100 Flüchtlinge für zehn Jahre im  Bürogebäude

Putzbrunn wehrt sich

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Putzbrunn – Zu lange, zu viele: Mit den Forderungen des Landratsamts für eine Asylunterkunft in einem privaten Bürohaus hat der Gemeinderat große Probleme.

86 Flüchtlinge, darunter acht unbegleitete Jugendliche, leben derzeit in Putzbrunn. Weitere 100 sollen hinzukommen. „Nach dem Quotenschlüssel sind wir dazu verpflichtet“, berichtete Bürgermeister Edwin Klostermeier in der Sitzung des Gemeinderates. 

Eine Lösung gibt es bereits: Ein privater Immobilienbesitzer hatte sein leerstehendes Bürogebäude für die Unterbringung angeboten. Begeistert sind davon nicht alle Räte, wie sich in der heftig geführten Debatte zeigte. Der Landkreis ist bereit, die Immobilie anzumieten. Aber nur für drei Jahre und für maximal 50 Flüchtlinge. Diese Zahlen hatte der Gemeinderat beschlossen. Aber „das lässt sich wirtschaftlich nicht darstellen. Es sind umfangreiche Umbauarbeiten in dem Objekt notwendig. Der Landkreis möchte für zehn Jahre mieten“, nannte Klostermeier das Ergebnis eines Gespräches mit Landrat Christoph Göbel und dem Hausbesitzer. 

Doch es gab Widerstand. Willi Hackl (FDP) plädierte für eine dezentrale Unterbringung: „50 Flüchtlinge in dem Objekt sind vertretbar. Mehr nicht.“ Sein Vorschlag: die bereits an der Parkstraße vorhandene Asylbewerber-Unterkunft zu erweitern. 

„Dort steht keine Fläche mehr zur Verfügung. Wir arbeiten gerade am Bebauungsplan. Die Lebenshilfe benötigt mehr Platz, zudem ist dort sozialer Wohnungsbau vorgesehen“, entgegnete Klostermeier. Robert Böck (Gemeinschaft pro Putzbrunn/GPP) erinnerte an den Beschluss einer dezentralen Unterbringung in den verschiedenen Ortsteilen: „Für mich ist das undenkbar, in einem Objekt so viele Flüchtlinge unterzubringen.“ 

Geplant ist, auf einem oder mehreren Grundstücken der Gemeinde Häuser zu errichten mit Wohnungen, die später einmal an sozial Schwächere vermietet werden können. Doch so viel Zeit bleibt der Gemeinde wohl nicht. Klostermeier erinnerte daran, dass Putzbrunn unter der Sollzahl der aufzunehmenden Asylsuchenden liege. Darum werde im Landratsamt darüber nachgedacht, Turnhallen zu belegen. „Das will niemand. Für Putzbrunn ist die Gefahr noch nicht so groß. Aber wir müssen eine Lösung finden und anbieten“, betonte Klostermeier. 

Walter Hois (GPP) meinte, die Gemeinde solle sich nicht unter Druck setzen lassen: „Ich sehe für Putzbrunn nicht die große Gefahr für Zwangszuweisungen. Wir sollten die weiteren Gespräche abwarten und nach Kenntnis aller Fakten im Bauausschuss entscheiden.“ Volker Rentschler (Grüne) und Alexander Bräuer (SPD) waren sich weitgehend einig: „Die Gemeinde kann froh sein, wenn ein Privatmann bereit ist, sein Bürogebäude zur Verfügung zu stellen. Der Umbau ist schnell zu realisieren. Aber wir müssen wohl Zugeständnisse bei der Zahl der Flüchtlinge und der Mietdauer machen. Der Privatmann wird sich nicht verschulden, wenn er nicht die entsprechenden Mieteinnahmen hat.“ Bräuer warnte: „Sollte das scheitern, gibt es nur noch die Turnhalle, eine Traglufthalle oder Container.“ 

Martin Adler (Freie Wähler) sieht dies weniger dramatisch: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir gegen eine Zwangszuweisung nichts unternehmen können.“ Martina Hechl (GPP) befürchtete, dass durch weitere Kinder die Kapazitäten in den Betreuungseinrichtungen und der Grundschule nicht reichen. „Wir haben noch Luft und wissen nicht, ob und wie viele Kinder kommen“, sagte Klostermeier. Ein Beschluss wurde nicht gefasst. Erst soll der Bauantrag und die Änderung der Nutzung vorliegen

Siegfried Niedergesäss

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