+
Zwischen Jubelstimmung und Enttäuschung: (v.l.) Der wiedergewählte Bürgermeister Edwin Klostermeier (SPD) und Eduard Boger (CSU) sind mit dem Ergebnis zufrieden, GPP-Kandidat Walter Hois hingegen findet es „ernüchternd“.

Nachlese aus Putzbrunn

Nach Bürgermeisterwahl: „Fronten werden bleiben“

  • schließen

Nach der Wiederwahl von SPD-Mann Klostermeier ist der GPP-Herausforderer Hois ernüchtert. Gegen den Bürgermeister will er nicht arbeiten, aber beste Freunde werden die beiden sicher nicht.

Putzbrunn – Edwin Klostermeier hat am Sonntag den Sieg geholt – und das gleich doppelt. Zum einen setzte sich der amtierende SPD-Rathauschef von Putzbrunn im ersten Durchgang der Bürgermeisterwahl mit 53 Prozent der Stimmen gegen Eduard Boger (CSU) und Walter Hois (GPP) durch. Zum anderen lag er auch beim Tippspiel ganz vorne, das bei der Wahlparty seiner Partei am späten Sonntag im Gasthof in Solalinden noch direkt ausgewertet wurde.

„Ich habe mit einigen anderen von der SPD und von den Grünen Schätzungen abgegeben, wie die Wahl ausgeht“, erzählt Klostermeier. „Und ich lag am nächsten dran.“ So habe er die Ergebnisse seiner Herausforderer – Boger holte 25,2 Prozent, Hois 21,8 Prozent der Stimmen – recht genau prognostiziert, sagt der alte und neue Rathauschef. Sich selbst habe er bei 54 Prozent gesehen, nachdem er 2012 noch mehr als 70 Prozent geholt hatte.

„Allerdings war mir klar, dass das ein einmaliges Ergebnis bleiben wird.“ Schließlich habe es 2012 einen „Sondereffekt“ durch die Kandidatur des Ex-Bürgermeisters Josef Kellermeier gegeben. Überdies habe er in den vergangenen sechs Jahren auch die eine oder andere unpopuläre Entscheidung treffen müssen. „Ich denke da etwa an die Erschließungsbeiträge, die wir erheben mussten“. Summa summarum sei er mit seinem Abschneiden aber „sehr zufrieden“, betont Klostermeier, der gestern schon wieder um 9 Uhr früh im Rathaus saß. „Es geht weiter, ich wollte es ja so“, sagt er. Allerdings werde er sich im März noch ein „kleines freies Wochenende“ mit seiner Frau gönnen.

Fast ebenso groß wie beim Wahlsieger war die Zufriedenheit bei Eduard Boger, der sich im Wahlkampf jegliche Attacken auf den Rathauschef gespart hatte. „Er hat ja vieles richtig gemacht“, sagt der CSU-Mann am Wahlabend. „Oder genauer gesagt haben wir gemeinsam vieles richtig gemacht, schließlich haben unsere Fraktionen im Gemeinderat ja oft zusammen gestimmt.“ Entsprechend habe man bei den Themen „nah beieinander gelegen. Und offensichtlich wiegt die Erfahrung bei den Wählern mehr als etwas frischer Wind.“

Anders als der CSU-Kandidat spricht Walter Hois (GPP) offen von einem „ernüchternden Ergebnis“. Mit seinen GPP-Kollegen habe er sich noch am Sonntagabend zusammengesetzt und eine Nachbetrachtung der Wahl angestrengt. „Vielleicht haben wir die falschen Themen gesetzt oder die Bürger haben einfach gesagt: Es passt so, wie es ist“, mutmaßt Hois. Er hatte im Wahlkampf den Bürgermeister hier und da attackiert und ihm unter anderem vorgeworfen, „nicht mehr ehrlich zu den Bürgern“ zu sein. Dass mehr oder weniger Konfrontationskurs zu einem anderen Wahlergebnis geführt hätte, glaubt Hois nicht. „Viel weniger wäre gar nicht gegangen, sonst hätte ich es wie Herr Boger machen und dem Bürgermeister dauernd auf die Schulter klopfen müssen“, sagt er. „Und wenn wir mehr auf Konfrontationskurs gegangen wären, hätte das aus meiner Sicht am Ergebnis wenig geändert.“

Stellt sich nun die Frage, ob die Bürgermeisterwahl im Gemeinderat nachhallen wird. Doch das glaubt der Unterlegene nicht. „Die Fronten werden bleiben“, sagt Hois, dessen GPP sich zuletzt mehrfach Dispute mit dem Bürgermeister geliefert hat. Jedoch sagt er auch: „Wir werden weiter eine proaktive Zusammenarbeit suchen. Es wird von uns keine Gegen-Klostermeier-Arbeit geben.“

Genau das befürchtet aber der Rathauschef, hatte Hois doch im Vorfeld vorhergesagt, dass sich der Amtsinhaber im Falle einer Wiederwahl in den kommenden zwei Jahren bis zur Kommunalwahl schwertun werde, im Gemeinderat Mehrheiten zu finden. „Diese Androhung kann ich nicht ernst nehmen“, betont Klostermeier. „Ich werde mich weiter bemühen, über Parteigrenzen hinweg den Gemeinderat mitzunehmen. Es war bislang schon so, dass ich nicht alles durchgebracht habe, was ich wollte – aber das meiste hat geklappt.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Nach Kollision mit Auto: Motorradfahrer wird 60 Meter weit geschleudert
60 Meter ist ein Motorradfahrer aus Taufkirchen über die Fahrbahn geschleudert worden, nachdem er auf der Landsberger Straße in München mit einem Auto zusammengestoßen …
Nach Kollision mit Auto: Motorradfahrer wird 60 Meter weit geschleudert
Sturz bei Testfahrer: Kradfahrer schwer verletzt
Bei einer Testfahrt mit einem zur Auslieferung bestimmten Elektrokraftrad auf einem Privatgelände nahe der Westendstraße in München ist ein Oberhachinger aus noch …
Sturz bei Testfahrer: Kradfahrer schwer verletzt
News-Blog zum Unterföhring-Prozess: Urteil wird am Freitag erwartet
Der Vorfall am S-Bahnhof Unterföhring erschütterte die ganze Region: Eine Polizistin wurde durch Schüsse schwerst verletzt. Am Freitag soll das Urteil gegen den Schützen …
News-Blog zum Unterföhring-Prozess: Urteil wird am Freitag erwartet
Focus-Gründer soll FDP-Wahlkampf retten
Das ist mal ein Name! Focus-Gründer Helmut Markwort (81) soll  Landtagskandidaten Tobi Thalhammer beerben. Und ihm winkt ein Titel.
Focus-Gründer soll FDP-Wahlkampf retten

Kommentare