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"Münchner Kreis": Pfarrer fordern Kirche ohne Einheitsbrei

Ottobrunn - Pfarrer, die zunehmend als Manager agieren und kaum noch Zeit für die Seelsorge haben, Reformstau, fehlende Transparenz: Das wollen einige Priester und Diakone des Erzbistums München und Freising nicht mehr hinnehmen. Die Resonanz ist gewaltig, wie ein Infoabend mit 250 Gästen zeigte.

Aus „Sorge um die Kirche“ hat eine Gruppe von Pfarrern und Diakonen aus dem Erzbistum München und Freising den „Münchner Kreis“ gegründet. Die Zahl der Mitglieder ist in kürzester Zeit auf 46 angestiegen. Ein erster Info-Abend in der Pfarrei St. Magdalena in Ottobrunn bestätigte jetzt deren Anliegen. Statt der erwarteten 50 folgten fast 250 Katholiken der Einladung. Der Ansturm sprengte die Kapazität des Pfarrsaals, die Veranstaltung musste kurzerhand in die Kirche St. Magdalena verlegt werden.

„Allein dass Sie alle heute gekommen sind, ist für uns Ansporn und Ermutigung, weiterzumachen“, freute sich Dekan Albert Bauernfeind aus Fürstenfeldbruck, einer der Referenten des Abends. Weitere Kreismitglieder auf dem Podium waren Pfarrer Christoph Nobs, Mitinitiator des Kreises und Leiter des Pfarrverbands Vier Brunnen für die Gemeinde Putzbrunn, Grasbrunn, Ottobrunn und Hohenbrunn, sowie Pfarrer Dr. Hans-Jörg Steichele aus München. Alle drei bedauerten die schwindende Nähe zu den Menschen, die durch immer mehr Pfarrverbände entstehe. „Es kommt noch so weit, dass es nur noch einen Gottesdienst im Olympia-Zentrum gibt“, sagte Steichele verärgert. Kirche bedürfe der Einheit, der Vielfalt, aber keines Einheitsbreis.

„Wir wollen keine Revolution ausrufen, sondern auf biblischer Grundlage einen Beitrag zur Verbesserung der kirchlichen Verhältnisse im Bistum leisten“, sagt Bauernfeind. In einer Erklärung anlässlich des 50. Jahrestags der Eröffnung des 2. Vatikanischen Konzils hatten sich die ehemals 25 Mitglieder des Kreises an das Erzbischöfliche Ordinariat gewandt. Ein zentrales Anliegen war dabei die Forderung nach einem offenen Dialog innerhalb der katholischen Kirche. Der Appell sei zur Kenntnis genommen worden, hätte allerdings keine nennenswerte Resonanz erhalten, bedauern die Mitglieder des Kreises.

„Ein besonderes Augenmerk gilt aber 61 seelsorgerischen Empfehlungen, die ein von Kardinal Reinhard Marx eingeleitetes Zukunftsforum zusammengestellt hat“, berichtet Pfarrer Nobs. Nur drei davon seien „herausgegriffen“ worden, etwa der Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen, die Weiterbildung von Ehrenamtlichen und die Zusammenarbeit in den Pfarrverbänden. „Wir wissen nicht, was mit den anderen 58 geschieht, deshalb fordern wir ja mehr Transparenz und Information.“ Man habe nun verschiedene Gremien angeschrieben. „Es waren formelle Briefe, jetzt erwarten wir auch formelle Antworten.“

Nach Antworten suchten später auch einige Besucher am Mikrofon, wie etwa Theo Säugling, Pfarrgemeinderat a.D. .Er sei gekommen, um zu erfahren, welche Wege konkret angedacht seien, ob man gegen den oder mit dem Bischof agiere. Albert Bauernfeind erläuterte: „Es nutzt nichts, wenn wir allein im Galopp vorweg rennen, sondern schön Schritt für Schritt gehen.“ Es sei alles eine Sache der Kommunikation miteinander.

Dem pflichtete Harald Gossner, ehemaliger Pfarrgemeinderat, bei. Er betonte, dass niemand eine Spaltung wolle, sondern den Dialog. „Der Münchner Kreis könnte unser Sprachrohr in die Diözese sein.“

Professor Wilhelm Sing, der an der Katholische Stiftungsfachhochschule München gelehrt hat, schimpfte: Er würde heute in keinem kirchlichen Gremium wirken, weil diese nicht dafür geeignet seien, etwas voran zu treiben. Und Rudolf Herwig, Pfarrgemeinderats-Vorsitzender von „Christi Himmelfahrt“ bedauerte, dass man als Laie in der Kirche gar nicht richtig wahrgenommen werde.

Der „Münchner Kreis“ hat einen Stein ins Rollen gebracht. Allein an diesem Info-Abend trugen sich 55 Gläubige in die ausliegenden Solidar-Listen ein, 104 Namen standen dort bereits. Mitstreiter werden weiter gesucht. Noch nach Veranstaltungsende gegen 22 Uhr standen die Menschen beieinander und diskutierten. In einem der Gespräche entstand spontan die Idee zu einer Strategiegruppe, die sich ab jetzt zum Dialog mit Pfarrer Nobs treffen will. ko

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