Cap-Anamur-Gründer

Putzbrunnerin trauert um ihren Lebensretter Rupert Neudeck

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Putzbrunn – Rupert Neudeck wurde für Tausende zum Schutzengel: Mehr als 11.000 Vietnamesen, die vor dem kommunistischen Regime flohen, fanden dank der Cap Anamur in Deutschland eine neue Heimat. Auch für Dinh Quynh Anh Rohm aus Putzbrunn war dieses Schiff die Rettung.

„Der Tod von Rupert Neudeck macht mich traurig und sehr betroffen“, sagt die 39-Jährige gebürtige Vietnamesin, die in Putzbrunn lebt und zu den ehemaligen Boat People gehört. „Ich hatte in meinem Leben sehr viel Glück, meine Familie und ich haben Rupert Neudeck viel zu verdanken.“ Dinh Quynh Anh Rohm war fünf Jahre alt, als Rupert Neudeck und seine Crew sie retteten.

Vor Piraten gerettet

An die Flucht 1982 kann sie sich zwar selbst nicht mehr erinnern, aber dank der Erzählungen ihrer Familie weiß sie, dass sie mit rund 20 Verwandten ein paar Wochen lang im Holzboot ihres Onkels unterwegs war. „Wir waren schiffbrüchig, unser Motor war ausgefallen und die Piraten waren schon in Sicht. Es war die größte Katastrophe“, erzählt sie: „Ihnen in die Hände zu fallen, wäre schlimmer gewesen als zu ertrinken.“

Auf der Cap Anamur nach Hamburg

Ihre Familie überlebte, weil gerade noch rechtzeitig die Cap Anamur auftauchte. „Es war ihre letzte Fahrt und sie brachte uns direkt nach Hamburg.“ Mit ihren Eltern und den beiden Geschwistern wurde sie anschließend in einem Ausländerwohnheim in Baden-Württemberg einquartiert. Schulausbildung und Studium folgten. Heute lebt die Textilingenieurin mit ihrem Mann und drei Kindern im eigenen Haus im Landkreis.

Kandidatin bei "Wer wird Millionär?"

An Rupert Neudeck hat Dinh Quynh Anh Rohm sehr lebendige Erinnerungen. Er rief sie im Januar 2014 an. Das war nach ihrem Auftritt bei Günther Jauch in der Show „Wer wird Millionär“ (wir berichteten), bei dem sie viele Zuschauer mit ihrer Nervenstärke beeindruckt hatte. „Damals hat sich Rupert Neudeck über Verwandte zu mir durchgefragt und mich nach Hamburg eingeladen, zum 35. Geburtstag der Cap Anamur. Wir haben uns unterhalten, er hat von seinen Kindern erzählt und von seiner Arbeit.“

Rupert Neudecks Beispiel macht Mut

Die Nachricht von seinem Tod habe sie sehr nachdenklich gemacht. „Was ich wirklich an ihm bewundere, ist seine konsequente, selbstlose Hilfe. Ohne ihn wären so viele Menschen gestorben, inklusive wir.“ Sein Leben fordere dazu auf, ein Mitstreiter zu werden, findet sie: „Ich habe so wahnsinnig viel Glück gehabt! Ich habe drei tolle, gesunde Kinder und lebe quasi in einem Bilderbuch, da überlegt man sich schon, was kann ich zurückgeben.“

Der Mut von Rupert Neudeck zeige, wie viel möglich sei, wenn man all die Einwände, die sich immer sofort einstellen, beiseite schiebe: „Er hat eine Hypothek auf sein Haus aufgenommen, die Hilfsorganisationen Cap Anamur und Grünhelme gegründet, seine drei Kinder sind so groß geworden.“ Sie fragt sich: „Was hindert einen eigentlich daran, selbst etwas in seinem Leben zu bewirken? Das gibt mir gerade sehr zu denken.“ 

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