen, anders nutzen? Kann man auf eine Kirche verzichten, etwas umbauen oder abreißen?“, so Nuber.

Dem pflichtete Bruckmeier bei, es stelle sich klar die Frage, ob Putzbrunn wirklich zwei Kirchen mit zwei teuren Heizungen brauche. Eine Frau verwies auf die Kirche St. Bonifatius in Haar: „Die haben eine PV-Anlage aufs Dach gebaut. Zudem könnte man doch unsere Räume vermieten, um so Einnahmen zu generieren.“ Gemeinderat Josef Jakob (FWG) sagte, er plädiere für den Einbau einer Holzhackschnitzel-Heizung anstelle von Gas. „Die Kirche hat so große Wälder, die könnten uns die Hackschnitzel kostenfrei liefern.“

Vergleich mit Firma

Thomas Nirschl verglich die Kirchen mit einer Firma. „Wenn ein Unternehmen immer weniger Umsatz hat, stirbt es. Ich schlage einen konfessionsübergreifenden Förderverein vor, auch für Nichtchristen, da kann sich dann jeder einbringen, auch finanziell.“ Ilse Liebmann vom katholischen Pfarrgemeinderat schlug vor, eine der Kirchen abzureißen und stattdessen Sozialwohnungen und ein Hospiz zu bauen. Mehrere Bürger plädierten hingegen entschieden gegen Umbauten oder gar Abrisse. „Wir müssen Christliches vorleben, dann treten auch wieder mehr Menschen in die Kirchen ein“, sagte ein Mann.

Pfarrer Stolz erwiderte, aus seiner Sicht gebe es nur einen Weg nach 500 Jahren der Trennung: Beide Kirchen müssten sich vereinigen. „In einigen Orten, etwa Augsburg, wird eine Kirche von beiden Konfessionen genutzt, das wäre ein Weg für Putzbrunn.“

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