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Putzbrunner Gemeinderat verhindert Bau eines Mehrfamilienhauses

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Von: Bert Brosch

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Giebelig kommt Putzbrunns Ortsmitte daher. Einen Bau mit Flachdach stoppte nun der Gemeinderat. © Bert Brosch

Das fehlende Giebeldach brachte die Baupläne von Uli Schuler letztlich zu Fall. Er plante in der Glonner Straße in Putzbrunn, in Sichtweite von Kirche und Rathaus, anstelle seines heutigen Wohnhauses ein Mehrfamilienhaus mit sieben Wohneinheiten und Flachdach. Der Bauausschuss stimmte zu, doch das passte einigen Gemeinderäten nicht.

Putzbrunn – Ein Votum gegen das Vorhaben war aber mangels Bebauungsplan nicht vertretbar, denn ohne einen solchen kann der Bauherr gemäß Baugesetzbuch seine Haus- und Dachform frei wählen. Die Lösung: Einen Bebauungsplan hat der Rat nun kurzerhand auf das betreffende Grundstück erweitert – und gleich noch eine Veränderungssperre erlassen.

Schuler, der nun verhinderte Bauherr, ärgert sich über diese Notbremse. „Das Haus ist total ökologisch und innovativ, komplett aus Holz und Glas, nur das Treppenhaus und die Tiefgaragenabdeckung sind aus Beton“, verteidigt er den geplanten Bau mit 24 mal 15 Metern Grundfläche, terrassenartigen Dachgärten und einem Flachdach auf 9,05 Metern Höhe. Rundum stehen höhere Gebäude – mit bis zu 10,16 Metern –, allerdings ausschließlich mit spitzen Giebel- oder Satteldächern. Das soll nun auch so bleiben: Sechs Gemeinderäte, drei von der GPP, zwei Freie Wähler und Bernhard Roßmanith von der CSU, beantragten schriftlich, den Bauantrag noch einmal im Gemeinderat zu besprechen und dort Bebauungsplan samt Veränderungssperre zu erlassen. Mit Erfolg.

Robert Böck (GPP) betonte, ihm und seiner Fraktion gehe es darum, das vor Jahren beschlossene Innerorts-Entwicklungskonzept umzusetzen. „Das sieht eindeutig einen dörflichen Charakter mit Giebeldächern vor.“ Willibald Hackl (FDP) stellte seine Zustimmung auch nur gegen einen Giebel anstelle des Flachdachs in Aussicht. Alexander Bräuer (SPD) stellte fest, dass es in seiner Fraktion unterschiedliche Meinungen zum Bau gäbe. „Aus meiner Sicht ist das geplante Haus auf dieser Fläche viel zu groß, passt da nicht rein – daher lehne ich es ab.“

Eduard Boger (CSU) betonte, dass das immer wieder angeführte Innerorts-Entwicklungskonzept keineswegs einstimmig beschlossen wurde – und nichts weiter als eine Empfehlung sei – und sprach sich für das Projekt aus: „Aus meiner Sicht ist der Bau von der Höhe, Fläche und Optik absolut in Ordnung und baurechtlich nicht zu kritisieren. Jetzt ohne Bebauungsplan einzelne Häuser, die einem nicht passen, abzulehnen, halte ich rechtlich für sehr bedenklich.“ Josef Jakob jun. (FWG) hielt dagegen: „Putzbrunn sollte im Zentrum dörflich, ländlich erhalten bleiben. Wenn wir das Haus genehmigen, kommt der nächste in erster Reihe, und der will zwölf Meter hoch bauen.“

Bürgermeister Klostermeier, im Bauausschuss noch Verteidiger des Neubaus, schwenkte im Gemeinderat um – und auf das Manöver mit dem Bebauungsplan ein. „Ich sehe schon die Problematik als Präzedenzfall für die gesamte Glonner Straße ohne Bebauungsplan, daher stimme ich gegen den Bau.“ Er könne dem Bauherren nur anbieten, schriftlich noch in der Sitzung zu erklären, dass er entweder ein Satteldach bauen wolle oder den Bauantrag zurückziehe.

Bauherr Uli Schuler wollte dies nicht, ein Rederecht für ihn ließ jedoch die Putzbrunner Gemeinderatsordnung nicht zu. Somit ließ die Gemeinderatsmehrheit gegen drei Stimmen aus der CSU den Bauvorbescheid aus dem Bauausschuss zurückziehen. Ebenso wurde ein neuer Bebauungsplan „Putzbrunn Mitte“ für das gesamte Gebiet sowie eine Veränderungssperre erlassen.

Eine mögliche Erklärung für den Sinneswandel der Räte auf dem Weg vom Bauausschuss zum Gemeindegremium lieferte der ehemalige Gemeinderat Gernot Roßmanith, der sich schon lange vehement gegen den Bau, einen „hässlichen Betonklotz, der da nichts zu suchen hat“ ausgesprochen hatte. „Da sieht man, was gute Kontakte und ein Leserbrief bewirken können“, sagte der Ex-Gemeinderat am Rande der entscheidenden Sitzung.

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