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 Eine Woche Folklore-Festival

Putzbrunner bringen Volkstanz nach Athen

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16 Putzbrunner haben den bayerischen Volkstanz nach Athen getragen – mit Altbürgermeister Herbert Fischer an der Spitze. Nun, 35 Jahre später, gab es dafür einen Preis.

Putzbrunn – Wann genau Herbert Fischer zum ersten Mal mit dem bayrischen Volkstanz in Berührung gekommen ist, weiß er nicht mehr genau. An eines erinnert er sich aber, als sei es gestern gewesen: „Ich war so begeistert, wie lustig die Tänzer waren und wie viel Spaß sie hatten.“ Also belegte er einen Kurs – und dabei blieb es vorerst. Bis 1974. Das Bürgerhaus in Putzbrunn öffnete seine Tore. „Das musste ja mit Leben gefüllt werden. In der Disco hat damals jeder nur so vor sich hingetanzt, das wollte ich nicht.“ Der damals 32-Jährige erinnerte sich an die freudige Zeit beim Volkstanz und organisierte einen Anfängerkurs. Dieser führte ihn bis nach Athen. 

Für sein Engagement in und um den Putzbrunner Volkstanz-Verein hat die Gemeinde Herbert Fischer mit dem Ehrenamtspreis ausgezeichnet. Damit soll insbesondere die Tatsache gewürdigt werden, dass Fischer den bayerischen Volkstanz über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht hat.

Tänzer mussten Flug selbst zahlen

1983 fuhren 16 Putzbrunner zum Tanzen nach Athen. Ein Bekannter des griechischen Veranstalters eines Folklore-Festivals sollte in Bayern eine Volkstanzgruppe finden. Er fand sie in Putzbrunn. „Der hat ein paar Mal zugeschaut und uns dann eingeladen“, erzählt Fischer. Den Flug in die griechische Hauptstadt mussten die 16 Tänzer, ein Musikant und Franz Scheuerer, der damalige Vorsitzende des Schützenvereins, zu dem die Tänzer bis 1985 gehörten, selbst zahlen. In Athen wurden sie aber rundum versorgt.

Eine Woche lang tanzten zehn Gruppen, unter anderem aus Ungarn, Jordanien und Griechenland, mit den Deutschen aus Putzbrunn zwei Mal pro Abend auf öffentlichen Plätzen in Athen vor rund 500 Zuschauern. Die Putzbrunner zeigten den „Boarischen“, den „Penzberger Mazurka“ und die „Schee Marie“. Für die beste Stimmung sorgten sie aber mit dem „Tiroler Fackeltanz“. Die Fackeln begeisterten das Publikum derart, dass die Putzbrunner den Schreittanz ab dem dritten Tag jeden Abend zeigen mussten.

Fahne brennt beim Fackeltanz

Der Fackeltanz löste auch das kurioseste Ereignis des Festivals aus. Der Schützen-Vorsitzende Franz Scheuerer hatte eine bayerische Fahne dabei und merkte vor lauter Begeisterung nicht, dass diese anfing zu brennen. Auch den Tänzern sei das nicht aufgefallen – erst als die Zuschauer schrien. „Wir haben uns nur gefragt: ,Was ist denn jetzt los?’“ Passiert ist nichts.

Die Putzbrunner nutzten nicht nur die Abende, sondern auch die freien Nachmittage, um den bayerischen Volkstanz in Athen zu verbreiten – wenn auch eher zufällig. Bei einem Spaziergang durch die Stadt entdeckten sie einen BMW-Beiwagen. 1983 eine Seltenheit. Er gehörte einem Gastarbeiter, der für einen Heimaturlaub in Athen war. Der Grieche lud die versammelte Mannschaft spontan für den nächsten Tag zum Kaffee ein. Die Nachbarn hätten sogar Kuchen gebacken, sagt Fischer. „Sie haben uns vorgetanzt und wir ihnen.“

Bürgermeister und Vollblut-Tänzer

Herbert Fischer war Initiator des Volkstanz- und Brauchtumsvereins und 1985 auch Gründungsmitglied. Die Mitglieder wollten selbstständig sein, deshalb verließen sie den Schützenverein. „Wir waren quasi erwachsen und haben das Elternhaus verlassen.“ Neben den Tanzstunden, die er bis 1994 leitete, zeichnete Fischer auch für die internationalen Kontakte verantwortlich, organisierte Reisen ins österreichische Baldramsdorf und nach Ungarn, holte zahlreiche internationale Tanzgruppen nach Putzbrunn. Von seinem Engagement im Verein ließ er sich auch während seiner Zeit als Erster und Zweiter Bürgermeister von 1978 bis 1996 nicht abhalten.

Im Jahr 2002 verließ Herbert Fischer Putzbrunn. Mittlerweile lebt er mit seiner Frau Rosi im Altmühltal. Im Verein ist er noch immer Mitglied und bei Ausflügen oder Festen dabei. Und noch heute kommen rund 30 der über 60 Mitglieder regelmäßig zu Tanzabenden zusammen. Womöglich, weil Herbert Fischer damals, vor mehr als vier Jahrzehnten, nicht einfach vor sich hintanzen wollte.  

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