Eine Synodalgruppe mit Präsident statt eines Papstes: Das scheint Pfarrer Christoph Nobs sinnvoller. Foto: Archiv

Wunsch nach Benedikt-Rücktritt

Pfarrer Nobs: Kirchenvolk soll Papstwahl beeinflussen

Putzbrunn - Nach der Nachricht vom Rückzug von Papst Benedikt XVI. hat Pfarrer Christoph Nobs (49) gestern ein Glas Sekt getrunken.

Schon bei der Berufung vor knapp acht Jahren sei Joseph Ratzinger der Falsche gewesen, findet der Leiter des Pfarrverbandes „Vier Brunnen“ für Putzbrunn, Grasbrunn, Ottobrunn und Hohenbrunn. Eine Einschätzung, die sicher nicht der Meinung einer Mehrheit entspricht (s. die ausführliche Berichterstattung im Münchner Merkur). Die Pfarrer Christoph Nobs aber sehr deutlich zu vertreten weiß.

-Papst Benedikt XVI. tritt Ende Februar zurück. Wie wird er in Erinnerung bleiben?

Er war ein Papst aus Bayern, egal, wie man zu ihm steht. Für mich war er restaurativ-reaktionär. Einer, der nicht mehr in diese Zeit passte. Leute wie mich hat er enttäuscht. Ja, mehr noch, er hat mich frustriert.

-Können Sie das verdeutlichen?

Er hat die Kirche wieder klerikaler gemacht und zentralistischer. Und auch diese Pseudo-Volkstümlichkeit passte eigentlich nicht mehr.

-Denken die Menschen in Ihrem Pfarrverband genauso?

Zumindest, wer auf Reformen hofft - und das sind nicht wenige, auch wenn sie still sind. Wir haben jetzt die Aufgabe, bis zur Papstwahl unsere Einsichten ins Spiel zu bringen. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Wir müssen Einfluss auf das Konklave nehmen. Es darf nicht wieder ein Papst am Volk vorbei gewählt werden.

- Wie könnte ein solcher Einfluss aussehen?

Erst kürzlich haben sich 150 Unterstützer des Münchner Kreises getroffen. Sie haben eine virtuelle Gemeindeinitiative gegründet. Auf www.gemeindeinitiative.org können sich jetzt engagierte Getaufte miteinander vernetzen. Sie können kommunizieren. Damit ist das Kommunikationsmonopol des Bischofs aufgehoben. Die Gläubigen sind nicht länger Schafe. Sie sind Subjekt ihrer Geschichte innerhalb eines pluralen kirchlichen Diskurses, der öffentlich gehört wird.

-Schluss mit dem Von-Oben-Nach-Unten?

Ja, denn Gott ist kein Monarch. Gott ist dreifaltig. Und ich glaube, Ratzinger hat gemerkt, dass sein Stil nicht mehr zeitgemäß ist.

- Wie müsste der Nachfolger agieren?

Die Frage ist, ob es überhaupt ein Einzelner sein sollte. Wäre nicht eine Synodalgruppe mit einem Präsidenten sinnvoller? Das ist innovativ, aber zeitgemäß. Die neue Generation ist sehr individuell und entzieht sich allen autoritären Vorgängen. Joseph Ratzinger dagegen war geprägt von autoritären Zeiten. Die 1968er-Bewegung hat ihn traumatisiert.

- Müsste der Nachfolger jünger sein?

Die Erfahrung der alten Menschen sollte man nicht gering schätzen. Ihre Stimme muss Einfluss haben. Aber eben nicht exklusiv.

-Joseph Ratzinger war 78, als er 2005 Papst wurde. Würde Ihrer Meinung nach, schon als Voraussetzung, eine Altersbegrenzung für diese Aufgabe Sinn machen?

Vor allem muss man das Amt zeitlich begrenzen. Jeder hat so seine Ideen, aber nach zehn Jahren ist das abgenutzt und zugleich geht die Pluralität verloren.

-Der Papst spricht in seiner Rücktrittserklärung davon, dass seine Kräfte nicht mehr reichen. Ein Hinweis auch auf eine Art Burn Out?

Das ist anzunehmen. Die Kleriker tragen die ganze Macht. Ein zusätzliches Argument für eine Synodalgruppe. Die Verantwortung würde verteilt. Nicht nach Weihe natürlich, sondern nach Kompetenz. Dann ist die Aufgabe zu stemmen. Benedikt XVI. hat viele schwierige Situationen erlebt. Das Thema Kindesmissbrauch war sicher eine schwere Belastung, die ihn nicht nur gestreift, sondern auch betroffen hat.

-Erinnern Sie sich, was Sie gemacht haben, als sich die Kardinäle 2005 für Joseph Ratzinger entschieden haben?

Ich saß in der Staatsoper und habe mir die Zauberflöte angeschaut. Da kam die Nachricht. Und ich dachte mir: O je. Doch für mich ist heute kein Freudentag - man weiß ja nicht, wie die nächste Wahl ausfällt.

Das Gespräch führte

Ilsabe Weinfurtner

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