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Die Informationen zu Michael Haslbeck und seine Amtszeit sind dünn.

Auftrag an Wissenschaftler

Putzbrunn lässt NS-Zeit aufarbeiten

Die Gemeinde Putzbrunn will ihre Geschichte in der Zeit des Nationalsozialismus aufarbeiten. Dafür soll an der Ludwig-Maximilian-Universität München eine Studienarbeit ausgelobt werden, die sich mit der Zeit des Nazi-Regimes von 1933 bis 1945 und mit den Folgejahren bis 1955 beschäftigt.

PutzbrunnDen Vorschlag, eine solche regionalgeschichtliche Studienarbeit in Auftrag zu geben, hatte die Grünen-Fraktion bereits im März dem Gemeinderat unterbreitet. Damals war darüber diskutiert worden, Straßen, die nach nationalsozialistisch belasteten Persönlichkeiten benannt sind, umzubenennen oder mit erklärenden Zusatzschildern zu versehen.

Während die Wernher von Braun Straße mit dem Zusatz versehen wird „Pionier der Raketenforschung, für Verbrechen der Nazidiktatur mitverantwortlich“, bleibt das Straßenschild, auf dem der zwischen 1935 und 1945 von den Nationalsozialisten eingesetzte Bürgermeister Michael Haslbeck verewigt ist, unverändert. Einem Antrag von Josef Jakob junior (Freie Wählergemeinschaft FWG), das Thema mit Rücksicht auf die noch in Putzbrunn lebenden Hinterbliebenen Haslbecks von der Tagesordnung zu nehmen, war der Gemeinderat damals mit knapper Mehrheit gefolgt.

Eine Tatsache, die Bürgermeister Edwin Klostermeier (SPD) im März schon anführte, bleibt aber bestehen: Die Informationen zu Haslbeck und der Putzbrunner Geschichte im Nationalsozialismus sind laut Klostermeier dünn. Deshalb unterstützte der Bürgermeister schon im März den Antrag der Grünen, eine wissenschaftliche Studienarbeit mit 2000 Euro auszuloben, dem der Gemeinderat nun mehrheitlich zugestimmt hat.

Obwohl Einigkeit in dem Wunsch bestand, die Fakten zusammenzutragen, „um einen Schlussstrich ziehen zu können“, wie Sybille Martinschledde von den Grünen ihren Antrag begründete, wurde intensiv über das genaue Vorgehen diskutiert. Eduard Boger (CSU) warb zunächst dafür, die Aufarbeitung nicht gleich extern zu vergeben. Er plädierte dafür, dass Gemeindearchivar Gernot Rossmanith mit Zeitzeugen Gespräche führe, denn das sei „die direktere Berichterstattung“.

Der externe wissenschaftliche Aspekt – ob nun Master- oder Zulassungsarbeit – war aber vielen Gemeinderatsmitgliedern wichtig, Walter Hois von der Gemeinschaft pro Putzbrunn (GPP) etwa führte an: „Wir sollten so wertneutral und sachlich wie möglich an die Sache herangehen. Zeitzeugen können nicht sachlich sein.“

Bürgermeister Klostermeier ergänzte, dass „ausgebildete Fachkräfte“ Zugang zu den entsprechenden Archiven hätten und „wissen, wo sie da hinlangen müssen“. Auf die wissenschaftliche Basis verständigte sich das Gremium schließlich, Archivar Rossmanith soll aber dennoch die Zeitzeugengespräche führen. Diese sollen in die wissenschaftliche Arbeit „zu gegebenem Zeitpunkt“ einfließen und das Gemeindearchiv vervollständigen.

Auch dem Antrag der FWG, den Betrachtungszeitraum auf 1933 bis 1955 auszuweiten, nahm der Gemeinderat auf, um die „Nachwehen des Nationalsozialismus und die Phase der ersten Aufarbeitung“ (Klostermeier) mit zu berücksichtigen. Die Gemeinde wird in den kommenden Tagen Kontakt zur Universität aufnehmen, um das Projekt ins Laufen zu bringen.

Silke Nörenberg

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