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Alois Daberger ist Bio-Landwirt aus Überzeugung. 

Landwirt spricht über ökologische Waldbewirtschaftung

„Man muss auf die Natur hören“

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Kachel- und Kaminöfen liegen seit einigen Jahren wieder sehr im Trend. Doch woher kommt das Brennholz? Was müssen Nutzer beim Lagern, Anzünden und Verbrennen beachten? Wie funktioniert eine zukunftsorientierte Waldbewirtschaftung? Darüber haben wir mit Bio-Landwirt Alois Daberger (58) aus Putzbrunn gesprochen.

Landkreis Schon 2003 haben er und sein Sohn Johann ihre landwirtschaftliche Produktion in Hinteregglburg (bei Ebersberg) und in Putzbrunn nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus umgestellt. Außerdem ist der 58-Jährige Vorstandsmitglied der Waldbesitzervereinigung Holzkirchen.

-Wann ist bei Ihnen Holz-Saison?

Die Holzernte machen wir nur im Winter. Einerseits, weil sonst gar keine Zeit dafür ist. Außerdem nimmt im Winter der Waldboden viel weniger Schaden als im Sommer. Der Verkauf beginnt immer nach dem Oktoberfest.

-Welche Holzarten sind am meisten gefragt?

Vor allem Hartholz, weil es die höhere Heizleistung hat; man muss weniger Holz in den Ofen stecken, um die gleiche Wärmeleistung zu bekommen. Ob Buche, Esche, Eiche, Ahorn – die nehmen sich nicht viel. Wenn es aber pressiert und man schnell Wärme haben will, ist man mit Weichholz – also Fichte oder Kiefer – am besten bedient. Weichhölzer brennen leichter an, geben schneller Wärme ab. Wir kochen hier in Putzbrunn auch mit einem Holzofen: Man legt ein paar Weichholzscheite rein, heizt ein, und nach einer Viertelstunde ist Ofenplatte heiß.

-Machen die Leute Fehler beim Heizen mit Holz?

Die Entwicklung ist ja bemerkenswert. An sich ist Brennholz eine uralte Geschichte, doch vor 30 Jahren war das kaum ein Thema. Heute schon – Holzöfen sind wieder trendig. Viele mögen die wohlige Wärme, aber es geht den Leuten auch ums Sicherheitsdenken – eine alternative und autarke Wärmequelle zu haben, wenn der Strom mal ausfällt und die ,normale‘ Heizung nicht mehr funktioniert. Wobei: Ich habe viele junge Leute kennengelernt, die noch nie Feuer gemacht haben. Die fragen: Wie geht das? Das Anzünden ist einfach, klein gehacktes Weichholz zum Anzünder, Luftzug aufmachen beim Türl – wenn mal das Knacksen anfängt, dann brennt’s gescheit.

-Mit der Luftzufuhr wird die Intensität des Feuers reguliert.

Genau. Deshalb Vorsicht: Wenn der Zug auf ist und das Feuer viel Sauerstoff kriegt, brennt es halt narrisch. Aber ein Kachelofen kann so viel Wärme gar nicht abgeben. Das ist der Denkfehler, dass viele meinen, es wird nur warm, wenn da drinnen der Teufel los ist. Nein, dann verheizen sie Unmengen Holz und verschenken die Wärme! Ist der Kachelofen heiß, muss man aufhören zu feuern. Das Geheimnis vom Kachelofen ist ja, dass er abstrahlt, wie Heizkörper wirkt und mit wenig Holz auskommt.

-Was ist der bei der Lagerung zu beachten?

Wir verkaufen nur trockenes Holz, also mit unter 20 Prozent Feuchtigkeitsgehalt, was wir nachmessen, damit die Leute es gleich verbrennen können. Wenn es regensicher aufgeschichtet ist und so, dass der Wind hindurchpfeifen kann, trocknet gespaltenes Holz in einem Jahr – Luftzirkulation ist am wichtigsten. Aber wer hat schon so viel Platz, um sich entsprechende Holzvorräte anzuschaffen?

-Den Trocknungsprozess übernehmen also Sie. Falls jemand doch einen Schuppen zum Lagern hat: Verliert das Holz im Lauf der Zeit an Brennwert?

