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Das Moccasola-Team mit ihren vier Kaffeesorten: (hinten v.l.) Sasa Kostan, Christina Maier, Sarah Wegscheider und Döndü Kurt sowie (vorne v.l.) Donat Röder und Stefan Mancassola.

Lebenshilfe-Werkstatt Putzbrunn

Kleine Rösterei bringt Stärken jedes Einzelnen groß raus

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Die Lebenshilfe-Werkstatt in Putzbrunn produziert eigenen Kaffee. Davon profitieren nicht nur die Mitarbeiter vor Ort, sondern auch die in anderen Werkstätten für behinderte Menschen.

Putzbrunn – Im Eingangsbereich der Lebenshilfe-Werkstatt GmbH (LHW) in Putzbrunn duftet es nach frischem Kaffee – und darauf sind Stefan Mancassola (47) und seine acht Mitarbeiter stolz. Der Kaffeegeruch kommt nicht etwa von der Kaffeemaschine ums Eck, sondern aus der eigenen Rösterei im Zimmer daneben. „Moccasola – die kleine Rösterei“ ist das jüngste Projekt der LHW.

An jedem Schritt, vom Rösten der Bohnen bis hin zum fertigen Kaffee, sind die Mitarbeiter, allesamt Menschen mit Behinderung, direkt beteiligt. Nach dem Rösten sortieren sie zunächst Fremdkörper wie Steine aus. Dabei helfen alle mit. Für das Wiegen ist Donat Röger zuständig. Der 32-Jährige hat ein gutes Zahlenverständnis und arbeitet sehr genau. „Jeder wird nach seinen persönlichen Stärken entsprechend eingesetzt“, sagt Gruppenleiter Mancassola.

Bisher gibt es vier Moccasola-Sorten: „Crema“ und „Suprema“ sowie Espresso „Classico“ und „Nero“. Angeboten werden sie in drei verschiedenen Mengengrößen: 250, 500 und 1000 Gramm. Sasa Kostan (38) ist verantwortlich dafür, dass die Verpackungen das richtige Etikett bekommen. „Er arbeitet sehr präzise“, sagt Teamleiter Mancassola über seinen Mitarbeiter. Deshalb sind die Verpackungen nahezu identisch – und das ganz ohne moderne Maschinen. „Wir arbeiten in vielen Einzelschritten. Wie vor 40 Jahren“, sagt Mancassola scherzhaft. Das zeigt sich auch beim Verschweißen der Tüten. Dank ihres handwerklichen Geschicks übernimmt häufig Döndü Kurt (38) diese Aufgabe.

Die eigene Rösterei gliedert sich perfekt in das Konzept der Lebenshilfe-Werkstätten ein, die ihre Aufträge zumeist von großen Firmen erhalten. Die LHW-Mitarbeiter übernehmen dann einfache Arbeitsschritte, etwa das Verpacken von Ersatzteilen für den Nutzfahrzeughersteller MAN. Genau diese Aufgabe ist Mitte des vergangenen Jahres in Putzbrunn weggebrochen. Die Beschäftigung fehlte. In der Folge kam LHW-Geschäftsführer Andreas Jehn auf die Idee, eine eigene Rösterei ins Leben zu rufen. Insgesamt 100 000 Euro kosten der Umbau eines Raumes zur Rösterei und der Röster selbst. Dafür stellen die Mitarbeiter jetzt ein eigenes Produkt her.

Mancassola ist stolz auf sein Team und freut sich, dass alle Spaß bei der Arbeit haben. „Es ist schön, dass sie abends heim gehen können und sagen, sie haben es gut gemacht.“ Der 47-Jährige war selbst von Beginn an Feuer und Flamme für das Projekt – und als gelernter Koch prädestiniert. In verschiedenen Röstereien lernte er die Kunst des Kaffeeröstens.

Eher zufällig ist ein Teil von Mancassolas Namen in der Markenbezeichnung gelandet. „Einer unserer Mitarbeiter meinte mal ,Ey, du Moccasola, du!’“ Aus über 100 Vorschlägen kürten die Mitarbeiter „Moccasola“ und „Die kleine Kaffeerösterei – Kaffee inklusiv(e)“ zu den Siegern. Daraus entstand „Moccasola – die kleine Rösterei“.

Von dem eigenen Kaffee profitiert aber nicht nur die LHW Putzbrunn. „Alle 600 Mitarbeiter mit Behinderung an unseren Zweigstellen im Raum München und im Café Plinganser dürfen unseren Kaffee umsonst trinken“, sagt Dietmar Krinninger, Technischer Leiter der LHW Putzbrunn. 2016 waren das rund 700 Kilogramm Kaffee. Pro Tag stellt das Team derzeit zehn bis 50 Kilo Kaffee her.

Damit die Rösterei nicht still steht, verkauft die Lebenshilfe den Kaffee an allen Münchner Standorten ihrer Einrichtung und auch die Stiftung „Pfennigparade“ hat „Moccasola“ ins Sortiment aufgenommen. Je nach Menge und Sorte kostet eine Packung Kaffee zwischen 5,60 und 23,60 Euro. Noch in diesem Monat soll zudem ein Online-Shop seine virtuellen Türen öffnen. Für genügend Arbeit in der kleinen Rösterei ist also gesorgt.

Geschäftsführer Andreas Jehn ist es aber wichtig, dass der Kaffee nicht nur gekauft wird, weil er von Menschen mit Behinderung gemacht wird, sondern „weil er schmeckt“. Um möglichst viele Geschmäcker zu treffen, tüftelt Röster Stefan Mancassola bereits an drei weiteren Sorten.

Weitere Informationen

unter www.moccasola.de

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