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Aufgepasst in der ersten Reihe - da kann es passieren, dass Sissi Perlinger die Zuschauer auf die Bühne holt und zu Akteuren macht

Sissi Perlinger im Putzbrunner Bürgerhaus

Wer später lacht, ist früher tot

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Putzbrunn - Es ist ein Kreuz mit dem Leben. Jeder wird täglich unweigerlich älter, aber keiner will alt werden. Das Problem habe schon ihre Oma gekannt, verrät Sissi Perlinger bei ihrem Auftritt im ausverkauften Bürgerhaus Putzbrunn.

Der Rat von Sissis Perlingers Omas lautete stets: „Wer nicht alt werden will, muss sich früh aufhängen.“ Perlingers eigene Erkenntnis: „Ich bleib dann mal jung!“. Und aus diesem Lebensmotto machte sie ihr aktuelles Programm und wirkt dabei äußerst lebendig. Jung bleiben, das schafft Perlinger mit Bordmitteln und eigenen Rezepten. Immerhin hat sie die 50 Jahre inzwischen überschritten und in diesen Jahren so manches gelernt, das sie nun weitergibt. Humor ist eine wesentliche Grundlage. „Und wenn heute einer da ist und nicht lacht, stirbt er halt 20 Jahre früher“, mahnt sie. Eigentlich unnötig, diese Warnung auszusprechen.

Es wird viel gelacht in den über zwei Stunden, die Perlinger über die Bühne tobt. Mal sarkastisch, mal philosophisch jagt sie einen Gag nach dem anderen raus, schlüpft in gefühlte 100 Rollen – mal als Rapper, mal als Seniorin oder bunter Schmetterling und verwandelt sich jeweils mit entsprechenden Kostümen. Dazwischen singt sie mit ihrer über drei Oktaven umfassenden Stimme, spielt eigene Kompositionen, begleitet sich auf der Gitarre und dem Schlagzeug und tanzt.

Für das Publikum bleibt da keine Zeit zum Luftholen. Schon gar nicht für Fans in der ersten Reihe. Aus ihnen werden Akteure, werden sogar auf der Bühne ins Programm eingebaut. Was ist schon schlimm am Älterwerden? „Wir reifen vor uns hin wie eine Frucht, die immer süßer wird“ und „man ist nur so alt wie man sich macht, da heißt es lügen, lügen, lügen“, weiß Perlinger. Und immerhin bietet das den Männern ein einmaliges Erlebnis: „Wir werden jetzt durchschnittlich doppelt so alt wie noch vor 100 Jahren. Da haben endlich auch die Männer die Chance, erwachsen zu werden.“ Was macht Perlinger? „Wenn ich mich alt fühle, gehe ich ins Museum Mumien schauen. Da fühle ich mich gleich 3000 Jahre jünger.“ Oder sich nackt auf dem Laken wühlen und einen Traum erfüllen von drei Männern gleichzeitig: „Einer kocht, einer putzt und einer spült.“ Und was gibt es Schöneres als endlich mal zu machen, was man schon immer wollte, sich aber nie traute: „Mal ins Kaufhaus gehen, in der Umkleide verschwinden und laut rufen, es ist kein Klopapier mehr da“. Gleichzeitig sind es probate Mittel gegen die Diktatur des Jugendwahns. Immer cool sein, hip aussehen, die teuersten Designerklamotten tragen und 30 Jahre Beziehungsstress für manchmal zwei Minuten entspannenden Spaß – das Alter hat eben doch so manche Vorteile. Schließlich ist das Gehirn eines Teenagers noch wegen Umbau geschlossen.

Fehlen darf aber nicht die politische Perlinger als sie von ihrem Großvater berichtet, der 1939 dabei war, als es gegen Polen ging und der Zweite Weltkrieg begann. „Heim ins Reich“, hieß es und ihr Opa schwärmte davon. „So ein Schmarrn, geh lieber reich ins Heim“, habe sie ihm geantwortet. Oder die Seniorin, die eine neue Wohnung sucht. Das Haus wird gerade altengerecht saniert, nur ihre Rente nicht. Sie kann sich die Miete nicht mehr leisten. Ins Altenheim mag sie nicht. „Da gehe ich lieber in den Knast, werde versorgt, habe immer junge Leute um mich herum.“ Den wichtigsten Tipp aber gibt Perlinger zum Schluss: „Nur wer an eine freudvolle Zukunft glaubt, wird diese auch gestalten können.“ Und damit jung bleiben, egal wie viele Kalenderblätter schon abgerissen worden sind.

Siggi Niedergesäß

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