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Mit Luftballons und Blumen: Bürgermeister Edwin Klostermeier gratuliert Margarete Mönich zum Geburtstag. Sie wohnt bei Tochter Ute in Putzbrunn.

Älteste Bürgerin im Landkreis München

Mit 107 noch zu Hause bei der Tochter

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Viele ältere Menschen möchten an ihrem Geburtstag nicht mehr im Mittelpunkt stehen. Nicht so Margarete Mönich: Für die Putzbrunnerin kann es an ihrem 107. Geburtstag gar nicht voll genug sein. „Je mehr Gäste kommen, desto besser“, weiß Tochter Ute Schillinger (72).

Putzbrunn– Seit mehr als 20 Jahren lebt Margarete Mönich bei ihr und ihrem Mann Hans im Haus. „Glücklicherweise ist unser Bungalow ebenerdig, so kann meine Mutter in ihrem Rollstuhl noch überall hin.“ An ihrem 100. Geburtstag saß Margarete Mönich, die am 17. April 1910 im Sudetenland geboren wurde, noch im Sessel und konnte sich selbstständig bewegen. Doch kurz darauf musste der Rollstuhl her. „Alle Glieder sind steif“, erzählt die Tochter. Sogar das Nase putzen geht nicht mehr.

„Der Kopf allerdings ist noch voll da“ – die 107-Jährige hört Radio und sieht fern. Dazu kommen die Erinnerungen aus ihrem eigenen, langen Leben, in dem das Schicksal öfter unbarmherzig zugeschlagen hat.

Margarete Mönichs Heimat, das Sudetenland, gehörte 1910 zu Österreich, und Kaiser Franz Joseph war der Arbeitgeber ihres Vaters. „Er arbeitete am kaiserlichen Hof in Wien und war für die Plüschvorhänge verantwortlich“, erinnerte sich Mönich beim Besuch des Münchner Merkur vor einem Jahr. Doch die glückliche Kindheit endete abrupt. 1914 starb ihr Vater, ein Jahr darauf die Mutter. Margarete Mönich kam mit ihren Geschwistern ins Waisenhaus.

„Eine harte Zeit, an die sie im Alter nun immer öfter denkt“, sagt Tochter Ute. Zeit ihres Lebens habe sie versucht, den persönlich erfahrenen Mangel an Nestwärme bei anderen auszugleichen. Nach Abschluss der Volksschule wurde Mönich Kinderfräulein bei einer jüdischen Familie, bezahlte später ihre Ausbildung zur Fürsorgerin, was heute mit einer Sozialarbeiterin vergleichbar ist.

Mit 28 Jahren eröffnete Margarete Mönich in Zwittau ihren ersten Kindergarten, später kam eine Säuglingskrippe dazu. Nur ein Jahr später marschierten die Nazis ein und übernahmen das Kommando in ihrer Einrichtung. 1944 kam Tochter Ute zur Welt, 1946 wurde die junge Mutter mit ihrer Tochter vertrieben. Mönichs erster Mann fiel im Krieg.

In Pforzheim, wohin es Mutter und Tochter verschlug, lernte Margarete Mönich dann ihren zweiten Mann kennen. Im Jahr 1950 heiratete das Paar. Doch auch dieses Glück war nicht von langer Dauer. Nach 18 Jahren verstarb ihr zweiter Mann nach einer schweren Krankheit.

Umso stärker sind Margarete Mönichs Bande zu ihrer einzigen Tochter Ute. Seit 1972 leben beide in Putzbrunn, zu diesem Zeitpunkt hatte Margarete Mönich noch eine eigene Wohnung. Ute Schillinger, die ebenfalls Erzieherin war, baute seit 1972 den katholischen Kindergarten in Aschheim auf. Gut 20 Jahre später übernahmen Tochter Ute und Schwiegersohn Hans die Pflege und holten Mönich zu sich ins Haus.

Zum 107. Geburtstag kam nun wieder die ganze Familie zusammen: Enkel Markus – den Margarete Mönich schon immer liebevoll ihr „Goldbubele“ genannt hat, und dessen Frau Stacy, dazu Enkelin Ulrike und die Ur-Enkel Sandra und Jermain.

Im großen Kreis genießt die Jubilarin die vielen feinen Sachen extra zu ihrem Geburtstag. „Süßes liebt sie über alles“, sagt Tochter Ute. Deshalb bereitet sie ihrer Mutter gleich zum Frühstück eine Sachertorte zu. Danach folgen „eine riesige Obsttorte mit Schrift drauf, ein Schneewittchenkuchen und kalte Schnittchen“. Dazu kommen Glückwünsche vom Bundespräsidenten, von Ministerpräsident Horst Seehofer und ein Blumenstrauß von Putzbrunns Bürgermeister Edwin Klostermeier.

Blumen liebt Margarete Mönich über alles, deshalb trifft es sich gut, dass sie im Frühling geboren wurde, wenn die Natur erwacht. 107 Mal hat Margarete Mönich das Erblühen der Natur nun mit erlebt, mal in schönen, mal in verzweifelten Jahren.

Seit einiger Zeit spricht Margarete Mönich aber oft übers Sterben. Zu ihrem 108. Geburtstag, das ist ihr größter Wunsch, würde sie am liebsten oben, beim Herrgott, sein.

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