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Auftritt zur 50-Jahr-Feier der Musikschule Straßlach: Kinder und Jugendliche sollen hier vor allem Freude an der Musik haben.

Bildung

Qualitätsdefizit: Musikschule in der Kritik

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  • Andrea Kästle
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Straßlach-Dingharting - Wie viel Anspruch muss eine Musikschule leisten? Diese Frage treibt Susanne Köster-Liebrich, Vorsitzende der Musikschule in Straßlach, seit der letzten Gemeinderatsitzung um. Hier musste sie heftige Kritik einstecken.

Von einem Qualitätsdefizit war die Rede, und, dass der Instrumentalunterricht immer schlechter werde. Angefangen hatte alles mit einem Zuschussantrag für die Musikschule. Seit zwölf Jahren kümmert sich Susanne Köster-Liebrich ehrenamtlich als Vorsitzende um die Belange der Musikschule. Mit viel Hingabe und Engagement, wie sie findet. Jetzt habe sie sich zum ersten Mal wie vor den Kopf geschlagen gefühlt, sagt sie.

Weil die Zahl der Schüler von 220 im vergangenen Schuljahr auf 175 gesunken ist, schreibt die Musikschule rote Zahlen. Um das Defizit auszugleichen, stellte Köster-Liebrich einen Antrag an die Gemeinde, die kommunale Förderung von 38 000 Euro auf knapp 47 000 Euro zu erhöhen. Dem stimmte der Gemeinderat zwar zu. Zuvor allerdings hagelte es in der öffentlichen Sitzung Kritik. Vor allem die musikalische Früherziehung, teilte die Verwaltung dem Gremium mit, wurde heuer weniger nachgefragt, „seit 2014 waren die Jahresergebnisse immer negativ“, berichtete Kämmerer Franz Kurz. CSU-Gemeinderat Reinhold Lang merkte an, der Schülerschwund habe wohl mit einem „Qualitätsdefizit“ an der Schule zu tun. Der Instrumentalunterricht werde „immer schlechter“, das merke man, sobald man mal in Grünwald ein Konzert besucht. Lotte Gießler (BB) gab zu bedenken, junge Leute seien mit „mittelalterlicher Musik“ heute nicht mehr zu locken.

Susanne Köster-Liebrich, die im Publikum saß, fühlte sich „wie vor den Kopf geschlagen“. „So eine Kritik habe ich zum ersten Mal gehört, und dann sitzt man da, und kann sich nicht wehren.“ Niemand sei vorher an sie herangetreten und habe Kritik geäußert. Das nun in öffentlicher Sitzung zu tun, findet sie, ist nicht die feine Art. „Ich habe nach der Sitzung nur geweint“, sagt die Vorsitzende. So verletzt sei sie gewesen. Schließlich würde sie sich für die Musikschule aufarbeiten, ihr ganzes Herz hängt daran. „Und wir sind eigentlich immer bemüht, ein vielfältiges Programm zu bieten, auch neue Angebote“, wehrt sich Köster-Liebrich. Alle zwölf Musikschullehrer seien hochkarätige Musiker, die auch als Solokünstler erfolgreich seien.

Vielleicht haben manche auch falsche Vorstellungen, wenn sie die Musikschulkonzerte besuchen, glaubt Köster-Liebrich. Man könne von Kindern, die gerade erst angefangen haben mit einem Instrument, nicht erwarten, dass sie Qualität wie ein Berufsmusiker abliefern. „Wir sind ja schließlich kein Konservatorium“, sagt die Vorsitzende. Aber sie habe sehr wohl gemerkt, dass der Anspruch von Eltern und Besuchern heute ein anderer ist. „Es muss immer mehr sein, es muss immer etwas geboten sein, immer mehr Show. So ein klassisches Konzert, wie es sie früher gab, das ist einfach nicht mehr gefragt.“ Deshalb will die Musikschule ihren Tag der offenen Tür im Mai diesmal als großes Event präsentieren, mit moderner Rock- und Popmusik, und mit Auftritten fortgeschrittener Schülern, die das Renommee der Schule nach außen tragen. Denn genau darum fürchtet Köster-Liebrich nun mit der aktuellen Kritik aus dem Gremium. Und sie findet es unfair. Die schwindende Schülerzahl habe nichts mit mangelnder Qualität zu tun. Vielmehr seien die Gruppen für die musikalische Früherziehung um die Hälfte kleiner. Viele Abiturienten haben nach der Schule mit der Musikschule aufgehört. „Und dann kamen viel weniger nach.“ Außerdem hat eine Gesangslehrerin an der Schule ihren Dienst aufgegeben. „Mit ihr sind dann auch gleich mal zehn Schüler weggewesen“, erklärt Köster-Liebrich. Der Nachwuchs müsse erst langsam wieder aufgebaut werden.

Nichtsdestotrotz müsse auch ganz bewusst die Frage gestellt werden, wie viel Anspruch eine Musikschule eigentlich leisten muss. „Natürlich müssen auch Fortschritte erkennbar sein, aber in erster Linie sollen die Kinder und Jugendlichen Freude an der Musik haben“, findet Köster-Liebrich. Sie spricht auch die vielen sozialen und zwischenmenschlichen Aspekte an. „In unseren Ensembles werden so viele Freundschaften geknüpft, weil die Jugendlichen hier gemeinsam musizieren.“ Sie lernen durch Auftritte, mit Lampenfieber umzugehen. Und sie stärken mit Erfolgserlebnissen ihr Selbstvertrauen. Und genau darauf komme es an – und nicht auf den ein oder anderen schiefen Ton.

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