Zu langes Lagern, länger als zwei Jahre, ist nicht gut. Dann kommt der Wurm rein, es staubt schon, wenn man die Scheite reinträgt. Holz hält ja nicht ewig. Außer, es ist verbaut – aber dann ganz wichtig, zu welcher Zeit es geschlagen wurde.

-Inwiefern? Wegen der Mondphasen?

Ja, wir haben schon nach Mondphasen geerntet, die Waldbesitzervereinigung gibt für die Holzernte manchmal bestimmte Fristen vor, wenn Kunden für Bauholz das wünschen. Die Älteren schwören darauf, die Jüngeren halten es für Humbug – ich denke, da ist schon was dran: Das Leben früher war von Erfahrungen geprägt, und warum gibt es in Tirol noch Höfe oder Almhütten, die 400 Jahre alt sind und in denen noch kein Wurm drin ist? Man muss auf die Natur hören. Aber beim Brennholz spielt das keine Rolle.

-Warum nicht?

Weil es zeitnah verfeuert wird und ohnehin aus der Waldpflege kommt.

-Aus der Waldpflege?

Ja, Brennholzernte sind Pflegemaßnahmen: Bestimmte Bäume müssen weichen, weil sie anderen – fürs Bauholz – Platz wegnehmen. Oder wir haben Kalamitäten wie Käferbefall oder Trockenheit, schneiden es dann heraus. Generell geht es darum, die Bestände immer wieder zu verjüngen. Sonst kann der Wald sich nicht optimal entwickeln.

-Also sind gar nicht nur dicke Stämme gefragt?

Überhaupt nicht mehr. Die Endnutzung beim Holz hat sich enorm geändert, weil die Nachfrage nach starkem Holz sehr zurückgegangen ist. Früher hat man den dicken Baum mit drei bis fünf Kubikmetern und 70 Zentimetern Brusthöhendurchmesser angestrebt. Aber die heutigen Sägewerke sind technisch ausgerichtet auf Stämme bis 40 Zentimeter Durchmesser, dicke Stämme sind nur noch ein Nischenprodukt.

-Was heißt das für die Praxis?

Man muss früher fällen. Erstens verlangt das der Absatzmarkt. Zweitens gibt es eben Kalamitäten – wenn ich 50, 60 Jahre warte, steigt das Risiko, dass irgendwann doch ein Käfer den Baum zerfrisst. Das ist so, als ob man auf der Sparkasse Geld verbrennen würde. Der Wert steht da draußen und verdirbt, taugt bei Grundfäule nicht mal mehr als Brennholz.

-Sie haben die Waldpflege angesprochen. Worauf kommt es an?

Wir sprechen von ,Waldumbau‘, bei dem mehrere Aspekte eine Rolle spielen. Mit der Monokultur ging es 200 Jahre lang gut, aber jetzt stehen wir – jedenfalls hier in der Münchner Schotterebene – mit dem Rücken an der Wand und müssen Gas geben. Von der Wirtschaftlichkeit her kommt nichts an die Fichte heran, aber sie ist halt anfällig gegenüber Trockenheit. Deshalb brauchen wir die Tanne – sie kommt mit den Klimaveränderungen besser zurecht, wurzelt etwas tiefer, ist sturmbeständiger. Und die Tanne hat den großen Vorteil, dass sie als junge Pflanze im Schatten der alten wachsen kann – im Gegensatz zur Fichte. Außerdem brauchen wir einen Laubbaumanteil von mindestens 30 Prozent. Denn während Nadelstreu die Böden übersäuert, sorgt das Laub für einen humusreichen Waldboden. Der Wald der Zukunft muss in jedem Alter im richtigen Verhältnis stehen.

-Das klingt anspruchsvoll.

Nirgendwo auf der Welt werden die Wälder so nachhaltig bewirtschaftet wie im deutschsprachigen Raum, teils auch noch in Italien. In Osteuropa, aber auch in Kanada und Skandinavien, wird Raubbau betrieben: Da schlagen sie alles nieder, ohne Wiederaufforstung. Nach solchen Kahlschlägen breiten sich Gras und Brombeeren aus, der Humus geht verloren, jahrzehntelang herrschen steppenähnliche Zustände. Das ist Klimaerwärmung! Der SWR-Film „Die Holzlüge“, den jeder im Internet anschauen kann, hat diese Jagd nach dem schnellen Geld dokumentiert.

