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Selten genutzt: Die Telefonzelle an der Glonner Straße in Putzbrunn.

Die letzte Telefonzelle darf nicht verschwinden

In Putzbrunn gibt es sie noch: die magentafarbene Telefonsäule am Straßenrand. Jetzt soll sie verschwinden.

Putzbrunn – Ist eine Telefonzelle im Ort noch zeitgemäß und notwendig? Nein, so lautet die Entscheidung der Telekom zur Telefonanlage in der Glonner Straße 19 in Putzbrunn. Sie soll abgebaut werden. Doch der Gemeinderat sträubt sich.

An der Glonner Straße steht die letzte Telefonzelle in Putzbrunn und mit ihr macht die Telekom nach eigenen Angaben Verlust. 14 Euro Umsatz im Monat stehen etwa 50 Euro Unterhaltskosten gegenüber, meldet der Dienstleister. Auf ein Jahr gerechnet ist das ein Minus von 432 Euro. Die Telefonzelle soll aus wirtschaftlichen Gründen weg. Die Anfrage der Telekom aber haben die Putzbrunner Gemeinderäte abgelehnt.

Die Telefonzelle an der Glonner Straße ist dabei keine der ersten Baureihe. Das typische, gelbe Häuschen steht dort nicht mehr, sondern eine magentafarbene Säule. Ein Anruf kann mit Bargeld, Telefon- oder Kreditkarte bezahlt werden, und auf dem Dach sitzt sogar ein W-Lan-Hotspot. In unmittelbarer Umgebung, etwa der Bushaltestelle Kirchenzentrum, können Telekomkunden mit der entsprechenden Zusatzoption das W-Lan nutzen.

Doch wird die Vorrichtung überhaupt genutzt? Da sind sich die Gemeinderäte nicht sicher. Der Zweite Bürgermeister Eduard Fritz (CSU) sagt, er habe noch nie mitbekommen, dass jemand telefoniert. Und er findet: Das öffentliche Telefon stört den Blick auf die St.-Martin-Kirche. Eine Umfrage in Putzbrunn von Eduard Boger (CSU) ergab, dass es „keinen großen Bedarf“ für die Telefonsäule gebe.

Natürlich gibt es auch einige Argumente für einen Erhalt, etwa die zentrale Lage und die Nähe zur Ortsmitte. Zudem hätten in Putzbrunn einige ältere Menschen kein Handy oder Festnetz: Bürgermeister Edwin Klostermeier (SPD) „fallen auf Anhieb fünf ein“, und für sie sei das die einzige Möglichkeit, zu telefonieren. Walter Hois, Bürgermeisterkandidat der „Gemeinschaft pro Putzbrunn“ (GPP), wählt den pragmatischen Ansatz: „Die Zelle funktioniert und kostet uns nichts. Wir sollten sie für den Notfall behalten.“ Zudem scheint die Anlage durchaus genutzt zu werden, wie sein Parteikollege Robert Böck vorrechnet: Bei 20 Cent pro Anruf ergeben sich bei 14 Euro Umsatz im Monat immerhin 70 Anrufe.

Die Mitglieder des Gemeinderats stimmten bei drei Gegenstimmen für den Erhalt und damit gegen die Anfrage der Telekom. Die Telefonzelle bleibt also bis auf Weiteres an der Glonner Straße stehen. Weil die Telekom als Netzbetreiber öffentliche Kommunikationsstellen aufrecht erhalten muss, darf die Anlage ohne Zustimmung nicht abgebaut werden.  Sebastian Schuch

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