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In St. Stephan daheim: Diakon Karl Stocker (70), der an diesem Samstag in Ruhestand geht. 

Ab 1. September

Diakon Stocker hört auf: Abschied von einem großen Menschenfreund

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Er ist ein Menschenfreund durch und durch, das Gesicht der Kirche in Putzbrunn und Grasbrunn: Diakon Karl Stocker (70), Seelsorger im Pfarrverband Vier Brunnen. Nun heißt es Abschied nehmen von dem beliebten Seelsorger: Er geht zum 1. September in den Ruhestand.

Putzbrunn/Ottobrunn– 2014 bewahrte er eine Familie aus Nigeria und einen jungen Afghanen vor der Abschiebung. Gemeinsam mit dem Helferkreis Ottobrunn/Hohenbrunn, den er ebenso leitet wie den in Putzbrunn, gewährte er ihnen neun Monate Kirchenasyl im Pfarrhaus von St. Stephan in Putzbrunn. „Flüchtlinge wollen einfach nur eine Heimat und Frieden“, sagt der Diakon. Sie litten unter einem Trauma. „Wenn man sie begleitet, durch Anleitung Hilfestellung gibt, funktioniert Integration.“

Auffangzentren sind keine Lösung

Sprache sei dabei der Schlüssel. Oft hätten die Flüchtlinge durch Schleuser ein falsches Bild im Kopf. „Sie müssen dann aber wissen, dass sie etwas leisten müssen, um hier heimisch zu werden“, betont der Diakon. Horst Seehofers Ankerzentren lehnt der 70-Jährige kategorisch ab. „Man darf die Menschen nicht isolieren.“ Die Politik müsse ehrlich mit dem Problem umgehen und gute Konzepte für alle entwickeln: Einheimische, Zugezogene und Asylbewerber. „Riesige Auffangzentren sind keine Lösung ohne Betreuung.“

Neulich hätte ihn eine Frau gefragt: „Tun Sie eigentlich nur was mit Flüchtlingen?“ „Das hat mich richtig erschrocken“, sagt er kopfschüttelnd. Er habe zunehmend den Eindruck, dass die Gesellschaft auseinanderdrifte. Eine seiner größten Sorgen. „Wenn wir uns nicht ändern, machen wir alles kaputt, was wir geschaffen haben“, mahnt Stocker und ergänzt: „Als Seelsorger kann ich nur zum Glauben einladen und hinführen“.

Medaille für soziales Engagement

Als ihn Friedrich Kardinal Wetter 2001 zum Ständigen Diakon weihte, lautete sein Weihespruch: „Keiner lebt für sich allein.“ Gut 150 Ehrenamtliche in Ottobrunn und weitere 30 in Putzbrunn stärken Stocker den Rücken. „Helferkreise sind ein großes Geschenk an den Staat und nicht selbstverständlich“, betont er. Vom Katholikenrat der Region München wurde sein Engagement mit der Pater-Rupert-Mayer-Medaille gewürdigt.

Stocker ist kein Ersatzpfarrer, sondern hauptberuflicher Seelsorger und den Pfarrverbänden Vier Brunnen und Ottobrunn sehr verbunden. Er darf trauen, taufen und beerdigen sowie den Gottesdienst vorbereiten. Die Beichte abnehmen, Krankensalbung und Eucharistiefeiern ist Pfarrer Stefan Scheifele vorbehalten, der die beiden Pfarrverbände mit rund 15 500 Gläubigen leitet.

Noch ein großer Unterschied: Im Gegensatz zu Priestern, die zölibatär leben, führt der Diakon eine harmonische Ehe. Mit seiner Gattin Marianne, die 19 Jahre Sekretärin in der Pfarrei St. Bruder Klaus (Pfarrverband Neubiberg) war, hat er zwei erwachsene Töchter. Das Mindestalter für verheiratete Amtsanwärter als Diakon beträgt 35 Jahre, für Unverheiratete mit Zölibatversprechen 25 Jahre. Und: Das Ehe-Recht erlischt, sollte die Ehefrau sterben.

Ist eine Lebensplanung ohne Zölibat ein Weg, um den Missbrauchsskandalen in der katholischen Kirche zu begegnen? „Wenn man da eine Antwort hätte“, sagt Stocker. Er meint: Ein Priester solle sich ganz auf sein Amt besinnen, habe keine Zeit für die Familie. Diese Aufgabe habe ein ganz anderes Profil als sein Amt.

Ein verheirateter Diakon wie Stocker bringt Lebenserfahrung mit: 30 Jahre lang, von 1968 bis 2002, hatte er einen Top-Job bei der Münchner Rück. Die Kirche aber war schon damals Teil seines Lebens: als Ministrant in St. Sylvester/Schwabing und später als Pfarrgemeinderat und in der Verwaltung. „Das hat mir immer große Freude gemacht.“ Doch Stocker wollte mehr bei den Menschen sein, im Glauben verbunden. Mit 45 Jahren dann die Zäsur. Seine Kollegen hielten ihn für verrückt, als er kündigte. „Gott sei Dank war meine Familie damals verständig.“ Manch Gespräch und Zweifel gab es in der Entscheidungsphase. Der Wandel zum Kirchenmann kostete Entschlossenheit und Fleiß. Das Fernstudium an der Uni Würzburg (1997 bis 2003), das Studium an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benediktbeuern und jede Menge Praktika auch im Pfarrverband Ottobrunn/Hohenbrunn folgten – zunächst neben dem Job.

Keine Sekunde bereut

Das Ziel hatte Stocker stets fest im Blick: die Weihe 2001 im Liebfrauendom München. Ein Vierteljahr lang war er nebenberuflich als Diakon tätig. „Ich habe aber schnell gemerkt, das funktioniert nicht“, sagt der 70-Jährige. Dann kam das entscheidende Angebot für eine hauptberufliche Tätigkeit von der Diözese. Er kündigte seinen Job und hat es keine Sekunde bereut: „Ich spüre eine positive Resonanz, wenn ich in der Gemeinde bin, mit Gottes Hilfe und Führung.“ Sein Leben sei mit Glaube und Dankbarkeit erfüllt.

Für die Gemeindemitglieder hat er auch nach Büroschluss ein Ohr. Auch mit der Folge, „dass ich seit 1997 keinen richtigen Urlaub mehr gemacht habe“. Ab diesem Samstag, seinem offiziell letzten Tag im Amt, will er kürzer treten, aber nicht abdanken. Ein kleines Büro in St. Stephan behält er. 2019 soll es dann endlich Ferien geben, Ehefrau Marianne wünscht sich einen Griechenland-Urlaub.

Die Verabschiedung

Diakon Karl Stocker wird offiziell am Sonntag, 7. Oktober, um 10.30 Uhr mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Stephan, Glonner Straße 22, in Putzbrunn verabschiedet.

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