Kardinal Reinhard Marx.
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Kardinal Reinhard Marx.

Kompromiss gefunden

Nach Ökumene-Veto vom Kardinal: Christen in Putzbrunn dürfen wieder gemeinsam feiern

  • Sebastian Schuch
    vonSebastian Schuch
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Ein Machtwort von Kardinal Marx zu den ökumenischen Gottesdiensten in Putzbrunn hatte für Furore gesorgt. Nun gibt es einen Kompromiss.

Putzbrunn - Die Nachricht kam damals aus heiterem Himmel: Die ökumenischen Gottesdienste am Sonntagmorgen dürfen in Putzbrunn nicht mehr stattfinden. Kardinal Reinhard Marx beorderte die Katholiken zur Eucharistiefeier. Verkündet ausgerechnet zur 25-Jahr-Feier der Ökumene in der Kommune. Doch jetzt gibt es einen Kompromiss.

Beginnend mit der Kirchweih im September, bei der im vergangenen Jahr die Nachricht öffentlich wurde, gibt es künftig jährlich fünf gemeinsame ökumenische Gottesdienste: am Volkstrauertag im November, ein Familiengottesdienst im Advent, zur „Gebetswoche für die Einheit der Christen“ im Januar und zum Dorffest im Juli.

„Lösung gefunden, mit der beide Seiten sehr gut leben können“

Geistlicher Rat Stefan Scheifele, Leiter des Pfarrverbands Vier Brunnen Ottobrunn, freut das Ergebnis einer ökumenisch besetzten Gesprächsrunde im Münchner Ordinariat: „Es wurde eine Lösung gefunden, mit der beide Seiten sehr gut leben können“, sagt er. „Wir können die Vorgaben von oben einhalten und Offenheit präsentieren.“ Was über Jahrzehnte gewachsen sei, dürfe weiter wachsen.

Wobei die Situation nicht so dramatisch gewesen sei, wie sie dargestellt wurde. „Es war eine falsche Wahrnehmung einer ungeschickten Äußerung.“ Eine Trennung von katholischer und evangelischer Gemeinde sei nie angedacht gewesen. Es sei lediglich darum gegangen, die bisherige Praxis zu modifizieren.

Weihbischof kommt Katholiken entgegen

Dass die Modifikation geklappt hat, freut auch Philipp Stoltz von der evangelisch-lutherischen Gemeinde Waldperlach und Putzbrunn. Der Pfarrer war bei den Gesprächen in München dabei. „Die katholische Seite hatte ein rechtliches Problem. Der Weihbischof ist uns so weit wie möglich entgegengekommen und bleibt trotzdem in seinen Vorgaben“, sagt Stoltz. Unterstützung und guter Wille seien bei dem Treffen zu spüren gewesen.

Zu spüren war in den vergangenen neun Monaten auch der Zusammenhalt der ökumenischen Gemeinde in Putzbrunn. Im Ort sei viel miteinander geredet worden. Alle seien der Meinung gewesen, dass es weitergehen muss. „Die gesamte Ökumene ist noch mehr zusammengewachsen“, zieht der Pfarrer ein Fazit. So habe das ganze Durcheinander auch etwas Gutes – und die katholische Seite die Zusicherung, dass die Ökumene von oben genehmigt ist.

„Haben einige Pläne geschmiedet“

Stoltz freut sich auch auf die Zusammenarbeit mit Pfarrvikar Stefan Berkmüller, der ebenfalls beim Gespräch in München dabei war und aktuell im Urlaub ist. „Wir haben einige Pläne geschmiedet und freuen uns darauf, diese mit Leben zu füllen“, sagt Stoltz. Es sei auch ein Experiment, bei dem neue Dinge ausprobiert würden.

Experimentieren müssen die beiden Pfarrverbände an drei Terminen, etwa am Muttertag. Denn dann haben sie keine Erlaubnis für gemeinsame Gottesdienste bekommen. Eine Idee wäre, die Gottesdienste gemeinsam zu beginnen und zu beschließen.

Mit den drei teilweise getrennten Veranstaltungen finden künftig acht ökumenische Gottesdienste im Jahr statt – wie zuvor auch. In drei Jahren wird die Gestaltung überprüft und angepasst. Philipp Stoltz freut es besonders, dass der erste gemeinsame Gottesdienst zur Kirchweih im September stattfindet. Schließlich begann der Trubel genau ein Jahr zuvor.

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