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Hier im Betreuten Wohnen i n Putzbrunn ist eine 71-Jährige nach einem Zimmerbrand ums Leben gekommen.

Er löschte das Feuer und stand der Frau bei

Seniorin stirbt nach Brand: Ersthelfer erzählt: „Ich kämpfe mit den Bildern im Kopf“

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    vonSabina Brosch
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Bei einem Brand in einem Seniorenheim in Putzbrunn starb eine 71-Jährige. Lars Ostermann war als erster vor Ort, als sie in ihrem Zimmer in Flammen stand. Er berichtet vom Vorfall.

Putzbrunnn – „Das ist etwas, was ich nie wieder erleben möchte“, sagt Lars Ostermann (52). Er arbeitet als Hausmeister im Betreuten Wohnen Putzbrunn (BWP) und war derjenige, der als erster bei dem Brand im Seniorenwohnheim zur Stelle war, beim dem vor knapp einer Woche eine 71-jährige Bewohnerin tragisch ums Leben gekommen war. Ostermann, der sein Bild nicht in der Zeitung veröffentlicht haben möchte, hatte verzweifelt versucht, das Leben der Seniorin zu retten und hatte ihr Beistand geleistet. „Jeder hätte genauso reagiert“, ist er sich sicher.

Der 52-Jährige erinnert sich noch genau an das Geschehen. Aufgeschreckt durch den Alarm der Rauchmelder rannte Ostermann sofort los, um den Brandherd zu suchen. Nach der telefonischen Mitteilung, dass der Rauchmelder in Wohnung Nummer drei losgegangen war, rannte er um das Haus herum, schaute durchs Fenster der Wohnung und sah nur dicken Rauch. Irgendwo darin machte er die Konturen der leblosen Bewohnerin aus. „Die Kleider brannten, da überlegt man nicht lange, sondern handelt“, berichtet Ostermann.

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Über ein offenes Fenster steigt er in die Wohnung, reißt der Frau die brennenden Kleider vom Leib und kümmert sich dann um den lichterloh brennenden Abfalleimer. „Auf die Schnelle habe ich nichts anderes gefunden als einen Zahnputzbecher. Den hab’ ich immer wieder voll gemacht und bin zwischen Bad und Flur hin und her gerannt. Ich weiß nicht wie oft.“

„Bleiben Sie liegen, die Rettung kommt gleich“

Es gelingt Ostermann, den Brand zu löschen, dann kümmert er sich wieder um die Frau, die mehrmals versucht, sich aufzurichten. „Ich habe mich zu ihr hingesetzt und ihr den Kopf gestreichelt.“ Während die umliegenden Zimmer evakuiert werden, redet er beruhigend auf die Verletzte ein: „Bitte bleiben Sie liegen, die Rettung kommt gleich. Das hab’ ich immer wieder gesagt.“

Als Feuerwehr und Rettungssanitäter eintreffen „bin ich raus in den Garten, habe durchgeatmet, laut gebrüllt und den ganzen Rauch rausgehustet.“ Schock und Stress, das musste erst einmal raus. Heute kann es Ostermann kaum glauben, dass er unverletzt blieb, „ich habe nicht mal eine Schramme“.

Der Geruch von verbranntem Fleisch lässt ihn nicht los

Tage später kämpft er jedoch mit dem Erlebten. Trotz der schrecklichen Ereignisse, in deren Folge die Rentnerin ihren schweren Verletzungen erliegt, geht er arbeiten. „Ich brauche den Alltag, sonst würde ich verrückt werden.“

Noch vor Ort bekam Ostermann Hilfe vom Kriseninterventionsteam, dort kann er jederzeit anrufen. Zudem steht er in täglichem Kontakt mit seinem Dispositionsleiter, der etwas Ähnliches erlebt habe. „Ich kämpfe mit den Bildern im Kopf.“ Auch der Geruch von verbranntem Fleisch lässt Ostermann nicht los. Mit den Angehörigen der Toten wird er sich diese Woche zum Reden treffen. Und er gönnt sich eine Auszeit bei seinen Eltern im Ruhrgebiet. „Ich brauche einen Tapetenwechsel“, sagt der 52-Jährige, „Irgendwie geht mir das mehr an die Nieren, als ich dachte.“

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sab

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