Ruhe geben sollen die Kinder auf dem Spielplatz in Putzbrunn. Mit diesem Schild macht die Gemeinde die Eltern darauf aufmerksam.
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Ruhe geben sollen die Kinder auf dem Spielplatz in Putzbrunn. Mit diesem Schild macht die Gemeinde die Eltern darauf aufmerksam.

„Armutszeugnis für Gemeinde“

Spielplatz-Lärm bedroht Gemeindefrieden: „Kann nicht mehr schlafen“ - Rathaus verärgert Eltern mit Schild

  • Max Wochinger
    VonMax Wochinger
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Eltern und Anwohner streiten in Putzbrunn um Spielplatz-Lärm. Das Rathaus schaltet sich ein, und erntet nun heftige Kritik der Eltern.

Putzbrunn – Ein friedlicher Spielplatz in Putzbrunn: Klettergerüst, Tischtennisplatte, Rutsche. Ein Paradies für Kinder und Eltern. Die harmonische Fassade aber bröckelt: Hier am Birklweg gibt es Streit. Es geht um Lärm, Müll und verhärtete Fronten. Das Rathaus versuchte zu schlichten, doch Bürger greifen nun auch die Verwaltung an. Ein Kampf – ohne Aussicht auf Gemeindefrieden.

Putzbrunn: Ärger um Spielplatz-Lärm - Schild löst Debatte aus

Auslöser für die Debatte ist ein Schild am Spielplatz am Birklweg. Die Gemeindeverwaltung brachte es dort an. „Bitte halten Sie ihre Kinder an, die Lautstärke auf ein Minimum zu reduzieren und nehmen Rücksicht auf die Anrainer des Spielplatzes. Vielen Dank.“ Ein Bild des Schilds wurde auf Facebook geteilt, „ein Armutszeugnis für die Gemeinde“, schrieb der Urheber darüber. Es entbrannte eine hitzige Diskussion von Bürgern aus dem Landkreis München auf der Plattform: „Absolute Frechheit“, „lächerlich“, „Aktion ist überflüssig“, kommentierten die Nutzer. Ein Emoji einer Nutzerin bringt die Stimmung auf den Punkt: ein Hitzkopf.

Spielplatz-Lärm in Putzbrunn: Anwohner bangt um sein Auto - „Kann nicht mehr schlafen“

Den Streit über den Lärm am Birklweg gibt es nicht erst seit dem Facebook-Post. Dieter H. kämpft schon seit fünf Jahren für mehr Ruhe. Er wohnt direkt hinter dem Spielplatz. Seinen vollen Namen will er nicht nennen – aus Angst vor Eltern, die sein Auto in der Einfahrt beschädigen könnten.

„Es ist hier so laut, dass ich nicht mehr schlafen kann“, erzählt der 58-Jährige. Abends würden Jugendliche lautstark feiern und ihren Müll liegen lassen. Mittags kämen teils drei ganze Schulklassen. „Plötzlich schreien hier 40 Kinder herum“, sagt H. An Entspannung auf dem Balkon sei nicht zu denken. An einem Umzug habe er schon gedacht, nur würde er keine bezahlbare Wohnung in der Umgebung finden.

Putzbrunn: Zwischen Spielplatz und Wohnhäusern gibt es keine Pufferzone

Zwischen Spielplatz und Wohnhäusern gibt es keine Pufferzone, lediglich Bäume trennen das Areal. Tatsächlich ist laut Gemeindesatzung der Aufenthalt auf dem Spielplatz nur von 8 bis 12 Uhr sowie 14 bis 20 Uhr erlaubt.

Schon viele Male rief H. bei der Gemeindeverwaltung an, die habe immer nur an die Polizei verwiesen, sagt der Anwohner. Vor rund drei Jahren reagierte das Rathaus mit dem Schild. „Es gab massive Beschwerden wegen der Lautstärke“, sagt Bürgermeister Edwin Klostermeier (SPD). Die Aufregung, die es nun wegen des Schilds gebe, sei ihm „völlig unverständlich“.

Das Schild sei als „freundliche Bitte“ zu verstehen, nicht als Verbot. Es sei kein Versuch der Verwaltung, die Kinder einzuschränken, sagt das Gemeindeoberhaupt. Im Gegenteil: Putzbrunn versuche, eine kinderfreundliche Gemeinde zu sein.

Genervte Anwohner würden darauf hingewiesen, dass der Platz am Birklweg ein Gemeinde-Spielplatz sei, und Kinder würden nun mal Lärm machen. Für Kinder „wird es keine Einschränkungen geben“, verspricht Klostermeier. Er bemüht sich, auf der Seite der Kinder und Eltern zu stehen.

Spielplatz-Streit: Verwaltung hätte Nachbarn „in die Schranken weisen müssen“

Dass die Gemeinde das Schild installierte, ist für Cornelia Jungwirth dennoch „ein Wahnsinn“. Sie ist dreifache Mutter und arbeitet im Gemeinde-Kindergarten, Jungwirth kommentierte auch fleißig den Facebook-Post. „Die Gemeinde hat mit dem Schild den Anwohnern recht gegeben“, sagt sie. Dabei hätte die Verwaltung die Nachbarn „in die Schranken weisen müssen“.

Die Argumente der Anwohner kann sie nicht nachvollziehen. Sie hätten vor dem Einzug gewusst, dass sie neben einem Spielplatz wohnen, sagt Jungwirth. Tatsächlich habe sich die Lage erst seit der Pandemie zugespitzt, sagt Nachbar Dieter H. Er denkt, dass sich nun mehr Kinder auf dem Spielplatz aufhalten. Aufgefallen sei ihm das erst, seit er im Homeoffice arbeitet.

Anwohner will Unterschriften gegen den Spielplatz-Lärm sammeln

Abmontieren will Bürgermeister Klostermeier das Schild nicht. Zumindest in einer Sache sind sich Rathauschef, Mutter und Anwohner einig: Die Bürger müssen miteinander sprechen. In der Vergangenheit hat das nicht geklappt. Künftig wird der Dialog nicht besser funktionieren: Cornelia Jungwirth will den Spielplatz weiter entschlossen ansteuern. Dieter H. will Unterschriften gegen den Spielplatz-Lärm sammeln. Und die Gemeinde „von früh bis spät nerven“, sagt er.

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