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Spontan-Geburt im Wohnzimmer: Sanitäter eilen sofort los, doch Johanna und ihre Mama sind schneller

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Von: Cornelia Schramm

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In Rekordzeit: Die kleine Johanna hatte es am Tag ihrer Geburt eilig. Ihre Eltern Pia und Roman Reischl brachten sie im Wohnzimmer zur Welt.
In Rekordzeit: Die kleine Johanna hatte es am Tag ihrer Geburt eilig. Ihre Eltern Pia und Roman Reischl brachten sie im Wohnzimmer zur Welt. © Privat

Bei der Geburt der kleinen Johanna zählte jede Minute. Zuerst spielte ihr Vater im heimischen Wohnzimmer Hebamme, dann übernahmen die Johanniter – und für die gab‘s eine Überraschung.

Putzbrunn – Am Tag ihrer Geburt weckte Pia und Roman Reischls Tochter sie schon früh. Um kurz vor sechs Uhr morgens erwachte Pia Reischl aus dem Schlaf. Da machten sich die Wehen bemerkbar. Papa Roman war da noch entspannt: „Es war ja nicht unser erstes Kind. Vor fünf Jahren haben wir ja schon die Geburt unseres Sohnes Josef mitgemacht.“

So stellte der 35-Jährige „fast schon routiniert“ die Tasche für das Krankenhaus bereit und rief seine Mutter Gudrun an. „Du kannst dich langsam auf den Weg machen. Pia hat Wehen.“ Und damit war der Aufpass-Service für den Sohn auch schon organisiert. „Meine Mutter wohnt bei uns in Putzbrunn nur 300 Meter weiter und zu dem Zeitpunkt dachten wir, wir hätten noch genug Zeit“, erzählt Reischl und lacht.

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Schnell ist das Köpfchen da: „Ich hab sie einfach gehalten“

Doch seine Tochter hatte es eilig. „Um 6.11 Uhr platzte die Fruchtblase“, erzählt Reischl. Und prompt hatte Pia mit heftigen Presswehen zu kämpfen. „Da habe ich sie auf die Couch gesetzt und sofort den Notruf gewählt.“ Danach waren die Johanniter aus Riemerling zwar schnell bei den Reischls in Putzbrunn – aber das Baby war noch schneller.

Roman Reischl, selbst erfahrene Einsatzkraft bei der Feuerwehr in Putzbrunn, setzte sich zu seiner Frau – und assistierte. „So etwas hatte ich allerdings in 20 Jahren Feuerwehr noch nicht erlebt. Ich habe dann einfach Hebamme gespielt – und um 6.20 Uhr war Johanna bereits zur Hälfte da.“ Als Oma Gudrun und die Sanitäter die Reischls im Wohnzimmer antrafen, hielt Papa Roman das Köpfchen seiner Tochter schon in der Hand. „Ich hab sie einfach gehalten, aber an ihr zu ziehen, habe ich mich natürlich nicht getraut.“ So war er auch froh, als die Sanitäter übernahmen.

Schnelle Geburt zu Hause: Vater bedankt sich nochmals bei Sanitätern

„Als unsere Sanitäter zur Geburt ausrückten, ahnten sie noch nicht, was sie da erwarten würde“, erzählt auch Johanniter-Sprecher Gerhard Bieber von der Situation vor Ort. Obwohl sie nur wenige Minuten nach dem Alarm um 6.20 Uhr bei der Familie eintrafen, war die Geburt schon fast vorbei. Die Sanitäter unterstützten die entkräftete Mutter und halfen ihr, ihr Baby auf die Welt zu bringen.

„Die waren absolut cool und haben sich den Stress nicht anmerken lassen“, erzählt Reischl. „Ich kenne das selbst von Einsätzen. Eigentlich realisiert man erst hinterher, was passiert ist.“ Vor ein paar Tagen hat der Vater sich nochmal bei den Johannitern bedankt. Auch die waren glücklich. Kein Wunder, schließlich gibt es zwischen den Rettern und der jungen Dame, die es so eilig hatte, eine besondere Verbindung: Pia und Roman Reischls Tochter heißt Johanna.

Vater wird Tochter einmal sagen: „Reiß di zam, immerhin hab ich dich auf die Welt gebracht“

Der Name stand schon vor der Spontan-Geburt fest, beteuern die Eltern. Aber irgendwie war die morgendliche Aufregung wohl Schicksal. „Sie hat geschrien und bekam eine rosige Gesichtsfarbe“, erinnert sich Reischl. Das war der Moment, in dem er wusste, dass trotz des Chaos alles in Ordnung war. Um 6.26 Uhr hielt Pia Reischl ihre Tochter fest im Arm und scherzte: „Jetzt haben wir aber abgeliefert.“

Die Johanniter brachten Johanna und ihre Mutter in das wenige Minuten entfernte Krankenhaus Neuperlach, wo ihr Vater noch die Nabelschnur durschneiden durfte. Inzwischen haben die Reischls den Schock verdaut und dürfen sich schon wieder neidvolle Kommentare von Bekannten gefallen lassen, die statt wenigen Minuten rund 36 Stunden lang in den Wehen lagen.

Die Geschichte von Johannas Geburt wird in den nächsten Jahrzehnten bestimmt zum Party-Knüller, da ist sich Roman Reischl sicher. Und beginnt als Teenie einmal ihre wilde Phase, hat er schon den perfekten Spruch auf Lager: „Reiß di zam, immerhin hab ich dich schon auf die Welt gebracht.“

In Tutzing hat eine junge Frau ihr Baby in einer Frauenarzt-Praxis zur Welt gebracht - weil sie es nicht mehr heim zur geplanten Hausgeburt schaffte.

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