-Und hierzulande...

... pflegen wir die sogenannte Einzelstammnutzung. Das heißt, dass man Wald immer verdünnt – erst wenn junge Bäume gewachsen sind, kann man große entnehmen. Es gilt der Grundsatz, nie mehr Holz zu ernten, als man Zuwachs hat. Denn beschatteter Boden ist Garant für einen leistungsfähigen Wald. Man darf den Wald nicht über-, aber auch nicht unternutzen. Ein Richtwert für eine Nutzung mit Augenmaß ist, im Jahr pro Hektar etwa zehn Festmeter Holz abzuschöpfen. Es ist mit dem Wald also nicht wie beim Acker, der abgeerntet wird.

-Nun gibt es auch private Waldbesitzer, die beispielsweise ein Waldstück geerbt haben, aber nichts damit anzufangen wissen.

Ja, das kommt vor. Manchen fehlen die Zeit und das Fachwissen. Man braucht Spezialgerät, einen Motorsägenführerschein, und trotzdem bleibt die Waldarbeit gefährlich, allein heuer gab es schon über 20 Tote. Die Waldbesitzervereinigung bietet deshalb Waldpflegeverträge an. Das läuft so: Ein Fachmann kontrolliert den Waldbestand, schlägt dem Besitzer vor, welche Pflegemaßnahmen sinnvoll sind. Diese übernimmt auf Wunsch die WBV, ebenso wie die Vermarktung des Holzes. Der Waldbesitzer kann auf diese Weise die Arbeit komplett auslagern. Wenn es jemand selbst nicht schafft, ist das eine gute Lösung – denn wenn man den Kreislauf der Verjüngung unterbricht und seinen Wald nicht bewirtschaftet, tut man der Natur keinen Gefallen.

-Welche Rolle spielt die Bejagung für die Waldpflege im Hinblick auf Wildschäden?

Ein angepasster Wildbestand ist von entscheidender Bedeutung für einen leistungsfähigen Mischwald. Rehe und Hirsche, das Schalenwild eben, sie äsen die Jungpflanzen gern an, Tannen zum Beispiel entwickeln sich dadurch zu Bonsai-Bäumchen. Manche haben Vorurteile gegen die Jagd, aber blinde Tierliebe ist verkehrt. Ein Fachmagazin hat genau dargelegt, wie überhöhter Wildbestand einen erheblichen ökologischen Schaden verursacht, dass die Natur sich eben nicht, wie oft behauptet, von selbst reguliert. Ein zukunftsorientierter Waldumbau verlangt unbedingt eine intensivere Bejagung. Wie sehr in der vergangenen 50 Jahren der Wildbestand angestiegen sind, zeigen allein die rund 300 000 Wildunfälle jedes Jahr – das liegt nicht nur daran, dass die Zahl der Autos gestiegen ist. Also: Mit einem Rehbraten zu Weihnachten tut man dem Wald etwas Gutes und sich selbst auch.

-Apropos Weihnachten: Ist Christbaumverkauf ein Geschäftszweig?

Im Sauerland und im Rheinland gibt es Hochburgen, auch hierzulande haben sich einige darauf spezialisiert, in Blindham und in Ottendichl zum Beispiel. Aber das ist ein Betriebszweig, den muss man gut beherrschen. Für die gefragten Nordmanntannen sind die Böden bei uns meist nicht geeignet. Das Problem ist: Wenn wir noch Bodenfrost haben, aber die Sonne schon auf den Baum scheint und der Stoffwechsel beginnt, vertrocknet die Nordmanntanne. Und der Fichtenchristbaum ist vielen nicht prächtig genug, nur etwas für ganz genügsame Leute. Auf dem Christbaummarkt spielt die Fichte kaum eine Rolle.

Weitere Informationen

Details zu Brennstoffen und Holzfeuerstätten sind aufgelistet unter www.richtigheizenmitholz.de. Die Familie Daberger informiert auf www.rothbauernhof.de über ihre Bio-Landwirtschaft – bei der der Holz-Sektor übrigens nur etwa 25 Prozent ausmacht.

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